Wernigerode l „Die Leute, die hier wohnen, wissen gar nicht, wie schön sie es haben“, sagt Martina Döhler. Dabei gehört die 62-Jährige seit drei Wochen dazu – zu den Leuten, die sich glücklich schätzen können, in Wernigerode zu wohnen. Sie und ihr Mann Matthias sind am 22. Dezember, kurz vor Weihnachten, in eine Wohnung im Langen Schlage gezogen. Damit haben sich die beiden Sachsen, die zuletzt viele Jahre in Nürnberg lebten, einen Lebenstraum erfüllt.

„Wir waren oft im Urlaub in Wernigerode, schon zu DDR-Zeiten“, erinnert sich die gebürtige Meeranerin. Kurz nach der Wende hätten sie auch in Schierke Ferien verbracht, denn sie und ihr Mann lieben das Wandern. „2009 haben wir schließlich das Hotel ‚Altora‘ für uns entdeckt, waren jedes Jahr in Wernigerode“, sagt sie. Dass sich die beiden für das Eisenbahnhotel begeistern konnten, ist kein Zufall, denn die Döhlers sind von Kindesbeinen an passionierte Eisenbahnenthusiasten.

Angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt

Dass sie gerade eingezogen sind, sieht man der schmucken Bleibe nicht an. Modern und gemütlich haben es sich die beiden eingerichtet. Ersten Besuch von der Familie haben sie bereits kurz nach Weihnachten erhalten. „Sie waren begeistert von der Stadt, von der Wohnung“, sagt Martina Döhler. Alle beneideten sie um diesen Lebensmittelpunkt.

„Es war schwer eine Wohnung zu bekommen, die Nachfrage übersteigt das Angebot in Wernigerode bei Weitem“, erinnert sich Matthias Döhler. Drei Wohnungen hätten sie sich seit Januar 2017 angeschaut. Die Zusage für ihr 75-Quadratmeter-Domizil erhielten sie im September. „Da haben wir gleich die Korken knallen lassen“, sagt Martina Döhler. Wernigerode sei aufgrund der attraktiven Innenstadt mit vielen inhabergeführten Geschäften und der Gastlichkeit der Einheimischen ein immer wieder gerne anvisiertes Urlaubsziel gewesen, verrät sie. „Ich hoffe, dass die Vielfalt in der Stadt erhalten bleibt“, sagt sie. Interessiert seien ihnen die Wernigeröder bisher gegenüber getreten. „Sie hören unseren Akzent und fragen direkt, woher wir kommen. Heißen uns willkommen“, staunt sie.

In der Wohnung liegen Zuglaufschilder, auch ein HSB-Kalender steht schon bereit. Das Wandern und die Eisenbahn – das sind ihre großen Leidenschaften. Bereits seit 2016 sind sie Mitglieder in der Interessengemeinschaft der Harzer Schmalspurbahnen, freuen sich darauf, ihre Passion für die Bahn dort einbringen zu können. Auch im Harzklub möchte das Paar aktiv werden. An einem Vereinsabend haben sie bereits teilgenommen.

Selbstverständlich hätten sie schon ein Volksstimme-Abonnement abgeschlossen. „Wir müssen doch wissen, was hier los ist“, sagt Martina Döhler. „Wir hatten immer eine Tageszeitung. Die brauchen wir.“

Schon Martina Döhlers Großvater arbeitete bei der Bahn. Ihr Mann war bereits drei Jahre lang als Jugendlicher bei der Pionierbahn in Leipzig, die um den Auensee fährt, aktiv, betreute dort Kinder, die in der Bahn mitfuhren. „Die Bahn kann Passagiere mitnehmen, fährt heute noch, und das auf einer Spurweite von 381 Milimetern“, erklärt er. „Heute heißt sie Parkeisenbahn.“ Seine Frau lernte er in Dresden an der Ingenieurschule kennen. Sie studierte Ingenieurökonomie bei der Deutschen Reichsbahn, er Eisenbahnssicherungstechnik. 1976 heirateten sie. Ihr Sohn absolvierte eine Lehre im Eisenbahnbereich im Reichsbahnausbesserungswerk Chemnitz. Heute arbeitet er als Ingenieur in der Luftfahrttechnik.

Wunsch für 2018: Job im Tourismusbereich

Nach vielen Jahren im Reichsbahnamt und bei der Signal- und Fernmeldemeisterei in Leipzig kam die Wende, beide verloren ihre Jobs, mussten sich neu orientieren. Über Plauen, wo Marina Döhler im Tourismusverband arbeitete, verschlug es sie schließlich Ende der 1990er nach Nürnberg. Regelmäßig suchten sie den Harz auf. „Meine Cousine lebt in Silstedt“, sagt der 65-Jährige. „Das war auch ein Grund, nach Wernigerode zu ziehen, wenn auch nicht der ausschlaggebende.“

Martina Döhlers großer Wunsch für das neue Jahr sei es, einen Job im Tourismusbereich zu finden. „Ich bin mit der Tourismus GmbH im Gespräch“, sagt sie. „Das hat mir schon in Plauen große Freude bereitet.“