Hasselfelde

Mit Schaufel und Gießkanne im Kurpark

Mit einer Aktion für ihre Umwelt haben Kinder aus Hasselfelde ein Zeichen gesetzt. Ihr Engagement kommt dem Kurpark ihrer Heimatstadt zugute.

Von Katrin Schröder
Haben gemeinsam im Kurpark Hasselfelde zehn Kirschbäume gepflanzt und angegossen (von links): die Schulkameraden Hannah, Amy, Laila, Diego, Monique, Ben, Kim, Moritz und Oskar.
Haben gemeinsam im Kurpark Hasselfelde zehn Kirschbäume gepflanzt und angegossen (von links): die Schulkameraden Hannah, Amy, Laila, Diego, Monique, Ben, Kim, Moritz und Oskar. Foto: Katrin Schröder

Hasselfelde - Erwartungsvoll schauen die zehn Kinder auf Tom Hartung. Der Vater von Kim hat ein Ein-Mann-Bohrgerät in den Hasselfelder Kurpark mitgebracht. Unter lautem Dröhnen bohrt Hartung, der im Hauptberuf Revierförster in Rübeland ist, zehn Löcher in den Rasen entlang der Kurpark-Wege. Denn als Privatmann und Vater unterstützt er eine Aktion, die seine Tochter und ihre Klassenkameraden auf eigene Initiative gestartet haben.

Es begann in einer Unterrichtsstunde, berichtet Amy: „Wir haben in der Schule mit unserem Lehrer darüber gesprochen, dass überall zu viel Müll herumliegt.“ Das Thema ließ die Mädchen und Jungen der dritten Klasse nicht los. Sie beschlossen, etwas zu tun: „Wir sind in Kleingruppen losgegangen und haben Müll gesammelt“, berichtet Oskar.

Abfall entsorgt

Säcke voller Abfall hätten die Kinder in der Grünanlage aufgefunden, berichtet Pfarrer Karsten Höpting, dessen Sohn ebenfalls mitgesammelt hat. Sogar ein rostiges Fahrrad haben die Mädchen und Jungen in der Hassel entdeckt und aus dem Wasser gezogen.

Dass es nicht dabei geblieben ist, das ist einem Passanten zu verdanken, dem die Aktion der Kinder auffiel und offensichtlich gefiel. Als Anerkennung für ihre Mühe gab er den Kindern zehn Euro, damit sie sich ein Eis kaufen könnten. „Aber wir wollten es lieber für einen guten Zweck nutzen und Bäume pflanzen“, berichtet Hannah.

Zehn Pflanzen gestiftet

Mit ihrem Anliegen wandten sich die Kinder an Kims Vater, berichtet Ben weiter. „Sie wollten wissen, ob sie im Kurpark Bäume pflanzen dürfen und wo sie die Setzlinge herbekommen“, berichtet Tom Hartung. Der Hasselfelder fand eine Baumschule, die als Sponsor zehn Pflanzen bereitstellte.

Derweil sprach Pfarrer Höpting mit Ortsbürgermeister Heiko Kaschel (FWG Oberharz), um die Erlaubnis der Stadt für die geplante Pflanzaktion einzuholen. Diese wurde unkompliziert erteilt. Einzige Bedingung: Die Bäume sollten nicht die Sicht auf die frühere Kurpark-Bühne verstellen, die möglicherweise zur 800-Jahr-Feier im kommenden Jahr wieder hergerichtet werden könnte (die Volksstimme berichtete).

Die zehn Wildkirschen, die nun den Wegrand säumen, werden zur Aufwertung der städtischen Grünanlage beitragen – vor allem, wenn sie blühen. Da ist sich Tom Hartung sicher: „Das wird ein schönes Bild, Die Kirsche hat eine ganz tolle Blüte.“ Die Früchte der Bäume seien klein, aber sehr schmackhaft – nicht nur für menschliche Esser, sondern auch für Vögel und andere Tiere, die sich im Herbst daran laben können. Im Frühjahr und Sommer bieten die Kirschbäume Insekten und vor allem den Bienen Nahrung. Daran, dass die Setzlinge gut gedeihen werden, habe er keinen Zweifel. „Der Boden ist hier ganz wunderbar“, urteilt Hartung.

Dank vom Ortschaftsrat

Dass Neupflanzungen mit Blick auf das Klima und das Waldsterben im Harz wichtig seien, unterstrich Ilka Kersten. Im Auftrag des Ortschaftsrates bedankte sich das Ratsmitglied mit einem kleinen Geschenk bei den Kindern. „Jeder Baum ist wichtig“, sagte sie.

Das sehen die Grundschüler genauso. „Wir machen das freiwillig“, betont Kim. Und ihre Mitschülerin Amy fügt hinzu: „Außerdem macht es uns ja auch Spaß.“ Der Mann, der ihnen den Zehn-Euro-Schein gegeben hat, ist übrigens nicht wieder gesehen worden. Und weil sie die Kirschbäume geschenkt bekommen haben, konnten die Mädchen und Jungen von dem Geld Futter kaufen – „für eine Katze, die in der Natur lebt“, sagt Amy.