Reddeber/Wernigerode l Totgesagte leben länger. Knapp zwei Jahre ist es her, als die Reddeberaner Alarm schlugen. Die Feuerwehr des Ortsteils stand damals mit nur noch fünf aktiven Mitgliedern vor dem Aus. Mit Flugblättern trommelten Kameraden für Verstärkung, um ihre Einsatztruppe zu retten. Seither war relativ wenig von Brandschützern zu hören. Aber es gibt sie noch.

Bis zu 15 Männer und Frauen treffen sich inzwischen wieder zu den Dienstabenden. „Die meisten von uns sind altgediente Kameraden“, sagt Joe Wiese. „Aber es sind auch ein paar Neue dabei.“ Denn eine Feuerwehr gehöre zum Ort dazu, sind sich die Kameraden einig. „Die braucht man hier einfach.“ Ohne die Feuerwehr würde es auch Reddeber nicht mehr geben.

Noch bilden sie keine Ortswehr, sie sind als Löschgruppe der Ortsgruppe Wernigerode unterstellt. Großes Ziel ist es, wieder eigenständig zu werden. Bis dahin ist es aber ein langer Weg – ein Weg, der von außen streng beäugt wird. „Wir werden es weiter mit euch versuchen“, sagt Wernigerodes Feuerwehrchef Matthias Treuthardt. „Wir werden sehen, ob eine Steigerung erkennbar ist.“ 2017 hatten sich die Reddeberaner mit Vertretern der Stadt und der Feuerwehr Wernigerode auf eine Testphase bis Ende 2018 geeinigt. Diese wurde nun verlängert. Bis Februar haben die Reddeberaner Zeit, sich zu beweisen. Voraussetzungen für eine eigene Ortswehr sind gut ausgebildete Kameraden, regelmäßige Dienstabende und natürlich Einsatzbereitschaft im Falle eines Brandes.

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Probleme begannen mit Eingemeindung

Ohne die Werbeaktion 2016 wäre die Feuerwehr Reddeber Geschichte. Die Probleme fingen schon 2010 an. Nach der Eingemeindung des Ortes nach Wernigerode vervielfachte sich die Zahl der Einsätze, was viele Feuerwehrleute verprellte. Dazu kam, dass sich nach dem Wegzug von Ortswehrleiter Jörg Ohlrogge kein Nachfolger fand. Die verbliebenen Kameraden wurden der Nachbarfeuerwehr Minsleben angegliedert – auch nur eine Übergangslösung. Weitere Aktive sprangen ab. Zudem gab es auch interne Querelen, wie aus dem Kreis der Kameraden zu hören ist.

„Damals war es relativ dünne“, blickt Volker Friedrich zurück. Umso mehr freut sich der Ordnungsdezernent, dass die Reddeberaner nicht aufgegeben haben. „Als Träger der Feuerwehr müssen wir jeden Strohhalm nehmen, den wir kriegen“, so Friedrich. Denn in Notfällen sei jeder Mann und jede Frau gefragt. Gleichzeitig sei die Feuerwehr „hochwichtig“ als Anker im gesellschaftlichen Leben des Dorfes. „Da kann man nur danke sagen, dass ihr es weiter versucht“, so Friedrich. Bei über zehn Mitgliedern sei er optimistisch, was die Zukunft angeht. Man müsse nun aber schauen, wie viele Kameraden zur Stelle sind, wenn die Sirene heult.

„Wir würden uns freuen, wenn die Feuerwehr Reddeber mit mindestens sechs Leuten bei Einsätzen dabei ist“, sagt Vize-Stadtwehrleiter Marco Söchting. Hilfreich sei, dass die Brandschützer des Ortsteils seit Kurzem wieder mobil sind. Weil ihr Löschfahrzeug in Wernigerode gebraucht wurde, hatten „wir ihnen übergangsweise die Flügel gestutzt“. Seit Oktober steht der Wagen wieder im Feuerwehr-Gerätehaus bereit. Zudem wurde das Dach der Geschäftsstelle mit einer neuen Sirene ausgestattet. „Keiner will, dass die Feuerwehr hier geschlossen wird“, so Söchting. Das letzte Wort habe die Stadt. „Wir werden versuchen, das Beste rauszuholen.“ Und motiviert sind Reddebers Brandschützer. „Sonst würden wir zuhause auf der Couch sitzen.“