Wernigerode l „Mountainbiken boomt, es ist ein wichtiger Faktor für das Hotelgewerbe und die Gastronomie“, sagt Max Schmidt. Der 26-jährige Wernigeröder hat in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Garritt Wenzel zwei „Trail-Karten“ (Trail = engl. für Pfad) entwickelt, die Freunde des Radsports begeistern dürften. In Teil 1 finden Sportler die 75 schönsten Trails zwischen Wernigerode und Ilsenburg, Schierke und Brocken. In der zweiten Karte 65 Routen zwischen Braunlage, Schierke, St. Andreasberg und dem höchsten Harzgipfel.

Ohne Karte ist viel Recherche nötig

Schmale Pfade, abwechslungsreiche Strecken und abenteuerliche Abfahrten – begleitet von den aufsehenerregenden Panoramen, die das Mittelgebirge zu bieten hat: Das ist ihre Welt, und dafür reisen zahlreiche Sportler in den Harz. „Wenn Mountainbiker in den Harz kommen, müssen sie erst auskundschaften, welche Wege geeignet sind, wo es sich besonders lohnt, entlang zu fahren und wo man nicht entlang darf“, so Schmidt. „Bevor es richtig Spaß macht, geht also eine Menge Zeit für Recherche drauf. Wertvolle Urlaubszeit.“

Deshalb entschloss sich Max Schmidt vor anderthalb Jahren, ein Kartenwerk auszuarbeiten, das Mountainbikern schnell und übersichtlich Orientierung bietet. Als Nachwuchs im Wernigeröder Familienunternehmen Schmidt-Buch-Verlag wurde ihm die kartographische Denke quasi in die Wiege gelegt. „Bei meiner Recherche bin ich aber schnell auf Wege gestoßen, bei denen ich mir nicht sicher war, wie ich sie einordnen soll“, erinnert er sich. Deshalb ging er auf Garritt Wenzel zu. „Mir war es wichtig, die Harzer Mountainbike-Szene einzubinden“, sagt Max Schmidt.

Gezielt Routen vorbereiten

Der 45-jährige Garritt Wenzel steht als Sprecher der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) voll im Stoff. Dem DIMB gehören deutschlandweit 80.000 Mitglieder an. 230 Pedalritter zählt der DIMB im Harz. „Wenn ich aus Hamburg zum Mountainbiken in den Harz komme, will ich sofort losfahren. Mit unserer Karte geht das: Ich kann mich schon zuhause auf meinen Trip vorbereiten und die Strecken gezielt planen.“

Es ist die erste Karte, die Mountainbike-Trails abbildet, gespickt mit zahlreichen Zusatzinformationen, von denen Touristen, aber auch heimische Sportler profitieren können. So ist es nicht verwunderlich, dass großes Interesse an dem reiß- und wasserfesten Kartenwerk besteht.

Für Gelegenheits- bis zum Endurofahrer

„Die Nachfrage ist enorm“, sagt Max Schmidt. Er ist mit Garritt Wenzel das gesamte Streckennetz abgefahren. Wie viele Kilometer die beiden zurückgelegt haben, können sie nicht sagen. „Viele“, sind sie sich einig. Wenzels Lieblingsstrecke ist der Pfarrstieg. Max Schmidt favorisiert den Ottofelsen – eine schwarz markierte Strecke auf der Karte.

Was das heißt? „Ganz einfach, es ist wie beim Skifahren“, erläutert Schmidt. Blaue (einfache), rote (mittlerer Anspruch) und schwarze (schwierige) Routen verraten den Schwierigkeitsgrad – vom Gelegenheitssportler bis zum versierten Enduro-Fahrer. „Für Mountainbiker ist diese Information wichtig, weil sie ihr Können stetig verbessern wollen“, erläutert Garritt Wenzel. „Es geht richtigen Mountainbikern nämlich überhaupt nicht ums schnelle Fahren.“

Technik verbessern durch Wiederholung

Beim Mountainbiken werde man durch gezieltes Wiederholen schwieriger Passagen stetig besser und erreiche so neue technische Level. „Das unterscheidet uns von Wanderern. Ein Wanderer läuft eine Strecke einmal, wir fahren mehrmals dort entlang, wenn es uns gefällt“, sagt der Fotograf.

Der Kartenmaßstab 1:25.000 ermöglicht eine sehr detaillierte Darstellung der Wege. „Oft sind Karten im Maßstab 1:75.000. Darauf erkennt man jedoch sehr wenig. Wir haben uns lieber für ein kleines Gebiet, von Ilsenburg zum Brocken, und von St. Andreasberg bis zum Brocken, entschieden und zeigen darauf alle Details.“

Verhaltensregeln sind inklusive

Darunter Streckenbeschaffenheit, Schutzhütten, Gasthäuser, Rettungsstellen, Parkplätze, Kloster, Mühlen, Herbergen, Sehenswürdigkeiten, Gehege, Gleise und vieles mehr. Selbst die Wandernadel-Stempelstellen sind enthalten. „Besonders wichtig war uns die Abstimmung mit dem Nationalpark“, berichtet Max Schmidt. „Alle Wege, die gesperrt sind für Radfahrer, sind gekennzeichnet.“ Naturschutz und Mountainbiken stünden in keinem Widerspruch. Verhaltensregeln für das Mountainbiken sind daher ebenfalls in der Karte zu finden.

Zusätzlich hat Max Schmidt mögliche Konfliktstellen mit Wanderern mit einem Warndreieck gekennzeichnet. 23 Trails sind auf der Rückseite der Karte ausführlich beschrieben Besonders lohnenswerte Touren, zum Beispiel rund um den Hohnekamm, sind auf der Rückseite gesondert beschrieben, inklusive Informationen wie Höhenmeter, Länge der Tour, Technikanspruch, alternative Forststraßen für weniger ambitionierte Radler und Hinweise auf herrliche Ausblicke.