Königshütte l Es könnte alles so schön sein: Ein Grill lädt zum geselligen Beisammensein ein, das satte Grün des gepflegten Rastplatzes zeichnet ein idyllisches Bild und im Hintergrund plätschert beruhigend der Wasserfall. Doch nach einem sonnigen Wochenende sieht es am Königshütter Wasserfall alles andere als gemütlich aus. Das Problem: Gäste hinterlassen massenhaft ihren Müll. Die Akteure im Ort suchen derzeit nach einer Lösung.

Die Thematik beschäftige Harzklub und Ortschaftsrat schon seit dem vergangenen Jahr, erklärt Torsten Deicke. „Wir haben nach den ersten Eskapaden Schilder an den Hütten und an Pfosten angebracht, mit der Bitte, dass die Wanderer ihren Müll mitnehmen sollen. Aber das wird ignoriert“, bemängelt der stellvertretende Ortsbürgermeister (SPD). „Es sind aber nicht nur Wanderer, sondern auch Familien, die mit ihren Fahrzeugen anreisen, grillen, hier den Tag verbringen und ihren Müll einfach dalassen“, ergänzt André Deutschmann vom örtlichen Harzklub-Zweigverein.

Rastplatz gleicht Müllhalde

Vor allem eine Magdeburger Familie mit ausländischen Wurzeln falle auf. „Sie waren in den vergangenen Wochen schon dreimal hier. Einer bleibt immer im Auto sitzen, als würde er Wache halten, die anderen legen sich auf Decken an den Wasserfall“, beschreibt Torsten Deicke seine Beobachtungen.

Dagegen sei an sich auch nichts einzuwenden, „aber sie kommen her mit dem Vorsatz, eine Müllhalde aus dem Platz zu machen“, wirft das Ortschaftsratsmitglied vor. „Sie haben Säcke dabei, stellen sie hier ab und denken, damit sei es gut“, meint Harzklubler André Deutschmann.

Tiere plündern die Säcke

Doch das ist ein Irrglaube.Denn alles, was nicht in die drei Mülleimer passt, wird über Nacht von Wildtieren geplündert und auf dem Rastplatz verteilt, wie Torsten Deicke anhand von Fotos beweist. „Hier sieht es am Montag aus wie Sau“, bringt er es auf den Punkt. „Und ich kann auch von keinem Mitarbeiter der Stadt verlangen, dass er sich zwei Stunden ans Bein bindet, um alles aufzuräumen.“ Also übernehme er das, ebenso wie Mitglieder des Harzklubs und andere Helfer. „Aber wir können unseren Ablauf am Wochenende nicht darauf ausrichten. Das ist keine Dauerlösung“, betont Torsten Deicke.

Deshalb habe er sich Hauptamtsleiter Hans-Henning Friedrichs und Oberharz-Bürgermeister Ronald Fiebelkorn (CDU) zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen, um zusammen mit der Stadtverwaltung und dem Harzklub das Müllproblem anzugehen. Erste Überlegungen, den Grill abzubauen, um den Reiz des Rastplatzes zu mindern, waren gleich vom Tisch. Stattdessen soll eine große, abschließbare Mülltonne hinter den Bäumen aufgestellt werden, in der die engagierten Akteure die Müllsäcke noch vor der Nacht, und somit vor den Tieren geschützt, unterbringen können. „Der Bauhof könnte einen Schlüssel bekommen und dann auf seiner Tour die Säcke mitnehmen“, erläutert Torsten Deicke. Schließlich kommen die Mitarbeiter sowieso jeden Freitag zum Leeren der Mülleimer vorbei.

Suche nach Lösungen

Deicke selbst wolle die Tonne sponsern. „Und das Abholen sollte kein Problem sein“, schätzt Bürgermeister Fiebelkorn ein. „Eventuell könnte man sogar die Touren anpassen“, meint Hauptamtsleiter Friedrichs.

Das könne letztendlich sogar spontan nach Bedarf geschehen, da sich der Bauhof mittlerweile breit aufgestellt habe. „Wir haben mittlerweile aus fast jedem Ortsteil einen Mitarbeiter dabei, der sich jeweils in seinem Gebiet auskennt“, erzählt Fiebelkorn stolz. „Der Bauhof kann eben nicht jede Woche überall sein. Aber der Wasserfall hat sich mittlerweile als Brennpunkt herauskristallisiert“, ergänzt Friedrichs.

Hinweise in mehreren Sprachen

Eine weitere Idee: Die Hinweisschilder in andere Sprachen übersetzen, um auch ausländische Mitbürger zu erreichen. Denn die Erfahrungen bewiesen, dass zumindest die bereits erwähnten Stammgäste aus Magdeburg das Problem nicht verstünden, sich bislang nicht einsichtig zeigten. „Wenn man sie darauf anspricht, wird das als persönlicher Angriff gewertet. Sie reagieren provokativ.“, so der stellvertretende Ortsbürgermeister Deicke.

Vielleicht helfe noch mehr Aufklärung. Deshalb überlege er auch, mit den Fotografien der verursachten Müllspuren das Gespräch erneut zu suchen. „Damit sie sehen, was passiert, wenn sie den Müll nicht mitnehmen.“

Gesellschaftliches Problem

Die Schuld wolle er dabei nicht nur einer Familie in die Schuhe schieben. Immer wieder stünden auch Einweggrills anderer Gäste auf den Tischen, Plastikgeschirr und Flaschen zu Hauf in Säcken neben den Mülleimern. „Generell ist es ein gesellschaftliches Problem. Es wird einfach Müll in Mengen produziert, die die Umwelt nicht verträgt“, regt Torsten Deicke zum Nachdenken an. Diesen zu Hause und nicht in der Natur zu entsorgen, sei zumindest ein Anfang.