Wernigerode l Weiße Handschuhe, Maßband oder Zollstock sowie Stift und Zettel - das sind die Arbeitsmittel von Annette Grundmeier. Seit einigen Wochen durchforstet die 56-Jährige im Schaudepot des Harzmuseums die umfangreichen Bestände.

Wie ist der Zustand des jeweiligen Gemäldes, wie die Beschaffenheit des Rahmens? Von welchem Maler stammt es? Als "Kunstdetektivin auf Zeit" leistet Annette Grundmeier wichtige Forschungsarbeit. Und diese ist spannend noch dazu.

400 Gemälde, 1200 Grafiken

Etwa 400 Gemälde verschiedener Epochen und dazu 1200 Grafiken werden im Dachgeschoss des Stadtarchivs aufbewahrt. Und in den letzten Jahren ist vieles aus Nachlässen dazu gekommen. "Die Besucher des Harzmuseums sehen nur das, was wir in den Ausstellungen zeigen", sagt Museumschef Olaf Ahrens. "Doch ein Museum ist viel mehr." Nicht nur das Präsentieren, sondern vor allem auch das Sammeln und Bewahren seien bedeutsam.

Aber was genau wird im Schaudepot gelagert? Wo steht welches Bild? "Unsere Inventarbücher stammen alle noch aus DDR-Zeiten", sagt Ahrens. Nur ein Teil sei bisher digitalisiert.

Und da kommt Annette Grundmeier ins Spiel. "Ich vergleiche das gern mit dem Kleiderschrank zuhause", sagt die Kunsthistorikerin schmunzelnd. "Man weiß zwar, welche Kleidungsstücke man besitzt. Aber am Ende sucht man doch wieder nach der rechten Socke." So wie wenn beispielsweise nach einer Harzlandschaft von Wilhelm Pramme verlangt wird. "Dann wird es nämlich lustig. Davon gibt es über 100."

Knifflige Recherche

Sie bringe nun Ordnung in den "Kleiderschrank". Anhand der Inventarlisten nimmt sie sich Bild für Bild vor. "Ich schaue, welche Daten wir haben, welche wir noch benötigen und pflege alles samt Fotos in die Datenbank ein." Ziel ist es, die einzelnen Werke "auffindbar" zu machen" - für einen "reibungslosen Ablauf des Museums".

Dabei muss die Expertin manchmal ganz schön suchen. "Es gibt einige knifflige Fälle", sagt Annette Grundmeier. Denn nicht immer sind die Gemälde signiert. "Das ist dann richtige Recherche." Schwierig wird es zudem, wenn für ein Bild mehrere Inventarnummern vorhanden sind oder sich die Nummern gar überschneiden.

Gleichzeitig schätze sie ab, welche Kunstwerke restaurierungsbedürftig sind. "Ölgemälde vertragen viel." Aber die extreme Trockenheit und extreme Temperaturveränderungen seien problematisch. "Wenn sich die Malschichten ablösen, besteht die Gefahr, dass das Bild zerstört wird. Dann muss schnell gehandelt werden."

Einjähriges Projekt

Annette Grundmeiers Arbeit ist auf ein Jahr befristet. Ihr Job wird zu 90 Prozent über das Landesförderprogramm "Digital Heritage" finanziert. "Wir würden Frau Grundmeier gern zwei Jahre und länger beschäftigen", sagt Museumschef Ahrens. Aber das Projekt sei nur für ein Jahr angelegt.

Trotz der zeitlichen Begrenzung fühlt sich die Niedersächsin sehr wohl in Wernigerode. "Ich habe hier eine Zweitwohnung. Es ist sehr schön hier", sagt die 56-Jährige. Nicht nur die technische Ausstattung ihres Arbeitsplatzes sei super. "Ich benutze hier die neueste Technik, habe eine professionelle Fotoausstattung." Auch das Betriebsklima am Klint sei sehr angenehm. "Ich habe das Gefühl, dass alle sehr gern hier arbeiten."

Für die nächsten Monate hat sich Annette Grundmeier viel vorgenommen. "Das A und O für die Verwaltung einer Sammlung ist die Kontinuität bei der Ordnung. Und ich will die Grundlage dafür schaffen."