Wernigerode l Friedmar Quast ist seiner Zeit voraus. "Wenn das Jahr vorbei ist, ist man in Gedanken schon beim übernächsten Jahr", sagt der Kopf hinter dem Wernigeröder Jazzclub. "Die Künstler, die ich möchte, sind nicht so leicht zu haben." Das aktuelle Programm ist das Ergebnis langfristiger Planung - mit Erfolg. 2018 hat Quast es wieder geschafft, ein zwölf Konzerte umfassendes Paket zu schnüren, das neue Impulse mit vertrauten Gesichtern kombiniert.

Denn es gibt in der Jazzszene eine Reihe von Wiederholungstätern, die immer wieder gerne in Wernigerode spielen - dank des Rufs, den sich der Jazzclub über Jahre hinweg erarbeitet hat. Zu ihnen zählen Thomas Fellow und Stephan Bormann, die zum Geburtstagskonzert des Jazzclubs am Sonnabend, 13. Januar, in drei Formationen auftreten. Da ist zum einen das Duo "Friend `n Fellow", bestehend aus dem Dresdner Gitarrenprofessor und der Sängerin Constanze Friend, das bereits in Wernigerode Freunde gefunden hat. Als "Hands in Strings" tritt Fellow mit seinem Hochschulkollegen Stephan Bormann auf - auch der ist im Harz durch seine Gastspiele mit dem Cristin Claas Trio ein guter Bekannter. Den dritten Teil des Abends bestreitet Bormann mit Jule Malischke, einer aufstrebenden Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin, die bei Bormann in Dresden ihr Handwerk lernt und mit ihm überwiegend eigene Songs präsentiert.

Hochkarätige Musiker

Der Dreiklang zum Jazzclubgeburtstag sei ein Megakonzert und vereine mehrere "Publikumslieblinge der Wernigeröder", betont Quast. "Beide Gitarristen sind hochkarätig und haben immer wieder tolle Konzerte im Jazzclub gespielt." Einige Karten sind noch verfügbar. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. Die Stadtwerke, die Allianz Kulturstiftung, die Generalvertretung Ralf Voß aus Thale und weitere Sponsoren unterstützen das Konzert.

Weiter geht es am 17. Februar mit "Lavendel", bestehend aus Saxophonistin Nicole Johänntgen, Vibraphonistin Izabella Effenberg sowie Tubaspielerin und Sängerin Christina Schauer. Interessant sei die Kombination jazztypischer und ungewöhnlicher Instrumente wie der Tuba, erklärt Quast - zumal Nicole Johänntgen zum Beispiel mit dem Projekt "Sofia" den Tellerrand in Richtung Osteuropa überblickt.

Mit dem Gastspiel von Nils Wogram am 17. März erwartet die Wernigeröder ein ebenfalls hochkarätiges Konzert. "Das Besondere: Es stehen drei Jazzprofessoren auf der Bühne", so Friedmar Quast. Dass Wogram und seine Band in der Turbine 19 ihre neue CD präsentieren, sei ein Zeichen der Wertschätzung. "Die Musiker sagen immer wieder, dass sie sehr begeistert sind vom Publikum in Wernigerode." Die Leute seien aufmerksam, in der Remise sei die Nähe für die Musiker "eine Herausforderung", so Quast.

Alte Techniken

Jemand wie Trompeter Frederik Köster nimmt dies aber gerne an - sogar zweimal binnen weniger Wochen. Am 21. April ist er erneut mit dem Quartett "Die Verwandlung" zu Gast, diesmal in der Remise.

Ein weiteres Soloinstrument gibt am 26. Mai den Ton an - die Querflöte in den Händen von Stephanie Wagner, die mit den vier Mitmusikern ihres Projektes "Quinsch" in der Remise Station macht. "Darauf freue ich mich sehr und bin gespannt", sagt Friedmar Quast - zum einen darauf, wie der Vergleich mit Lokalmatadorin Ann-Christin Heinrich ausfallen wird, und zum anderen, weil die Flötistin auf ihrem Instrument laut Quast "alles ausreizt, auch ,dreckige' Überblaseffekte wie bei Jethro Tull".

Beim Jazzbrunch an der Steinernen Renne am 22. Juli wird die Tonart traditioneller. Die "Seatown Seven" spielen, präsentiert von den Stadtwerken, Dixieland, Swing und Hot-Jazz - und stehen damit seit 60 Jahren auf der Bühne.

Den puren Jazz verspricht der Auftritt des Anne Czichowsky Quintetts am 22. September. "Das ist eine ausgemachte Jazzsängerin, die die alten Techniken noch beherrscht", urteilt Quast.

Einen Ausflug in den Sinti-Jazz unternimmt am 13. Oktober das Kussi Weiss Quartett auf der Bühne der Remise. Der Gitarrist ist nach Jahren wieder in Wernigerode zu Gast. "Die Nachfrage war groß", so Quast, den das nicht wundert. "Da ist viel Feuer drin."

Jazz und Schlemmen

Zum sechsten Mal steht am 3. November ein Konzert in der Reihe "Jazz und Schokolade" an. Das Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Gothischen Haus umgesetzt wird, geht auf, betont Quast. "Es ist jedes Jahr ausverkauft." Mit "Tango Transit" versüßt eine ungewöhnliche Akkordeon-Bass-Schlagzeug-Besetzung den Gästen das Drei-Gänge-Menü mit zünftigen Tango-Klängen.

Die Inspiration für seine Musik bezieht Schlagzeuger Jens Düppe mit seiner vierköpfigen Combo "Dancing Beauty" aus dem Schaffen des Musikpioniers John Cage. Als Drummer und Komponist ist Düppe, der aus Köln stammt und unbedingt am 17. November in Wernigerode auftreten wollte, eine Ausnahmeerscheinung. "Es wird anspruchsvoll zuzuhören, wie hier bestimmte Themen verarbeitet werden", so Quast.

Den Abschluss des Jazzjahres bildet das Gastspiel von Hanna Köpf am 15. Dezember. Die studierte Jazzsängerin schreibt ihre Stücke selbst und erinnert stimmlich an Joni Mitchell. "Das haut mich jedes Mal um", bekennt Quast.