Drei Annen l Kein Bus mehr für Drei Annen: Die Haltestelle an der Landesstraße 100 wird seit Anfang November nicht mehr angefahren, eine Tafel informiert Passagiere über das Aus für den Halt. „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“, sagt Kuno Böttcher. Der Wernigeröder gehört zum Vorstand des Harzklub-Zweigvereins und hat die Haltestelle regelmäßig genutzt. Für viele Touren sei Drei Annen ein guter Ausgangspunkt, zum Beispiel zum Hüttestieg, zur Zillierbachtalsperre, zur Steinernen Renne und zum Ottofelsen, weiß Böttcher, der regelmäßig Wanderer führt. Man könne ebenso den Bahnparallelweg in Richtung Wernigerode nehmen. „Viele Wernigeröder steigen wie ich dort aus und gehen von dort zu Fuß nach Hause.“

Das Problem besteht darin, dass die Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) die Haltestelle nicht mehr anfahren dürfen, erklärt HVB-Mitarbeiter Norbert Claus. Ein Teil der Zufahrt gehört zu einem Grundstück, das ein Privatmann aus Schleswig-Holstein 2014 bei einer Versteigerung des Landes gekauft haben. Ein zwei bis drei Meter Streifen des Areals ragt in die Zufahrt hinein, weshalb das Ehepaar den HVB die Durchfahrt für Busse untersagt hat. „Zwei Jahre lang haben wir vor Gericht gekämpft und viel Geld investiert“, berichtet Claus – vergebens, denn das Oberlandesgericht gab in Naumburg in zweiter Instanz dem privaten Eigentümer Recht. Der strittige Grundstücksteil war nicht als öffentliche Verkehrsfläche eingetragen. „Die HVB wollen auf die Bushaltestelle nicht verzichten, aber im Moment gibt es keine Lösung“, resümiert Claus.

Kaufpreis nicht akzeptabel

Zuvor hatte der Besitzer der Wenigeröder Stadtverwaltung das Terrain zum Kauf angeboten – allerdings zu einem aus Rathaussicht „nicht akzeptablen Kaufpreis“, teilt Stadtsprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage mit. Nach der Absage musste die Verwaltung die asphaltierte Fläche zurückbauen, was im Dezember geschehen ist. Um die Zufahrt für die Anlieger – das Jugendwaldheim, das benachbarte Hotel und private Anwohner – zu sichern, wird ein weiteres Wegeflurstück hergerichtet. „Im Jahre 2018 soll dann geprüft werden, ob ein Neubau der Haltestelle umsetzbar und finanzierbar ist“, so Kascha.

Bis dahin stellt das Haltestellenaus das Jugendwaldheim vor große Probleme. Rund 700 Kinder und Jugendliche sind pro Jahr in der Einrichtung zu Gast, sagt Leiter Hubert Hellwig. „Die Haltestelle vor der Haustür war immer unser großer Vorteil.“ Viele Gruppen reisen mit der Bahn an und nehmen vom Wernigeröder Bahnhof den Bus nach Drei Annen. Die Verbindung wird ebenso gern für Ausflüge in die Umgebung genutzt – denn mit dem hauseigenen Kleinbus könnten nicht alle Fahrten abgedeckt werden, vor allem nicht am Abend.

Zum Beispiel eine Schulklasse aus Aschersleben, die im Dezember in Drei Annen zu Gast war: Justin, Lucas, Julian und Niklas wollten mit ihren Mitschülern zum Schwimmen in den Hasseröder Ferienpark fahren. Auf dem Rückweg mussten sie in Drei Annen Hohne aus dem Bus aussteigen und entweder an der Straße oder durch den dunklen Wald, in dem es keinen Fußweg gibt, zurücklaufen. „Das ist eigentlich unzumutbar“, so Hellwig. Dies gelte insbesondere für die vielen Gäste mit Behinderungen, zum Beispiel motorische Einschränkungen oder Sehbehinderungen. Doch die Busfahrer haben die Anweisung, nicht an der Straße anzuhalten – ansonsten drohen Strafen.

Überall da, wo es blüht

Der Grundstückseigentümer, ein Geschäftsmann und Imker aus Neumünster, versteht derweil die Aufregung nicht. Der 61-Jährige, der nicht namentlich zitiert werden möchte, sei mit seiner Frau oft im Harz unterwegs und habe deshalb gezielt nach einem Grundstück gesucht, um dort eine Bienenzucht aufzubauen – wie bereits an anderen Standorten, zum Beispiel nahe Hamburg und in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir sind überall, wo es blüht.“ Wann dies geschehen könnte, sei noch offen.

Aus seiner Sicht hat sich der Schleswig-Holsteiner nichts zuschulden kommen lassen. „Wir hätten uns lieber anders geeinigt“, sagt der 61-Jährige, der ein Gegenangebot der Stadt abgelehnt hat. Die Haltestelle sei jedoch offenkundig ohne Genehmigung gebaut worden, was die Stadtverwaltung lange nicht gekümmert habe. „Die Straße dort ist noch relativ neu, auf jeden Fall keine 25 Jahre alt.“

Dem widerspricht Norbert Claus. „An dieser Stelle hat es schon seit Jahrzehnten eine Bushaltestelle gegeben“, so der HVB-Mitarbeiter.

Haltepunkt soll verlegt werden

Damit es wieder einen Stopp gibt, haben sich HVB, Stadtverwaltung und Landesforst bereits vor Ort ihre Möglichkeiten ausgelotet. Das Ergebnis: „Die ganze Anlage soll einige Meter in Richtung Drei Annen Hohne verlegt werden“, so Claus. Ein Ingenieurbüro befasse sich bereits mit der Planung. Der Busstopp würde sich dann auf landeseigenem Grund befinden. „Es ist ganz klar, dass da etwas passieren muss“, sagt Eberhard Reckleben, Leiter des Landesforstbetriebs Oberharz. Das Land werde sich ganz sicher nicht querstellen. „Wenn alles gut geht, können dort spätestens zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 wieder Busse halten“, blickt Norbert Claus voraus.