Wernigerode l Mohn, Kornblumen, Malven – wo diese Blumen sprießen, fühlen sich Insekten wohl. Während auf regelmäßig gemähten Rasenflächen nur wenige Arten zu finden sind, tummeln sich auf sogenannten Blühwiesen diverse Mikroorganismen, Bienen, Hummeln und Käfer, kleine Säuge- und Kriechtiere, weil das Nahrungsangebot divers und reichhaltig ist.

Acht dieser Blühwiesen hat die Stadtverwaltung Wernigerode bereits im Projekt „Stadtgrün – Artenreich und vielfältig“ angelegt. Zwei weitere entstehen nun in Kooperation mit mehreren Partnern im Stadtfeld. „Wir hatten schon vor längerer Zeit signalisiert, dass wir Flächen für Blühwiesen zur Verfügung stellen würden“, sagt Uwe-Friedrich Albrecht, Quartiersmanager im Stadtfeld.

Magerer Boden ist gut für Wildblumen

Der Stadtratspräsident engagiert sich schon seit etlichen Jahren im Verein Garagenkomplex Stadtfeld. Zwischen den Garagen in der Martin-Heinrich-Klaproth-Straße habe sich Rasen befunden, der vorab abgetragen wurde – so wie es Frank Schmidt, der ehemalige Gartenamtsleiter, empfohlen hatte.

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Frank Schmidt berät den Garagenkomplex bei dem Projekt; er erklärt auch den Kindern der „Bücherwürmer“ – einer Klasse der Grundschule Stadtfeld – was es mit den Blumen, Insekten, Bienen und Vögeln auf sich hat, beantwortet ihre Fragen und leitet bei der Aussaat an. Die Erst- und Zweitklässler finden es spannend, mit den Händen in der Erde zu graben. Bio-Unterricht zum Erleben, Natur zum Anfassen. Nicht alle der Kinder haben einen eigenen Garten Zuhause. Umso interessierter verfolgen sie die Aktion.

„Magerer Boden ist gut für Wildblumen“, sagt Frank Schmidt. „Sie gedeihen auch unter schwierigen Bedingungen.“ Bei den bereits vor längerer Zeit angelegten Blühflächen in der Stadt habe sich gezeigt, dass sie nach dem Winter wieder aussamen und sich selbstständig erneuern, zum Beispiel in der Schmatzfelder Straße. „Die Grasnarbe musste allerdings zuvor abgetragen und Sand untergegraben werden“, erklärt er.

Bunter Stadtteil

Einige der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Deshalb ist auch der Jugendmigrationsdienst im Quartier (JMD) mit im Boot. „Das Stadtfeld ist so ein bunter Stadtteil. Wir wollen die Menschen zusammen bringen und gleichzeitig etwas für das Quartier tun“, sagt Daniela Puse, die im Auftrag des JMD beteiligt ist, das das Saatgut bezahlt hat – immerhin kostet ein Kilogramm mit über 30 Sorten Blumensorten rund 120 Euro.

Damit die wertvollen Samen nicht mit ein, zwei ungeschickten Würfen auf wenigen Quadratmetern konzentriert landen, sondern flächig verteilt werden, sollten Sand oder Sonnenblumenkerne untergemischt werden. „Auch von einem Streuwagen ist abzuraten“, sagt Frank Schmidt.

Verständnis für Blühwiesen ist gewachsen

Für Blühwiesen eignen sich übrigens bereits kleine Flächen. Im Stadtfeld sind beide Areale zusammen etwa 400 Quadratmeter groß. In Wernigerode befinden sich weitere Blühflächen zwischen Harzblick und Charlottenlust, am Neustadter Ring, im Wildpark Christianental, in der Lindenallee, im Dornbergsweg und auf dem Kreisverkehr in der Burgbreite.

Hagelte es früher noch Beschwerden über die ungemähten Flächen, sei das Verständnis mittlerweile durchaus vorhanden. „Um zur Aufklärung weiter beizutragen, werden an den Referenzflächen Hinweisschilder platziert, die über die Blühwiesen informieren“, sagt Stadtgärtnerin Christiane Wichmann, die die Aktion ebenfalls begleitet.