Hasselfelde l Der verwaiste Jungluchs, der in und rum um Stiege gesichtet wurde, ist am Samstag in Hasselfelde eingefangen worden. „Wir haben seit Freitag mehrere Hinweise erhalten“, berichtet Ole Anders, Koordinator des Luchsprojektes im Harz. Bis er das Tier einfangen konnte, brauchte es aber Zeit, Geduld – und viele Kilometer Autofahrt.

Denn Ole Anders machte sich nach dem jüngsten Hinweis von Samstagmorgen um 8 Uhr auf nach Hasselfelde, wo das Jungtier gesehen wurde, wie es in Höhe der Westernstadt die Bundestraße überquerte. Allerdings habe er den Luchs im Umkreis nicht finden können, weshalb er umkehrte, berichtet Anders. „Als ich fast wieder zurück war, riefen zwei Damen an, die den Luchs am Mittelteich gesehen hatten.“ Er kehrte wieder um und suchte mit den beiden die Umgebung ab – erfolglos. Anders setzte sich wieder ins Auto und war erneut beinahe am Ziel, als die Frauen sich wieder meldeten: Sie hatten den Luchs gefunden.

Auf fünf Meter herangefahren

Anders fuhr zum dritten Mal nach Hasselfelde, und diesmal stießen die drei Suchenden auf das Tier, das im Gras lag. „Wir haben ihn gemeinsam beobachtet, er lag im Gras“, schildert der Projektkoordinator. Bis auf fünf Meter sei er mit dem Auto herangefahren, doch das Tier rührte sich nicht. Daher habe er es schließlich aufscheuchen müssen, damit er es mit einem Betäubungspfeil beschießen konnte. Anders sei es kaum möglich, sich den Tieren in der freien Natur zu nähern.

Eine Gefahr stellte das stark abgemagerte Jungtier jedoch nicht war. „Der Luchs bestand nur aus Haut und Knochen“, stellte Ole Anders fest, als er das Tier gegen 14 Uhr gefangen hatte. Der Koordinator schätzt, dass es deutlich weniger auf die Waage brachte als die sechs bis sieben Kilo, die ein Jungtier wog, das im Frühjahr bei Rhüden aufgefunden worden war. Ansonsten sei der Luchs wohlauf gewesen, so Anders. Da Jungtiere sich um diese Jahreszeit noch nicht selbst versorgen können, hatte man sich auf die Suche nach dem Luchs gemacht, der seit Wochenbeginn rund um Stiege gesichtet worden war (die Volksstimme berichtete).

Er wird nun in einer Rettungsstation für Wildtiere in Sachsenhagen bei Hannover aufgepäppelt. Bis eine Blutprobe, die Anders noch vor Ort entnahm, untersucht wurde, bleibt das Tier in Quarantäne. Wenn es frei von Krankheiten ist, könnte es mit dem anderen, bei Rhüden gefundenen Tier zusammen gehalten werden. Der Stieger Luchs ist das dritte verwaiste Jungtier, das in diesem Jahr im Harz in Obhut genommen wurde. Ein weiterer Luchs war vor wenigen Tagen aufgegriffen worden, nachdem es in Goslar und Umgebung mehrfach auf Futtersuche gesichtet worden war.

Warum die Jungen von ihren Müttern getrennt wurden, darüber könne man nur spekulieren, sagt Ole Anders. Eine nahe liegende Vermutung wäre, dass die Luchsmutter nicht mehr am Leben sei. Aber auch Revierkämpfe seien als Ursache denkbar.