Wernigerode l Das Geschenk ist überreicht, nun darf es ausgepackt werden. Die Rede ist – bildlich gesprochen – von der bisherigen Bundesstraße 6, die seit dem Neujahrsmorgen als Autobahn 36 gewidmet ist. Besagtes Auspacken übernehmen seit dem 2. Januar unter anderem Männer der Autobahnmeisterei Wernigerode. Eiko Stadler, Thomas Theumer und Oliver Blaschke sind als Trio mit ihrem Meisterei-fahrzeug unterwegs, um der Nordharz-Autobahn die ersten Pinselstriche mit blauer Autobahnfarbe zu verpassen.

Zunächst nur neue Autobahnschilder

Ganz konkret wechseln sie – und ihre Kollegen in der Autobahnmeisterei Plötzkau – in den kommenden Tagen an den Anschlussstellen bis zum A-14-Kreuz Bernburg die bisherigen blau unterlegten Kraftfahrstraßen-Schilder gegen die exakt gleich großen Autobahn-Schilder aus. Damit bekommt das, was im Volksmund schon immer als heimliche Nordharz-Autobahn gehandelt worden ist, ganz formell die richtige Typbezeichnung und den Ritterschlag als Autobahn.

StVO macht keinen Unterschied

Entscheidender Aspekt für die Nutzer: Laut Straßenverkehrsordnung ist die Umwidmung für sie mit keinerlei Änderungen verbunden. Oder anders formuliert: Das, was bislang für die vierspurige B 6 galt, gilt analog auch für die A 36. Laut Paragraph 18 der Straßenverkehrsordnung dürfen nur Fahrzeuge an den nun neu montierten Schildern vorbei auf die Autobahn fahren, die bauartbedingt schneller als mit 60 Kilometern pro Stunde fahren dürfen. Besagter Paragraph 18 ist für Kraftfahrstraßen und Autobahnen identisch, was belegt, dass sich zwischen B 6 und A 36 nichts ändert.

Auf beiden Straßen keine Limits

Auch nicht beim Maximaltempo. Das war für die B 6 als sogenannte vierspurige Kraftfahrstraße mit baulicher Trennung der Richtungsfahrbahnen schon nicht gedeckelt und ist es jetzt bei der „richtigen“ Autobahn erst recht nicht. Es gilt allein der grundsätzliche Passus in Paragraph drei der Straßenverkehrsordnung: Gefahren werden darf nur so schnell, dass das Fahrzeug stets beherrscht wird. Das Tempo ist den jeweiligen Rahmenbedingungen, den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Und: Bei Sicht unter 50 Metern darf maximal mit Tempo 50 gefahren werden. Ansonsten gelten auf der A 36 keine grundsätzlichen Limits.

Ein paar Eimer Farbe reichen nicht

Soweit die Regeln, die sich quasi nicht ändern. Ganz anders der Schilderwald entlang der insgesamt rund 123 Kilometer langen Trasse zwischen dem Autobahnkreuz Bernburg (A 36/A 14) und dem Kreuz Braunschweig-Süd (A 36/A 39). Hier müssen die Mitarbeiter der jeweiligen Straßenmeistereien in den kommenden Monaten noch mächtig ackern. Denn – wie hatte es Uwe Langkammer als Präsident der Landesstraßen-Baubehörde (LSBB) schon vor Monaten prophezeit – „mit ein paar Eimern Farbe ist das nicht getan“.

Insbesondere auf der früheren B 6 sei der Aufwand vergleichsweise groß. Während zwischen Vienenburg und Braunschweig wirklich nur die Nummer der alten Autobahn 395 mit 36 überklebt werden müsse, müssten im Zuge der Umwidmung/Aufstufung an der alten B 6 praktisch alle Schilder erneuert werden. Warum? Weil die Fernzielausschilderung ebenso auf den Prüfstand komme wie die Ausschilderung an den jeweiligen Anschlussstellen, so Langkammer.

Müssen neue Fundamente her?

Und dabei müsse noch ein gewichtiger Aspekt beachtet werden. Die weißen Buchstaben für Autobahnen prangen nicht nur auf blauem Grund, sondern sind größer. Was letztlich Auswirkungen auf Schildergrößen und indirekt auf die statische Dimensionierung von Schilderbrücken und Fundamenten haben könnte.

Ein Beispiel sei schon jetzt klar: Am Dreieck Vienenburg müssten neue Schilderbrücken her, weiß Langkammer. Und auch hinsichtlich der Beschilderung werde es einige Überraschungen geben. So werde in östlicher Fahrtrichtung künftig konsequent Halle/Saale als Fernziel ausgewiesen.

A 36 fungiert als Entlastungsstrecke

Der Grund sei einfach: Die A 36 fungiert im Zusammenwirken mit den Autobahnen 39 und 391 bei Braunschweig und der A 14 als Umfahrungsstrecke für A 2 und A 14 zwischen Braunschweig und dem Kreuz Bernburg. „Die Ausschilderung an Autobahnen erfolgt dabei im Interesse des überregionalen und internationalen Verkehrs“, so Langkammer. Eine Folge könne beispielsweise sein, dass kleinere Orte von den Tafeln verschwinden und letztlich weniger Namen drauf stehen. Weitere, wenn auch marginale, Änderungen gebe es an den Anschlussstellen. Die würden autobahntypisch benannt, sodass aus Quedlinburg-Zentrum beispielsweise -Mitte werde.

Der Bund gebe nicht nur im gesamten Umwidmungsverfahren das nötige Geld, sondern habe auch das Zepter in der Hand. Soll heißen: Die endgültige inhaltliche Entscheidung liege dort. Aktuell würden die vor Ort entwickelten Wegweisungspläne für die insgesamt 17 Anschlussstellen der B 6/alt beim Bund geprüft. „Steht endgültig fest, was auf die Tafeln kommt, werden Herstellung und schließlich Montage als Leistungen ausgeschrieben und vergeben“, erklärt der LSBB-Präsident.

Gesamtkosten sind noch unklar

Wie viele Schilder im Zuge der Aufstufung erneuert werden müssen, könne man aktuell maximal in der Glaskugel lesen. „Und die habe ich leider nicht“, so Langkammer lachend. Deshalb seien auch die Gesamtkosten noch völlig offen – „auf alle Fälle ein einstelliger Millionenbetrag“. Das hänge letztlich auch von der Ausschreibung ab. Das Land hatte stets rund zwei Millionen Euro veranschlagt.

Überschlägig könne man für jede der 17 Anschlussstellen an der alten B 6 je 20 Schilder veranschlagen, die ersetzt werden müssten. Hinzu kämen Umleitungen und Wegweiser im Landesinnern, wo es aber meist mit Aufklebern getan sei. Der Zeitplan, bis Autofahrer auf der A 36 nur noch „Blau“ sehen? „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr durch sind“, so Uwe Langkammer. „Aber wie gesagt – eine Glaskugel habe ich leider noch nicht auf dem Schreibtisch“, so der Behördenchef in gewohnt witziger Art.