Kulturkirche

Noch fünf Monate bis zur Eröffnung von Wernigerodes neuem Konzerthaus

Endspurt an Wernigerodes Liebfrauenkirche. Noch fünf Monate bis zum Eröffnungskonzert am 17. Dezember. Im Konzerthaus ist bis dahin noch jede Menge zu tun.

Von Ivonne Sielaff 25.07.2021, 17:21
Hier sollen in wenigen Monaten Orchester vor Publikum musizieren. Noch ist die Liebfrauenkirche – Wernigerodes neue Konzerthalle – aber Baustelle. Die Eröffnung soll am 17. Dezember gefeiert werden.
Hier sollen in wenigen Monaten Orchester vor Publikum musizieren. Noch ist die Liebfrauenkirche – Wernigerodes neue Konzerthalle – aber Baustelle. Die Eröffnung soll am 17. Dezember gefeiert werden. Foto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - Wernigerodes Liebfrauenkirche wandelt sich zum Konzertsaal. Noch fünf Monate sind es bis zur feierlichen Eröffnung. Das ist nicht mehr viel Zeit. Im Inneren und auch rund um das ehemalige Gotteshaus in der Burgstraße muss noch viel getan werden, bis hier Orchester spielen und und Zuschauer die Musik genießen können. Denn die Kirche ist nach wie vor Baustelle.

„Wir sind sehr optimistisch“, sagt Rainer Schulze, Chef der Kulturstiftung Wernigerode und damit Bauherr in der Liebfrauenkirche. „Wir haben alle Bauabläufe noch einmal überprüft und sind der Meinung, wir schaffen das.“ Es sei ein großes Glück, dass Corona die Bauarbeiten nicht ausgebremst habe. „Unsere schlauen Baubetriebe haben ihr Material schon eingekauft, bevor es teuer wurde.“

Seit Herbst 2019 wird in der Kirche gebaut. Voraussetzung dafür war ein Besitzerwechsel. Die St. Sylvestri-Liebfrauengemeinde hatte das Gotteshaus Anfang 2018 für einen symbolischen Preis an die Kulturstiftung Wernigerode verkauft. Ziel war und ist es, die Kirche weiter zu nutzen. Aber eben nicht mehr für Gottesdienste, sondern für Konzerte und als Probenstätte des Philharmonischen Kammerorchesters.

Gesamtkosten liegen bei 6,5 Millionen Euro

Dafür waren umfangreiche Umbauten notwendig. Vier Millionen Euro kamen als Fördergeld vom Land. Die Gesamtkosten liegen momentan etwa bei 6,5 Millionen Euro. Über den städtischen Anteil von 490.000 Euro wurde lange politisch gerungen und heftig diskutiert. Nicht jeder der Stadträte fand, dass Wernigerode eine weitere Spielstätte brauche. Und einige befürchteten, dass sich die Stadt den finanziellen Zuschuss nicht leisten könne. Die Befürworter der Kulturkirche setzten sich schließlich im zweiten Anlauf durch, der Weg für die Arbeiten war frei.

Und dass sich in den letzten Monaten viel an der Liebfrauenkirche getan hat, ist nicht zu übersehen. Links vor der Kirche steht inzwischen ein Anbau, dessen gewöhnungsbedürftiges Erscheinungsbild gerade in den sozialen Netzwerken diskutiert wird. Im Inneren sollen Empfang, die Garderoben und die Toiletten Platz finden. Im Dach des Neubaus befindet sich das eigentliche Herzstück des Gebäudes – eine Luftfilteranlage, die später für ein konstantes Raumklima und keimfreie Luft im Konzertsaal sorgen soll.

Hausschwamm sorgt für Verteuerung

Auch in der Kirche selbst ist nicht alles mehr so, wie es vorher war. „Der Tiefbau ist sehr aufwendig gewesen“, blickt Rainer Schulze zurück. Eine „große Kiste“ sei zudem die Absenkung der Orgel gewesen. „Das war für den Baubetrieb schon außergewöhnlich.“ Probleme habe der Hausschwamm in den Seitenbauten bereitet. „Der hat uns richtig geärgert. Das war eine schwierige Sache“, sagt Schulze. Aber wenn der Holzschädling entdeckt werde, müsse er raus, damit er sich nicht weiter ausbreitet. Zumal er durch die künftig deutlich wärmere Innentemperatur ideale Bedingungen hätte.

Der Kampf gegen den Hausschwamm habe die Kosten um 290.000 Euro steigen lassen, informiert der Stiftungschef. Die Mehrausgabe soll über einen Zuschuss aus dem Fördertopf Städtebaulicher Denkmalschutz gedeckt werden. Nach Volksstimme-Informationen hat der Stadtrat im nichtöffentlichen Teil seiner Juli-Sitzung grünes Licht gegeben.

Nach Fertigstellung des Rohbaus geht es nun in den nächsten Wochen an den Innenausbau. „Der Fußboden kommt rein“, so Schulze. „Und die Zuschauertribünen auch.“ Heizung und Lüftung müssten installiert werden. Sakristei und Fürstenloge werden wieder aufgebaut. Zudem stehe die Sanierung der Orgel an. Im Außenbereich wird in den kommenden Wochen ebenfalls gearbeitet, kündigt Schulze an. „Wir müssen da ausschachten, um die Lüftungs- und Heizungsleitungen zu verlegen.“ Zudem werde der Vorplatz gepflastert und bepflanzt.

Musikalische Höhepunkte im ersten Konzertjahr

Läuft alles nach Plan, steht dem Eröffnungskonzert mit dem Philharmonischen Kammerorchester am 17. Dezember nichts mehr im Wege. Bis zum Jahresende sind insgesamt zehn weitere Veranstaltungen vorgesehen – darunter das Weihnachtssingen, ein Gastspiel von Ragna Schirmer, die Silvesterkonzerte und ein Vortrag über Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, der die Liebfrauenkirche zwischen 1756 und 1762 erbauen ließ.

Mit Orchesterchef Christian Fitzner will Schulze nun dafür sorgen, dass Leben und vor allem Musik in das neue Konzerthaus einziehen. „Christian Fitzner hat für 2022 viele Highlight geplant – mit bekannten Orchestern und Interpreten“, so Schulze. „Wichtig ist, dass das Konzerthaus überregionale Bekanntheit erlangt.“

Der Rohbau ist fertig gestellt. In den nächsten Wochen geht es nun an den Innenausbau des Konzerthauses Liebfrauen in Wernigerode.
Der Rohbau ist fertig gestellt. In den nächsten Wochen geht es nun an den Innenausbau des Konzerthauses Liebfrauen in Wernigerode.
Foto: Ivonne Sielaff