Wernigerode l Grünanlage, Altenzentrum, Festgelände, Seniorenspielplatz, Oldtimermuseum, Parkplatz – schon viel ist geredet worden über die zukünftige Nutzung des Ochsenteichgeländes. Seit gut 25 Jahren liegt das Gelände am Rande der Innenstadt brach, wird von Lokalpolitikern wie von Verwaltungsmitarbeitern immer wieder gern als „letztes Filetstück von Wernigerode“ betitelt.

In letzter Zeit hat sich einiges getan. Die Stadt hat ein 21.000 Quadratmeter großes Teilstück an die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) verkauft. Darauf soll eine gläserne Lokwerkstatt entstehen. Für das übrige Gelände wird im Bauamt derzeit an einem Bebauungsplan gearbeitet – aber ohne dass bisher konkret feststeht, was auf dem Areal errichtet werden soll.

Ausweichfläche nötig

Für Matthias Winkelmann (CDU) der richtige Zeitpunkt, um politischen Druck auszuüben, wie er in der Sitzung des Ordnungsausschusses sagte. Die Verwaltung müsse schnellstmöglichst tätig werden. Der Grund: Durch den Grundstücksverkauf an die HSB fallen Ende 2017 200 Stellflächen für Einheimische weg. „Die Autos müssen irgendwo hin“, so Winkelmann. Bisher wurde der Parkplatz hauptsächlich von Wernigerödern genutzt, die in der Innenstadt arbeiten. Die Stadt habe versäumt, einen Parkplatz in der Feldstraße auszubauen. „Wir brauchen also eine Ausweichfläche“, so Winkelmann.

Der Angerparkplatz kann nicht als Alternative herhalten. Dort parken neben den Touristen übergangsweise auch die Anwohner aus der unteren Breiten Straße, die während der Bauarbeiten auf ihre Stellflächen verzichten müssen. Der Ochsenteich könnte Abhilfe schaffen, so Matthias Winkelmann. „Aber wir sollten schnell handeln. Sonst haben wir Ende des Jahres ein Problem.“

Kein Festplatz

Ein weiterer Knackpunkt sei, dass es an einem zentralen Platz für Schützenfeste, Zirkus und Rummel fehle, so Winkelmann. „Es geht nicht, dass wir die Entscheidung über die Nutzung des Ochsenteichs Jahr für Jahr hinausschieben.“ Er halte einen kombinierten Fest- und Parkplatz für sinnvoll. „Vielleicht ist der Ochsenteich ein Filetstück – aber auch als Fest- und Parkplatz hätte er eine wichtige Funktion.“

„Die Realität hat uns schon eingeholt“, meldete sich Christian Härtel (Linke) zu Wort. Ob Wiesngaudi oder Osterfeuer – der Platz werde längst für Veranstaltungen genutzt. „Und nun soll er nachträglich zum offiziellen Festplatz degradiert werden?“ Dazu gehöre aber auch, dass geprüft wird, in welcher Lautstärke wie lange gelärmt werden darf, so Härtel. „Das Gelände befindet sich nicht fern ab vom Schuss. „Bei Großveranstaltungen schallt es manchmal bis zu den Hohneklippen.“ Man dürfe die Anwohner rund um den Ochsenteich nicht vergessen.

„Wir würden einen kombinierten Fest- und Parkplatz sehr begrüßen“, sagte Anja Münzberg, zukünftige Chefin des Ordnungsamtes. „Das würde vieles leichter machen.“ Es sei keinesfalls vorgesehen, dass jede Woche Feste auf dem Ochsenteich stattfinden. „Das haben wir ja im Moment auch nicht“, so Münzberg. Das Maximum seien zehn Veranstaltung pro Jahr. Derzeit seien es drei bis vier. Zudem müssten die Organisatoren Auflagen erfüllen, die Veranstaltungen würden vom Ordnungsamt begleitet werden. „Das heißt, wenn Schluss ist, ist Schluss.“

Man sollte trotzdem schauen, wo die Grenzen sind, sagte Siegfried Siegel (SPD). In Wernigerode gebe es schon genügend Feste. „Wir dürfen uns nicht übernehmen“, warnte Siegel. „Großveranstaltungen verursachen auch mehr Verkehr.“ Matthias Winkelmann gab ihm Recht. „Verkehrsströme, Übernachtungen – wir müssen damit rechnen, dass das immer mehr wird. Das ist zwar Zukunftsmusik, aber auch darüber müssen wir sprechen. Das kann schon in zwei Jahren aktuell sein.“