Wernigerode l Sollte das Wernigeröder Obdachlosenheim von der Harburgstraße in den Kohlgarten verlegt werden, wie CDU-Stadtrat Matthias Winkelmann unlängst im Ordnungsausschuss vorgeschlagen hat? „Eine prima Idee“, sagt Gaby Festerling.

Die Wernigeröderin hat sich nach dem Volksstimme-Bericht zu Wort gemeldet. Sie wohnt unmittelbar neben der Unterkunft und wäre über einen Umzug froh. Denn aus ihrer Sicht gibt es kein „gutes Miteinander“ – so hatte Nadine Albrecht, Leiterin Soziale Dienste im Rathaus, im Ausschuss das Verhältnis zu den Nachbarn beschrieben. Vielmehr habe ihre Familie als Eigentümerin des unmittelbar angrenzenden Grundstücks „ständig massive Probleme mit einigen der dortigen Übernachtungsgäste“. Es seien „große schwere Gegenstände vom Fenster zur Nordseite auf unser Grundstück geworfen“ worden, berichtet Gaby Festerling. So seien ein Stuhl, Abfälle und leere Flaschen gegen die Fassade geflogen, die dadurch „massiv beschädigt“ worden sei. Hinzu komme die Zeit, die die Familie damit zubringe, den Unrat wegzuräumen – abgesehen vom Ärger über die Belästigungen von nebenan.

Vor eineinhalb Jahren hätten sie im Ordnungsamt vorgesprochen, berichtet Gaby Festerling weiter. Vier schwierige Obdachlose hätten andernorts untergebracht werden sollen, das sei versprochen worden. „Aber scheinbar ist es schwierig, diesen Personenkreis generell unter Kontrolle zu bekommen“, so die Wernigeröderin.

Probleme

Tobias Kascha, Sprecher der Wernigeröder Stadtverwaltung, bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage: „Wir hatten tatsächlich einige schwierigere Vorkommnisse vor zirka eineinhalb bis zwei Jahren zu verzeichnen.“ Damals seien persönliche Gespräche mit den geschädigten Nachbarn geführt worden. „Die problematischen Bewohner haben wir damals ausgewiesen“, so Kascha weiter. Das Hausverbot für diese bestehe bis heute.

Bei Bedarf gebe es telefonische und persönliche Kontakte zum Altenpflegeheim Küsters Kamp, zum Wohnheim Haus Anna, zur Familienferienstätte Huberhaus und zu den Eigentümern des angrenzenden „Studentenhauses“, ebenso zu einigen Nachbarn. 2019 habe es eine Beschwerde gegeben, wegen Ruhestörung durch laute Musik an Sommerabenden, sagt Kascha. Dies sei „sofort thematisiert und entsprechend beschränkt“ worden. Weitere direkte Beschwerden habe es nicht gegeben, weder die Sozialarbeiterin vor Ort noch die Security-Firma hätten von Problemen berichtet. Die Fenster an der Nordseite seien verschraubt worden. „Vermüllungen sind aktuell nicht zu verzeichnen“, so Kascha.

Dass das Verhältnis der Nachbarn zum Obdachlosenheim getrübt sei, habe er von mehreren Anwohnern gehört, sagt Matthias Winkelmann auf Volksstimme-Nachfrage. Er sei auch aus Kostengründen für den Umzug der Einrichtung. „Ein Gebäude wie das in der Kohlgartenstraße ist leicht zu unterhalten – anders als ein Haus in Hanglage wie das in der Harburgstraße.“ Durch den Umzug könne die Stadt Geld sparen – was mit Blick auf die Haushaltslage angezeigt sei.

Immer Spannungen

Das Heim stehe aktuell leer, bestätigt Sozialdezernent Rüdiger Dorff auf Volksstimme-Nachfrage. Vor einer Nutzung müsste es saniert werden – aber auch in der Harburgstraße stehe mittelfristig eine Generalüberholung an. Kritisch sehe die Stadt einen möglichen Umzug aber wegen der Nähe des Kohlgartenheims zu den Sportstätten, die viele Kinder und Jugendliche nutzen. Und: „Egal, wo man die Obdachlosen unterbringt, es wird immer Spannungen geben.“