Tourismus

Oberharzer Tourismusbetrieb schickt Gäste per Postkarte ins Internet

Planungssicherheit ist in der Corona-Pandemie zum Fremdwort geworden. Der Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken reagiert darauf mit neuem Informationsmaterial.

Von Katrin Schröder
Carmen Fiedler und Markus Mende vom Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken präsentieren die neuen Postkarten. In Verbindung mit eigens erstellten Internetseiten sind sie das neue Mittel der Wahl, um Gäste zu informieren.
Carmen Fiedler und Markus Mende vom Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken präsentieren die neuen Postkarten. In Verbindung mit eigens erstellten Internetseiten sind sie das neue Mittel der Wahl, um Gäste zu informieren. Foto: Katrin Schröder

Rübeland - In der Corona-Pandemie ist nichts mehr gewiss: Verordnungen ändern sich laufend, Pläne müssen kurzfristig über den Haufen geworfen, Termine verschoben werden. Gerade touristische Einrichtungen können davon ein Lied singen, sind einem Wechselbad der Gefühle zwischen Zwangsschließung und Neueröffnung ausgesetzt. Das bekommt auch der Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken zu spüren, der auf die fehlende Planungssicherheit mit neu konzipiertem Informationsmaterial reagiert.

Bisher hielt der Betrieb für die Tropfsteinhöhlen und für Harz-Interessierte im Allgemeinen Faltblätter und Broschüren bereit. In dem Flyer zu den Harzer Höhlen etwa habe man möglichst konkrete Informationen etwa zu Öffnungszeiten und Führungsterminen angegeben. Die 36 Seiten starken „Tipps“ für Freizeit, Tourismus und Veranstaltungen etwa seien bisher viermal im Jahr erschienen und hätten zum Beispiel auch Informationen zu wiederkehrenden Veranstaltungshöhepunkten beinhaltet.

Beide Produkte seien bei den Gästen gut angekommen, doch mit der Corona-Krise konnte sie nicht mehr verwendet werden. „Die Zeiten sind leider nicht mehr so, dass man Planbarkeit und Verlässlichkeit hat“, bedauert Marketing-Chef Markus Mende. Man habe in den vergangene Jahren nicht längerfristig planen und nur kurzfristig kommunizieren können. Für den Druck von Flyern werde hingegen Vorlauf benötigt, den man immer noch nicht habe.

Scannen mit dem Smartphone

Eine neue Lösung musste deshalb her, die sowohl aktuell als auch auslegbar ist. Beide Ansprüche erfüllen die neuen Postkarten, mit denen der Tourismusbetrieb nun für die Stadt und für die Höhlen wirbt. Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code, der mit dem Smartphone eingescannt werden kann.

Über den Code werde man zu einer eigens eingerichteten Internetseite weitergeleitet, auf der Interessenten erfahren, was Gäste über die Höhlen und den Urlaub im Oberharz-Stadtgebiet wissen sollten. Da gehe es um Anfahrtswege, Öffnungszeiten, andere Ausflugsziele und die jeweils gültigen Bestimmungen. „Wir versuchen, die Informationen so aktuell wie möglich zu halten“, sagt Mitarbeiterin Carmen Fiedler. „So können wir tagesaktuell reagieren, wenn sich etwas ändert.“

Der Abschnitt mit dem QR-Code und weiteren Informationen kann abgetrennt werden. Zurück bleibt eine Postkarte, die versendet oder gesammelt werden kann. „Dadurch hat der Gast noch einen Mehrwert“, so Carmen Fiedler. Gedruckt wurde die Höhlen-Ansichtskarte auf FSC-zertifiziertem Ökopapier, betont Markus Mende. Die Vorderseite ziert der illuminierte Wolfgangsee im Goethe-Saal der Baumannshöhle – damit wolle man Gästen einen Vorgeschmack auf das Ende 2020 installierte Beleuchtungssystem geben.

Plastisches Motiv

Per Reliefdruck werde das Motiv plastisch. Für die „Tipps“-Postkarte wurden verschiedene Motive gewählt, die für die Region stehen und in Hochglanz gezeigt werden – zum Beispiel Talsperren, Wiesen und die Harzquerbahn.

Die Informationsseite für die Höhlen präsentiere sich komplett zweisprachig auf Deutsch und Englisch. „Die Tourismusseite wird gerade übersetzt“, so Markus Mende. Wer mit dem QR-Code-Scanner nicht zurechtkomme, finde die Informationsseiten auch auf konventionellem Weg. „Die Gäste können die Adresse im Internet-Browser eingeben“, sagt Carmen Fiedler. So gelange man mit dem gewohnten Internet-Programm auf die gleiche Seite.

Jeweils 20.000 Exemplare der Höhlen-Postkarte und der Urlauber-Tipps wurden im ersten Aufschlag im Juni gedruckt. Die Höhlen-Flyer sind bereits verteilt, nun werden 40.000 Stück nachgeordert. Mindestens bis Ende 2021 werde man vorrangig auf diese Art die Gäste auf dem Laufenden halten – je nach Pandemie-Lage möglicherweise auch bis Ostern kommenden Jahres.

Derweil beobachten die Touristiker, wie das Angebot ankommt, zum Beispiel per Tracking. „Dadurch können wir sehen, wie viele Personen das sehen“, erläutert Mende. Es gehe nicht darum, Daten von Nutzern abzugreifen, betont er. „Wir wollen vielmehr erfahren: Nutzen unsere Gäste das?“ Bisher sieht es danach aus, dass das Angebot ankommt, sagt Mende. Er vermutet, dass sich in der Pandemie auch Menschen im Netz informieren, die dem sonst eher skeptisch gegenüberstehen.