Blankenburg/Wienrode l „Die letzten Äpfel haben wir vor ein paar Tagen geerntet“, sagt Matthias Kühlmann und schneidet mit einer Elektroschere einen Trieb an einem seiner knapp 10.000 Obstbäume ab. An einigen Zweigen hängen immer noch gelbe und rote Früchte. Und das Anfang Januar. Allerdings dienen die wohl nur noch als Futter für die Rehe, die regelmäßig die riesige Plantage am Helsunger Krug heimsuchen.

Erst 2018 hatten Kristin und Matthias Kühlmann das rund 15 Hektar große Areal am Kallendorfer Weg von Familie Klinger übernommen und die Obstproduktion auf biologischen Anbau umgestellt. „Wir dürfen in diesem Jahr unsere Äpfel als Umstellungsware deklarieren und sind ab 2020 hoffentlich offiziell bio-zertifiziert“, erläutert Matthias Kühlmann, der sich vor drei Jahren mit einer kleinen Lohnmosterei auf dem Hof seines Urgroßvaters in Wienrode selbständig gemacht hat.

 Aus einem Hobby hat er damit seinen neuen Beruf gemacht. Zunächst verarbeitete er die Früchte aus den Gärten des eigenen Hofes und aus dem Harzer Umland zu naturreinen Säften und Fruchtaufstrichen. Die Produkte tragen übrigens bereits das Qualitäts-Label „Typisch Harz“, das vom Harzer Tourismusverband (HTV) verliehen wird. Demnächst möchte er sich mit seinen Produkten für einen „Kulinarischen Stern“ bewerben, der alljährlich von einer Wettbewerbsjury der Aktion „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“ vergeben wird.

Wassreiser rauben Apfelbäumen Kraft

Um Angebot und Vielfalt zu steigern, lag für die Familie der Gedanke nah, die bekannte Apfelplantage vor den Toren Blankenburgs zu übernehmen. Das ist allerdings mit einer Menge Arbeit verbunden, die Kristin und Matthias Kühlmann selbst im Winter auf Trab hält. Aktuell wird von ihnen der Winterschnitt erledigt. Dabei werden an jedem der Bäume die sogenannten Wasserreiser weggeschnitten - einzeln und per Hand. Eine zeitraubende Arbeit. „Diese Triebe rauben den Bäumen die Kraft“, erläutert Matthias Kühlmann. Somit ist der Winterschnitt für eine ertragreiche Ernte im Sommer und Herbst unerlässlich. Zudem beuge er Krankheiten und Pilzbefall vor.

Auf der Apfelplantage, die nach wie vor auch bei Selbstpflückern beliebt ist, werden aktuell 29 Sorten angebaut, darunter Klassiker wie Gala, Gravensteiner, Schweizer, Ontario, Spartan, Carola, Pilot und einige andere. Die Lage am Rande der Teufelsmauer biete beste Bedingungen. So gerade auch im heißen Sommer 2018. „Unsere Bäume haben deshalb die Trockenheit gut überstanden“, sagt Matthias Kühlmann.