Wernigerode l Der Hingucker auf dem Parkplatz des Apart-Hotels in Wernigerode ist ein Auto. „Tropisch-Türkis“ ist der Lack, geschwungen ist die Silhouette. Bei dem extravaganten Fahrzeug handelt es sich um einen Chevrolet von 1957. Sein Besitzer, Rolf Knebel, kann sich, als er auf einer Bank vorm Hotel auf seine Frau wartet, kaum vor Aufmerksamkeit retten. Familien mit Kindern bitten darum, mit dem Auto fotografiert zu werden. Manch mutiger Passant posiert sogar auf dem Fahrersitz. Hinter der Frontscheibe baumelt stilecht ein Plüschwürfel.

Knebel besitzt das auffällige Gefährt seit 26 Jahren. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 81-jährige Rentner. Auf einer Urlaubsreise in den USA hatte er das Auto gesehen - und es ließ ihm keine Ruhe mehr. Wieder zurück in Deutschland suchte er genau nach diesem Modell. „Oldtimer fand ich schon immer interessant, aber in meiner Jugend konnte ich mir so etwas finanziell nicht erlauben“, so der gelernte Schreiner.

Neun Reisen in die USA

„Das Modell ist für Amerika konzipiert, es ist also perfekt für lange Strecken auf Landstraßen“, sagt Rolf Knebel. Er ist nicht nur von amerikanischen Autos begeistert, sondern auch von dem Land selbst. Insgesamt neun Mal hat der Hesse die USA schon bereist. Und seinen Sohn hat er mit seiner Leidenschaft auch schon angesteckt. „Erst kam er mit mir auf Reisen, dann kaufte er sich auch einen Chevrolet und geheiratet hat er am Grand Canyon“, sagt der Reise- und Autoliebhaber. Mit den Trips außerhalb Europas ist es für die Knebels jetzt allerdings vorbei.

Doch das hält sie davon ab, in den Urlaub zu fahren. Der Chevrolet rollte im Juli durch Braunlage, Blankenburg, Osterode und Goslar. „Wir hatten uns spontan entschlossen, hierher zu fahren. Es war das erste Mal, aber ganz sicher nicht das letzte Mal, dass wir im Harz waren“, so Knebel. In Wernigerode hatte sich das Ehepaar die Altstadt angesehen, und auch den Brocken besucht. „Bisher hat uns das wunderschöne Rathaus am besten gefallen“, sagt der Harz-Reisende. „Ich bereue nur, dass ich nicht bereits mit dem Motorrad schon einmal hier gewesen bin“, sagt der jung gebliebene Rentner verträumt.

Reise zurück nach Karben

Nach den Tagen in der Region rund um Wernigerode geht es zurück nach Karben in der Nähe von Frankfurt am Main. Dort steht die Garage für den Chevrolet und das Heim der Knebels, wenn sie nicht auf Rädern auf Reisen sind.