Wernigerode l Es ist ein kühnes Vorhaben: die Ortsumfahrung Wernigerodes, die Verbindung der B 244 im Mühlental und der A 36 – mit Tunnel durch den Fenstermacherberg. In zehn Jahren könnte der erste Spatenstich erfolgen – wenn alles gut läuft. Die ersten Schritte sind gemacht. Die Vorbereitungen für das 93-Millionen-Euro-Projekt liegen bisher im Zeitrahmen. „Voraussetzung ist das Baurecht“, sagt Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde (LSBB). Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Seit 2017 wird die Ortsumfahrung als Bestandteil des Bundesverkehrswegplanes geplant. Derzeit würden drei mögliche Variantenkorridore untersucht, informiert Hörold. Die Varianten würden sich vor allem in Bezug auf den Anschluss an die Autobahn unterscheiden, so der Chef der LSBB-Niederlassung in Halberstadt. Ein Korridor sehe die direkte Anbindung der B 244 an die A 36 vor. Die zweite Variante nutze die vorhandene Anschlussstelle Wernigerode-Zentrum als Verknüpfung. Bei der dritten sollen die Anschlussstelle Zentrum und die neue Anschlussstelle zu einem gemeinsamen Knoten umgestaltet werden.

Kostencheck

Welcher Variantenkorridor der günstigste ist, soll innerhalb des kommenden Jahres ermittelt werden, informiert Stefan Hörold. Anschließend werde mit den „weiterführenden konkreten Entwurfs- und Genehmigungsplanungen für die Vorzugsvariante“ begonnen.

Laut Hörold gebe es parallel dazu erste Überlegungen zum Querschnitt des Tunnels und zu den Rettungsmöglichkeiten. „Nach derzeitigem Stand wird neben dem Stollen für die mit zwei Fahrstreifen ausgebildete B 244 ein weiterer kleinerer Flucht- und Rettungsstollen angelegt.“ Der Fenstermacherberg werde auf einer Länge von etwa 2200 Metern untertunnelt.

Umweltprüfung

Auch die naturschutzfachlichen Prüfungen laufen bereits. So werde derzeit eine Umweltverträglichkeitsstudie erarbeitet. „Dazu gehören faunistische Sonderuntersuchungen und FFH-Verträglichkeitsprüfungen“, so Hörold. Bis Mitte 2020 sollen ein „möglichst konfliktarmer Korridor und die ökologische Vorzugsvariante“ herausgearbeitet werden. Im Oktober 2020 – so ist es geplant – soll die Vorzugsvariante der zukünftigen Ortsumfahrung mit den Trägern der öffentlichen Belange und den anerkannten Naturschutzverbänden abgestimmt werden. „Damit wäre nach drei Jahren planmäßig die Vorplanung abgeschlossen.“

Für die Mitglieder der Bürgerinitiative „B 244 – Wernigerode ohne Schwerlastverkehr“ sind das erst einmal gute Nachrichten. „Von unserer Seite sind wir sehr angetan“, so Brigitte Tannert. Seit vielen Jahren kämpfen Wernigeröder für eine Befreiung vom Schwerlastverkehr entlang der B 244.

Lärm und Dreck

Die Bundesstraße, stark frequentiert von Lastern, zieht sich auf einer Länge von acht Kilometern quer durch Wernigerode. Vom Mühlental durch ganz Nöschenrode, über die Bachstraße, das Westerntor, Ilsenburger Straße, Bahnhofsstraße und Schmatzfelder Straße – vorbei an denkmalgeschützten Fachwerkhäusern, Schulen, einem Krankenhaus, einem Friedhof, Altenheimen, Hotels und Pensionen. Lärm und Dreck sind an der Tagesordnung.

Von der langersehnten Ortsumfahrung würden aber nicht nur die Anwohner, sondern alle Wernigeröder profitieren, sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative sicher. Dennoch sei es „erstaunlich“, was alles bedacht werden müsse, so Sprecherin Brigitte Tannert.

Ziel: 2030

„Uns liegt der Zeitrahmen sehr am Herzen.“ Wichtig ist den Wernigerödern, dass das Vorhaben umgesetzt wird, so lange der aktuelle Bundesverkehrswegeplan Gültigkeit hat – also bis 2030. „Sonst müssten wir uns erneut für eine Aufnahme in den Plan bewerben. Und das wäre mehr als traurig.“