Wernigerode l Seit Jahren kämpfen sie. Unermüdlich. Unterschriftensammlungen, Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, mit etlichen Politikern auf Landes-, Kreis und Kommunalebene, Diskussionsrunden, zuletzt eine Briefaktion und eine eigene Website. Jetzt scheint sich die Beharrlichkeit der Bürgerinitiative „B 244 – Wernigerode ohne Schwerlastverkehr“ ausgezahlt zu haben. Die östliche Ortsumfahrung mit Tunnel durch den Fenstermacherberg und Anschluss an die vierspurige B 6 ist im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans in den „vordringlichen Bedarf“ eingestuft worden (wir berichteten). Das heißt, sollte der Plan im Sommer vom Bundeskabinett beschlossen werden, könnte das 90-Millionen-Euro-Vorhaben in den nächsten 15 Jahren realisiert werden.

„Wir sind hoch erfreut, dass wir nach jahrelangem zähen Ringen am Ziel sein könnten“, sagt Brigitte Tannert, Sprecherin und langjähriges Mitglied der Initiative. „Sollte die Ortsumfahrung tatsächlich gebaut werden, würde sich die Lebensqualität in der ganzen Stadt erhöhen.“ Die 3,9 Kilometer lange Umfahrung soll die Stadt vom Brummiverkehr entlasten. Auf einer Länge von 7,7 Kilometern zieht sich die Bundesstraße 244 durch Wernigerode, vorbei an Altenheimen, Schulen, Hotels, Pensionen und einem Krankenhaus. Auf der Strecke gibt es eine ganze Reihe von Gefahrenquellen und Sicherheitsmängeln für Fußgänger und Radfahrer. Hunderte Schüler müssen die von Schwerlastern hoch frequentierte Straße täglich queren. Die Anwohner an Nöschenröder Straße, Schöne Ecke, Bachstraße und Westerntor leiden unter Lärm, Dreck und Erschütterungen und fürchten um ihre jahrhundertealten denkmalgeschützten Fachwerkhäuser.

Die Ortsumfahrung Wernigerode ist eines von 80 Projektbewerbungen aus Sachsen-Anhalt. Bundesweit konkurrieren gut 2500 Bauvorhaben um einen vorderen Platz im Bundesverkehrswegeplan. 265 Milliarden Euro stehen für die nächsten 15 Jahre zur Verfügung. Die eingereichten Bauprojekte wurden in den vergangenen Monaten von externen Gutachtern bewertet und unter anderem anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse sowie nach umwelt- und raumordnerischen Kriterien bewertet. „Wir scheinen diesmal stichhaltige Argumente geliefert zu haben, die die Prüfer überzeugt haben“, so Brigitte Tannert.

Auch im Rathaus wurden die Nachrichten aus Berlin mit Freunde aufgenommen. Sowohl die Stadt als auch der Stadtrat hatten sich für das Anliegen stark gemacht. „Wir freuen uns außerordentlich“, so Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), der den Einsatz von Brigitte Tannert und der Bürgerinitiative würdigte. Der Tunnelbau sei nicht einfach und werde eine enorme Herausforderung für Stadt und Anwohner, blickt Gaffert in die Zukunft. Die Umfahrung werde aber zu einer deutlichen Verkehrsentlastung der Stadt und vor allem der Anwohner führen. „Hierfür haben wir seit Jahren gekämpft.“

Unterstützung aus Rathaus

Trotz des Erfolges können und wollen sich Brigitte Tannert und ihre Mitstreiter noch nicht zurücklehnen. „Erst wenn der Bundesverkehrswegeplan beschlossen ist, werden wir feiern“, so die Wernigeröderin. Am Montag, 21. März, beginnt die sechswöchige Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Der Entwurf kann unter anderem im Magdeburger Verkehrsministerium und online unter www.bvwp2030.de eingesehen und um sachliche Einwände ergänzt werden.

Die Bürgerinitiative will die Zeit nutzen, um weiter für das Projekt zu trommeln „Wir wollen herausfinden, was den Ausschlag für Wernigerode gegeben hat“, kündigt Brigitte Tannert an. „Sollte etwas nicht berücksichtigt worden sein, müssen wir noch einmal nachfassen.“ Peter Gaffert sicherte für diese Phase bereits Unterstützung zu. „Wir werden als Stadt erneut Stellung beziehen und nochmals auf die Dringlichkeit hinweisen.“

Informationen und Kontakt zur Bürgerinitiative unter www.b244-wr.de