Wernigerode l In diesen Tagen ist es ein wenig ruhiger entlang der Bundesstraße 244 in Wernigerode. Wegen der Baustelle im Mühlental werden Autos und Schwerlaster umgeleitet. Ab Donnerstagabend haben die Anwohner zwischen Holfelder Platz und Westerntor wieder unter Lärm, Dreck und Abgasen zu leiden.

„Ich möchte es gern noch erleben, dass die Ortsumfahrung gebaut wird“, sagte Brigitte Tannert beim Besuch von Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Seit über 20 Jahren setzt sich die Bürgerinitiative „B 244 - Wernigerode gegen Schwerlastverkehr“ mit Brigitte Tannert an der Spitze für eine Ortsumfahrung und eine Verkehrsentlastung ein. Viele Rückschläge mussten die Mitglieder einstecken. Dann 2016 der Durchbruch: Die Umgehungsstraße wurde im Bundesverkehrswegeplan in den „vordringlichen Bedarf“ eingestuft, genießt damit Priorität.

Für die nächsten Jahre steht eine lange Planungsphase an, in die die Mitglieder der Initiative eingebunden sein möchten. In den Räumen der IHK in Wernigerode informierte Webel mit der CDU-Bundestagskandidatin Heike Brehmer und Arno Manthey von der Landesstraßenbaubehörde über die nächsten Schritte.

Verbindung zur B6

„Ich will keinen Optimismus verbreiten. Wenn wir in zehn Jahren bauen, können wir uns glücklich schätzen“, sagte Minister Webel. So lange würden sich die umfangreichen Planungen ziehen – im günstigsten Falle. 2,5 Kilometer lang soll die Ortsumfahrung werden mit einem 2,3 Kilometer langen Tunnel durch den Fenstermacherberg und die B 244 auf kurzem Wege mit der vierspurigen B 6 verbinden, erläuterte Arno Manthey. „Die Planungsprozesse sind vorgegeben.“ Am Anfang stehe eine europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen, welche gerade vorbereitet wird. Zudem sei die sogenannte faunistische Planungsraumanalyse angeschoben worden, welche Grundlage für die Umweltverträglichkeitsstudie ist. „Im August werden die ersten Arbeitsergebnisse vorgestellt“, so Manthey.

Was dann folgt, sind die einzelnen Stufen der Planungsphase mit Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung bis zur Erlangung des Baurechtes. „Wir tun wirklich alles dafür, damit es schnell geht“, versicherte Arno Manthey den anwesenden Wernigerödern.

Tempo 30 gefordert

„Zehn Jahre sind eine lange Zeit“, sagte Patrick König von der Bürgerinitiative. „Was passiert bis dahin, um die Lärm- und Staubbelastung zu senken?“ König schlug die Einführung von Tempo 30 an neuralgischen Punkten vor. „Für LKW gilt die Tempobeschränkung auf der Strecke schon“, entgegnete Wernigerodes Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Tempo 30 auf bestimmten Straßenabschnitten oder Objekten sei zwar möglich. „Aber dann müssten wir dort auch kontrollieren“, so der Vertreter des Oberbürgermeisters. Dies sei mit dem Blitzerauto der Stadt wegen der Enge der Straße nicht möglich. „Wir könnten natürlich den Kauf einer stationären Blitzeranlage diskutieren.“ Eine Änderung des Tempolimits auf Bundesstraßen müsste bei der unteren Straßenverkehrsbehörde beantragt werden.

Gleichzeitig lobte Friedrich Brigitte Tannert und ihre Mitstreiter. Der bisherige Erfolg zeige, was eine Bürgerinitiative bewegen kann. Von der Ortsumfahrung würde irgendwann die ganze Region profitieren.

Hintergrund: Das Projekt Ortsumfahrung Wernigerode wird im Auftrag des Bundes durch das Land geplant und gebaut. Der Bund beteiligt sich an den Planungskosten und finanziert den Bau.