Halberstadt l Lichter funkeln in der Dunkelheit, Glühweinduft zieht durch die Straßen, Weihnachtslieder sorgen für festliche Stimmung – eine Beschreibung, die auf fast jede deutsche Stadt in der Adventszeit passt. Selbst in vielen noch so kleinen Dörfern finden Weihnachtsmärkte statt. Normalerweise. In diesem Corona-Jahr wird ein Markt nach dem anderen von den Organisatoren abgesagt. Ist auch der in Halberstadt in Gefahr? „Nein“, betont Jens Ganso, der das Adventsspektakel seit 2015 organisiert. „Solange das Land kein generelles Verbot ausspricht oder das Gesundheitsamt einen Riegel vorschiebt, werden wir öffnen.“

Ein Vorhaben, dass die Halberstädter Verwaltung unterstützt, wie Wirtschaftsförderer Thomas Rimpler sagt. „Dass Veranstaltungen auch während einer Pandemie möglich sind, haben die Kulturhappen und die Herbstkirmes gezeigt.“ Nicht zuletzt hingen Existenzen von Händlern und Schaustellern, die in diesem Jahr schon so arg gebeutelt wurden, von solchen Märkten ab. „Das öffentliche Leben muss ja auch in Zeiten von Corona irgendwie weitergehen“, fügt Rimpler hinzu. Während einige Weihnachtsmärkte und Co. aus Angst vor einer Ansteckung meiden würden, sei bei anderen das Bedürfnis nach Abwechslung groß, gibt der Wirtschaftsförderer zu bedenken. Sofern es die Bestimmungen des Landes zulassen, spreche er sich absolut für das Stattfinden des Halberstädter Weihnachtsmarktes aus.

Eröffnet werden soll dieser am Dienstag, 24. November. Rund 30 Buden sollen auf dem Fischmarkt Platz finden, darunter Fahrgeschäfte für Kinder, auch die große Spieluhr wird wieder aufgebaut, kündigt Jens Ganso an. Also alles wie immer? Auch darauf antwortet der Veranstaltungsprofi mit einem klaren Nein. Desinfektionsvorrichtungen, Abstandsregeln, kontrollierter Einlass – auf das und mehr müssen sich die Besucher und Aussteller einstellen. Um alles zu gewährleisten, habe der Veranstalter aufrüsten müssen: neuer Toilettenwagen, Spender für Desinfektionsmittel, Hinweisschilder, mehr Personal. „Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept beim Gesundheitsamt eingereicht“, berichtet der 57-Jährige.

Veranstalter rechnet mit verschärften Regeln

Dass die Vorschriften noch weiter verschärft werden und so weitere Einschränkungen möglich sind, davon geht der Veranstalter angesichts der gerade steigenden Fallzahlen aus. „Wir können momentan nur von Woche zu Woche planen. Alles andere darüber hinaus wäre ein Blick in die Glaskugel.“

Sein Konzept gebe es her, spontan auf neue Regelungen, die der Ausbreitung des Virus entgegenwirken sollen, angepasst werden zu können. So könne sich Ganso sogar vorstellen, während des Marktes auf den Ausschank von alkoholischen Getränken zu verzichten.

Bereits gestrichen ist die Domweihnacht, die Ganso normalerweise ebenfalls organisiert. „Die Ansammlung vor dem Dom wäre einfach zu heftig, darum verzichten wir darauf“, so Ganso. Ebenso wird es kein Bühnenprogramm geben, damit sich keine Leute vor dem Podest versammeln. Dennoch sollen die Besucher nicht völlig auf Kultur oder Musik verzichten müssen. „In diesem Jahr gibt es einen musizierenden Weihnachtsmann, der über den Platz läuft.“ Auch die Eröffnung falle anders aus als gewohnt. Den traditionellen Stollenanschnitt werde es nicht geben – damit die Leute nicht wie sonst für das süße Gebäck dicht gedrängt Schlange stehen.

Märkte in Blankenburg und Klötze abgesagt

Gut möglich, dass dem Halberstädter Weihnachtsmarkt trotz abgespeckter Form in diesem Jahr mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn einige Orte in der Region haben ihre Adventsspektakel bereits gestrichen. So wird es in diesem Corona-Jahr beispielsweise in Aderstedt, Wegeleben, Wanzleben, Klötze und Diesdorf keine Märkte geben. Die Organisatoren der Blankenburger Schlossweihnacht haben ebenfalls abgesagt.

Darüber, ob der Budenzauber in Wernigerode stattfinden kann, entscheidet am 5. November der Statdrat. Der Grund, so informiert Andreas Meling, Chef der Wernigerode Tourismus GmbH (WTG), die erstmals in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt organisiert, sind die Sicherheits- und Hygienebestimmungen sowie die damit verbundenen Mehrkosten. Wernigerodes Lokalpolitiker sollen deshalb über einen Zuschuss von 100.000 Euro aus der Stadtkasse entscheiden. Sprechen sich die Stadträte dagegen aus, ist der Weihnachtsmarkt damit gestrichen.

Jens Ganso beobachte die Entwicklungen in der Harzregion, lasse sich davon aber nicht in seiner Planung beeinflussen. Er habe keine Befürchtungen, dass der Halberstädter Markt aufgrund der Absagen in anderen Orten überrannt werden könnte. „Wir haben eine Zähleranlage an den Eingängen. Wenn die Höchstzahl erreicht ist, kommt niemand mehr auf den Platz, bis Besucher wieder gehen“, erläutert er.

Herbstkirmes als Testlauf für Zählsystem

Ein Testlauf für die Anlage ist gerade zu Ende gegangen: Auf dem Fischmarkt fand vom 2. bis zum 18. Oktober eine Herbstkirmes mit Karussells sowie verschiedenen Speisen- und Getränkeangeboten statt. An sechs Eingängen, mit Lichtschranken und Zählsystem versehen, wurde die maximale Auslastung auf dem Platz überwacht. Die Besucher hätten die Vorgaben gut akzeptiert und sich an die Regeln gehalten. „Laut Auflagen durften sich maximal 450 Personen gleichzeitig auf dem Platz aufhalten“, erläutert Jens Ganso.

Wie er informiert, sei die Höchstzahl zu keiner Zeit erreicht worden. Mehr als 350 Personen hätten nie zur gleichen Zeit auf der Herbstkirmes verweilt. Unzufrieden sei er damit aber nicht. Die Zahl sei schließlich nur eine Momentaufnahme, es habe ein ständiges Kommen und Gehen gegeben. „Insgesamt wurden im Zeitraum der Herbstkrimes 40.000 Besucher im Zentrum gezählt.“ Noch lägen nicht alle Zahlen zu Umsatz und Co. vor. „Einen Verlust haben wir sicher nicht eingefahren“, lautet seine erste Einschätzung. „Im Fokus dieser Veranstaltung lag aber ohnehin nicht der Gewinn. Sie war ein Probelauf dafür, wie so etwas während Corona organisiert werden kann“, sagt Jens Ganso. Gewissermaßen eine Übung für den Weihnachtsmarkt.