Die Sonnenseite des Harzes?

l Grundsätzlich gilt: Auf der Ostseite des Harzes fällt im Mittel weniger Niederschlag und es werden etwas mehr Sonnenscheinstunden verzeichnet. Das bestätigt Dr. Frank Kreienkamp auf Volksstimme-Anfrage. Der Leiter des Regionalen Klimabüros Potsdam vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erläutert weiter: „Grund dafür ist die Hauptwindrichtung West und der durch den Harz verursachte Wolkenstau.“

l Sonnenscheindauer und Niederschlagshöhe laut DWD in Harz-Städten (Mittelwerte 1981 bis 2020) von West nach Ost:

• Braunlage: 1469 Sonnenstunden, 1365 Millimeter Niederschlag

• Wernigerode: 1520 Stunden, 630 Millimeter

• Blankenburg: 601 Millimeter (Mittelwert 1991 bis 2008), keine Daten zu Sonnenscheindauer

• Quedlinburg: 1558 Stunden, 538 Millimeter (mg)

Blankenburg l Größer als zehn Tennisplätze ist die Fläche auf einem Hallendach im Blankenburger Gewerbegebiet Mönchenfelde, auf dem nun Solarzellen prangen. Seit zwei Wochen wird die Photovoltaik-Anlage bei der Scheffer Rohrleitungsbau und der Harzrohr Handelshaus GmbH montiert. Ende des Jahres sollen 1214 der Panele über eine Trafostation ans Strom-Netz angeschlossen werden, berichtet Scheffer-Geschäftsführer Thomas Schmidt. „Die Leistung reicht aus, um 125 bis 130 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen zu versorgen“, rechnet Martin Leuschner, Bauleiter der ausführenden Firma KeschSolar aus dem baden-württembergischen Lorch, vor.

Lange habe man in der Blankenburger Firma überlegt, wie die riesige Dachfläche genutzt werden könne. „Da regenerative Energien derzeit in aller Munde sind, wollten wir unseren Beitrag leisten“, ergänzt Diplomingenieur Sebastian Mühlhans. Schließlich hätten die Rohrleitungs- und Tiefbauer aus der Blütenstadt einen Investor gefunden, der die Dachfläche pachtet und den Bau der Photovoltaik-Anlage finanziert. „Das ist sonst als Firma kaum zu stemmen.“

Solarstrom für den Eigenbedarf der beiden auf dem Gelände ansässigen Betriebe soll eine kleinere Anlage auf dem Bürotrakt liefern. „Perspektivisch stellen wir uns eine Batterieanlage mit Ladestation vor – um unsere kleineren Firmenfahrzeuge durch Elektro-Autos zu ersetzen “, erläutert Mühlhans. Doch dabei gebe es ein Problem: „Leider werden solche E-Ladestationen nur gefördert, wenn sie öffentlich für jedermann zugänglich sind.“

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Solarstrom als Alternative zur Windkraft

Stadtwerke-Geschäftsführer Tim Schlenkermann begrüßt die Initiative aus der Straße Am Mönchenfelde: „Damit liefert die Region einen Beitrag zur Energiewende.“ Da im Altlandkreis Wernigerode Windräder verboten sind, blieben Solarzellen als eine Möglichkeit, um Öko-Strom zu erzeugen.

Und diese Chance werde in der Blütenstadt rege genutzt: „Inzwischen wird von Blankenburger Photovoltaik-Anlagen gerade an sonnigen Sommertagen mehr Strom ins Netz eingespeist, als in der Stadt verbraucht wird“, so Schlenkermann. Somit profitiere die Kommune von ihrer Lage auf der Sonnenseite des Harzes: „Vergleichsweise wenig Niederschlag und wenig bewölkte Tage mögen Landwirte ärgern, aber für uns ist es ein Segen“, erläutert der Chef des Energieversorgers.

Die Stadtwerke rühmen sich damit, ihre Kunden seit 2017 zu 100 Prozent mit Öko-Strom zu beliefern. Dieser stamme vollständig aus Europa. Der in Photovoltaik-Anlagen der Region gewonnene Strom stünde zwar theoretisch allen ans Netz angeschlossenen Haushalten zur Verfügung, doch werde „lokal verbraucht“, ergänzt Schlenkermann. „Das ist einfach eine physikalische Grundregel: Der elektrische Strom nimmt den Weg des geringsten Widerstands.“ Und der Stadtwerke-Chef räumt mit weiterem Halbwissen auf: „Die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz kommt nicht von uns, wir leiten sie nur weiter.“ Die Stadtwerke seien – scherzhaft gesagt – nur der „Durchlauferhitzer“.