Wernigerode l Unter dem Veckenstedter Storchenhorst hat der Wernigeröder Rentner Olaf Paul kürzlich Fotos geschossen. So etwas kommt in diesen Tagen häufiger vor, doch diese Bilder sollen Lehrmaterial werden. Gedacht sind sie für Schüler im afrikanischen Kenia, dort betreibt der 75-Jährige mit Freunden eine kleine private Schule. Und darüber hat er viel zu erzählen.

„Angefangen hat alles mit einem Urlaub vor vielen Jahren. Damals war ich auf einer Safari und habe Menschen, Tiere und die Landschaft Afrikas kennen- und lieben gelernt“, sagt Paul. Damals war er noch berufstätig und arbeitete als Ingenieur für ein großes ostdeutsches Tiefbauunternehmen.

Es folgten weitere Urlaubsreisen, dann die erste Tierpatenschaft. „Ich wurde Pate für eine Elefantenwaise, von denen es in Kenia viele gibt. Immer wieder schießen Wilderer erwachsene Tiere, um an das Elfenbein der Stoßzähne zu gelangen. So etwas kann ich nicht verhindern, aber ich wollte zumindest etwas für die Jungtiere tun“, berichtet Paul.

Schwerer Anfang für Schule

Bei diesen Reisen in das ostafrikanische Land lernte er die Einwohner näher kennen. „Ich habe mitbekommen, dass die Landbevölkerung kaum gebildet ist und deshalb oft auf Betrüger hereinfällt“, sagt Paul. Mit Freunden gründete er den Verein „ABA“. Die Buchstaben stehen für Anfang, Beginning und Anza und bedeuten das gleiche. „Beginning“ heißt in der kenianischen Amtssprache Englisch ebenso Anfang, wie das Wort „Anza“ in der afrikanischen Sprache Kisuaheli, die in Kenia weit verbreitet ist.

Der Verein wollte im Land am Indischen Ozean eine Schule betreiben, um dem Bildungsdefizit der Ärmsten zu begegnen und ihnen bessere Chancen in der Gesellschaft zu ermöglichen. Aber aller Anfang ist schwer. „Wir versuchten, zunächst Erwachsenen zu helfen, doch sahen wir uns bald nur noch Frauen gegenüber. Die Männer schämten sich vor den Frauen und blieben bald der Schule fern“, berichtet der Wernigeröder.

Schon bald trat eine Wende ein. „Immer mehr Frauen brachten ihre Kinder mit und bald waren diese in der Überzahl. Inzwischen unterrichten wir fast nur noch Kinder. Einige Frauen kommen sporadisch, aber die Jüngsten sind mit Begeisterung dabei. Und sie sind sehr wissbegierig“, sagt der Wahlharzer.

Schulraum gekündigt

Für die Kinder war Paul unter dem Veckenstedter Storchenhorst. Er wollte Fotos von jenen Vögeln schießen, die die Kinder in Kenia kennen. Viele Störche überwintern in dem Land. Kaum ein kenianisches Kind jedoch wisse, dass die Störche in Europa groß werden und erst dann nach Afrika fliegen.

Mit seinem Mobiltelefon war es für Olaf Paul schwer, Lehrfotos zu schießen. Deshalb hat er von der Volksstimme die Zusage bekommen, dass er Bilder aus dem Zeitungsarchiv mitnehmen kann. Im August reist der 75-Jährige wieder zu seinen Schützlingen.

„Der für den Unterricht gemietete Raum wurde uns gekündigt. Die Lehrerin, eine ehemalige Bankangestellte, unterrichtet jetzt bei sich daheim. Gemeinsam mit europäischen Freunden wollen wir ein neues Schulgebäude suchen“, sagt Paul, dessen Schule seit zehn Jahren besteht und von den Behörden vor Ort anerkannt und zertifiziert ist. Wer ihm und dem Verein helfen möchte, kann spenden (Verein ABA e. V., IBAN:DE19 8105 2000 0309 8019 31).