Wernigerode l Diese Tat hat in Schierke für Aufregung gesorgt: Ein Unbekannter hat in der Nacht zum 21. Januar alle drei Automaten im Parkhaus „Zum Winterbergtor“ geknackt. Äußerst lohnenswert für den Dieb, der zuvor die Stromversorgung unterbrach und die Videokameras lahmlegte. In den Automaten befanden sich die gesamten Einnahmen eines lukrativen Winterwochenendes – ganze 10.000 Euro. Knapp 6500 Euro in Scheinen ließ der Täter mitgehen, den Großteil des Münzgeldes verschmähte er.

Wie es aussieht, kommt der Automatenknacker von Schierke nicht ungestraft davon. Der Dresdner Rick M. (Jahrgang 1970) muss sich ab dem 9. Oktober vor dem Amtsgericht in Pirna verantworten. Wieso Pirna? Weil der Angeklagte noch mit etlichen weiteren Taten in Sachsen in Verbindung gebracht wird. „Ihm wird Diebstahl im besonders schweren Fall in 18 Fällen sowie versuchter Diebstahl im besonders schweren Fall in 13 Fällen zur Last gelegt“, informiert Andreas Beeskow, Sprecher des Amtsgerichtes. Die anderen Taten würden sich allesamt auf Parkautomaten und Wanderparkplätze im Umkreis der Sächsischen Schweiz konzentrieren.

Zur Tatzeit in Schierke

Das Parkhaus in Schierke ist rein örtlich gesehen ein Ausreißer. Der Aufbruch wird dem Angeklagten dennoch zugerechnet – obwohl am Tatort keine Spuren gefunden wurden. „Der Täter hielt sich im Tatzeitraum in Schierke auf“, erläutert Jürgen Schmidt von der zuständigen Staatsanwaltschaft Dresden auf Volksstimme-Nachfrage. Zudem liege der „gleiche Modus Operandi“ wie bei den Fällen in Sachsen vor. „Die Automaten wurden jeweils an gleicher Stelle aufgebohrt“, so der Oberstaatsanwalt.

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Der Beschuldigte ist in sächsischen Justizkreisen einschlägig bekannt, wie Schmidt weiter informiert. Er sei seit 1994 15 Mal zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. „Ausschließlich wegen Diebstahls.“ Alle Aussetzungen zur Berufung seien widerrufen worden. Der Angeklagte stehe auch aktuell unter Bewährung. Im März 2016 sei er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung, verurteilt worden.

Ob es Rick M. diesmal gelingt, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wird sich bei der Verhandlung in Prina zeigen. Laut Andreas Beeskow vom Amtsgericht Pirna sieht das Gesetz bei Diebstahl im besonders schweren Fall Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu zehn Jahren vor.

Mitarbeiter der Stadt als Zeuge

Mit Interesse verfolgt wird das anstehende Verfahren sicherlich auch im Harz. Ein Mitarbeiter der Wernigeröder Stadtverwaltung ist sogar als Zeuge zum Prozess nach Sachsen geladen. „Wir wünschen uns natürlich einen Fahndungserfolg“, sagt Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha auf Nachfrage. Zu den gestohlenen Parkeinnahmen von 6497 Euro seien im Januar auch die Aufbruchschäden an den drei Automaten von weiteren 3169 Euro gekommen. Die Automaten waren daraufhin zwei Tage lang außer Betrieb.

Zwar hat die Versicherung den Schaden damals komplett übernommen. Der nachfolgende Ärger war trotzdem heftig. Die Wernigeröder Stadtverwaltung musste sich danach als Betreiber des Parkhauses viel Häme und Kritik gefallen lassen.

Die Automaten hätten eher geleert werden müssen, dann wäre die erbeutete Summe nicht so hoch gewesen. So viel „Dämlichkeit“ sei wie eine Einladung für die Diebe, hieß es damals aus den Reihen des Stadtrats.