Wernigerode l Endlich ist die Zeit des Wartens für Familie Ben Fredj vorbei. Das Gastronomen-Paar eröffnet sein neues Restaurant – ein halbes Jahr nachdem ein verheerender Großbrand in der Grünen Straße ihren Arbeitsplatz und ihre Wohnung vernichtete. „Wir sind einfach nur glücklich, dass wir zur Normalität zurückkehren können, und, dass uns Kathrin Seering bei der Suche nach einem neuen Standort so schnell geholfen hat“, sagt Dana Ben Fredj.

Ihr neues Restaurant befindet sich nur wenige Meter von der Ruine des alten im Parkhotel Fischer entfernt – in der Grünen Straße 48. Probleme mit den Inhabern hatten zur Trennung geführt. Als Seering, Betreiberin der Altstadt-Pension Orchidee, in der Volksstimme davon las, habe sie keine Sekunde gezögert: „Ich habe Familie Ben Fredj sofort angeboten, in meinem Frühstücksraum neu zu eröffnen.“

Schließlich sei sie selbst Stammgast im alten Restaurant „Zur Grünen Straße“ gewesen und habe es ihren Gästen weiterempfohlen. „Das ist die beste Lösung für uns alle“, ist Seering überzeugt.

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Französisch-orientalische Küche

Dass das Konzept mit französisch-orientalischer Küche und ein paar neuen Ideen auch in den Räumen der Pension funktioniert, davon ist Mongi Ben Fredj überzeugt. „Die Lage an der Hauptachse für Fußgänger zwischen Bahnhof und Marktplatz ist ideal“, sagt der gelernte Hotelmanager. Einzig der Straßenname Totenweg, an dem der Eingang liegt, könne vielleicht abschrecken, scherzt seine 38-jährige Frau. Um wieder beste Kost anbieten zu können, hätten sie in die Küche der Pension Orchidee investiert.

Die ersten, die diese probieren dürfen, sind am heutigen Freitagabend Helfer, die der vierköpfigen Familie in den schwersten Momenten der Brand-Katastrophe beistanden. „Feuerwehr, Stadtverwaltung, dazu Familien von Stammgästen und Spendern, die uns unterstützt haben“, erläutert Dana Ben Fredj die Gästeliste. Ab dem Sonnabend ist das Restaurant mit knapp 50 Plätzen regulär geöffnet.

Familie hat neue Wohnung gefunden

„Wir sind immer noch beeindruckt von der Welle der Hilfsbereitschaft der Wernigeröder“, sagt Mongi Ben Fredj, der mit seiner Frau im Frühling 2017 extra für das Restaurant aus Frankfurt an der Oder in den Harz zog. Sowohl in der Diesterweg-Schule als auch der Kindertagesstätte Benjamin Blümchen in Silstedt wurden nach dem Feuer Spenden-Aktionen zugunsten der deutsch-tunesischen Gastronomen organisiert. Nachbarn und Stammgäste des zerstörten Restaurants halfen mit Kleidung, Sachspenden und Geld weiter. Dank der Stadtverwaltung fand die Familie eine Übergangswohnung in der Innenstadt.

Diese haben Ben Fredjs inzwischen wieder verlassen und sind in eine größere Bleibe in einem Mehrfamilienhaus mit Räumen für beide Kinder gezogen. „Unsere Söhne haben sich prima eingelebt und Freunde gefunden – wir bleiben hoffentlich noch lange in Wernigerode“, gibt sich Mongi Ben Fredj zuversichtlich zum Neustart.