Heimtaverein

Rettung in letzter Minute für alten Trafoturm im Nordharz

Im Nordharz-Ort Langeln soll ein mehr als 100 Jahre alter Trafoturm für die Nachwelt erhalten bleiben. Der Heimatverein möchte ihn künftig nutzen.

Von Jörg Niemann 06.07.2021, 19:53 • Aktualisiert: 07.07.2021, 09:38
Ortsbürgermeister Bernd Waßmus (links) und Heimatvereinschef Holger Wesemann vor dem immer noch abgedeckten Trafoturm in Langeln.  Foto: Jörg Niemann
Ortsbürgermeister Bernd Waßmus (links) und Heimatvereinschef Holger Wesemann vor dem immer noch abgedeckten Trafoturm in Langeln. Foto: Jörg Niemann Foto: Jörg Niemann

Langeln - Die Gemeinde Nordharz will auf Bitten von Heimatfreunden aus Langeln einen über 100 Jahre alten Trafoturm im Ortsteil erhalten. Die Trafostation ist nach Informationen aus dem Ort um 1905 erbaut worden und soll künftig vom Heimatverein genutzt werden.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Nordharzer Gemeinderat den Beschluss gefasst, mit dem Noch-Eigentümer Avacon einen Vertrag zur Übernahme abzuschließen. Der Vorwochenbeschluss enthielt allerdings eine Klausel, nach der er nur gültig wird, wenn auch der Ortschaftsrat von Langeln dieser Vorlage zustimmt. Pandemiebedingt fand die Gemeinderatssitzung vor der Ortschaftsratssitzung statt.

Am Montag, 5. Juni, nun hat sich der Ortschaftsrat mit der Vorlage befasst und dem Vorhaben des Heimatvereins einmütig zugestimmt. Da auch der Gemeinderat einmütig votierte, kann die Verwaltung nun den bereits vorbereiteten Vertrag mit dem Energieversorger unterzeichnen.

Seniorin schlug Alarm bei Abriss

Allerdings wäre das Problem schon lange vom Tisch gewesen, wenn der Trafoturm nicht ausgerechnet gegenüber des Grundstücks von Gudrun Berndt, dem bislang einzigen Ehrenmitglied des Langelner Heimatvereins stehen würde. Die Aufmerksamkeit der über 80-jährigen Senioren ist es zu verdanken, dass der Turm überhaupt noch steht.

Ortsbürgermeister Bernd Waßmus (parteilos) erinnert sich: „Es war der 25. März diesen Jahres als ich plötzlich einen Anruf auf dem Handy bekam. Frau Berndt berichtete, dass mehrere Autos von Handwerkern vor dem Turm parkten und bereits die ersten Ziegel abgedeckt worden seien“, sagte Waßmus, der sich zum Zeitpunkt des Anrufs nicht im Ort befand. Augenblicke später rief auch Heimatvereinschef Holger Wesemann aus dem gleichen Grund an. Waßmus bleib nichts anderes übrig, als seinerseits bei Nordharz-Bürgermeister Gerald Fröhlich anzurufen, der wiederum Kontakt zur Avacon aufnahm. Als dann die Arbeiter ihren Auftragsstopp bekamen, war das Dach des Turmes bereits abgedeckt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Zum Lokaltermin kurz vor der Ortschaftsratssitzung am Montag war auch Gudrun Bernd zugegen. Sie berichtete noch einmal von ihrem Erlebnis im März. „Ich wusste ja von den Plänen des Heimatvereins und auch davon, dass der Turm erhalten bleiben soll. Als dann die ersten Ziegel fielen, war ich wie elektrisiert und habe nach dem ersten Schock zum Telefon gegriffen, um den Bürgermeister anzurufen“, sagte die Anwohnerin.

Außenstelle für Langelns Heimatmuseum

Grundlage aller Ratsbeschlüsse zu diesem Thema ist ein Nutzungskonzept, das der Heimatverein für den Turm erarbeitet hat. So sollen der Turm und sein Umfeld neu hergerichtet und das Bauwerk dann als eine Art Außenstelle des Langelner Heimatmuseums genutzt werden.

Wenn die Pläne realisiert sind, dann schließt sich irgendwie auch ein Kreis für Gudrun Berndt. Sie hatte vor über 20 Jahren das Heimatmuseum im Kirchturm initiiert, aufgebaut und bis vor wenigen Jahren auch ehrenamtlich betreut. Dann gab sie die Aufgabe kurz vor ihrem 80. Geburtstag ab. Die im Zusammenhang mit dem Museum erworbenen Verdienste veranlassten den erst vor wenigen Jahren neu gegründeten Heimatverein, ihr die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Dass ein Teil des Museums nun schon bald zu seiner Gründerin zurückkehrt, ist dennoch reiner Zufall.