Ilsenburg l Sie wollen die Chance nutzen, ihr Einsatz soll sich gelohnt haben. Sie, dass sind die Mitglieder und Freunde der Stiftung Kloster Ilsenburg, die sich mit Unterstützung der Stadt an einem Projekt beteiligen wollen, um mit Fördergeld vom Bund für eine erhebliche Aufwertung des Denkmalareals zu sorgen.

Dass das Kloster samt Schloss und Schlosspark bundesweit für den Denkmalschutz Bedeutung hat, zeigte bereits die Auswahl der Ilsenburger für die MDR-Sendung „Mach dich ran“. Julia Ivancenco, Henri Fischer, Ingo Kugenbuch und Martin Knauff stiegen für die Stiftung in den Wettkampfring und gewannen am Ende die Siegerprämie von 200.000 Euro. Im Finale in der Stefanie-Hertel-Schlagershow wurde das Quartett unter Goldlamettaregen gefeiert und versicherte, das Geld sei für die weitere Sanierung des Klosters.

In den vergangenen Jahren hat sich unter Federführung von Stiftungschef Rainer Schulze schon viel getan. Die Dächer sind saniert, das fertiggestellte Klausurgebäude wird für Veranstaltungen wie Trauungen, Ausstellungen, Märkte und Vorträge genutzt. Der Schlosspark wurde in das „Gartenträume“-Programm aufgenommen und soll in den nächsten Jahren saniert werden. „Doch das Schloss mit Bothobau, Torhaus und Abtsbau ist noch in einem sehr schlechtem Zustand, lediglich zum Teil entkernt“, sagt Schulze. Viel zu tun gäbe es auch auf dem Innenhof des gesamten Komplexes, über den die in städtischem Eigentum befindliche Klosterkirche zu erreichen ist.

90-Prozent-Förderung in Aussicht

Wenn die Ilsenburger bei der Bewerbung für das Bundesförderprojekt berücksichtigt werden, könnten sie das gewonnene Geld verzehnfachen. Und wenn sie es geschickt anstellen, könnten sie noch mehr herausschlagen als die notwendigen zwei Million Euro für die Sanierung der Gebäude. Entsprechend des kommunalen Finanzanteils wird nämlich eine Förderung von 90 Prozent in Aussicht gestellt.

Mit weit mehr als zwei Millionen Euro würde es laut Rainer Schulze möglich sein, den Bothobau samt Nebengebäuden und vor allem auch den Klosterinnenhof zu sanieren. Dann könnten eine Crola-Ausstellung und mehr Leben als bisher einziehen sowie das gesamte Areal verschönert werden. Erst dann wäre ein Eintritt von fünf Euro im Kloster gerechtfertigt, und die Stiftung könnte bei etwa 26.000 Besuchern, wie in diesem Jahr, endlich selbsttragend sein. Bislang werde drei Euro Eintritt kassiert, „weil wir einfach noch zu wenig zu zeigen haben“, sagt der Stiftungsvorsitzende.

Stadtrat steht vor Grundsatzbeschluss

Für diesem ehrgeizigen Plan, Schloss und Kloster Ilsenburg touristisch erheblich aufwerten zu können, bedarf es die Unterstützung des Ilsenburger Stadtrats. Zunächst geht es in der morgigen Sitzung um einen Grundsatzbeschluss, sich an dem Bundesförderprojekt, vergleichbar mit einem Denkmalschutzprogramm, zu beteiligen. Den Antrag kann nur die Stadt Ilsenburg stellen, weil es sich um ein städtebauliches Projekt handelt. Die Anmeldefrist endet am 30. November.

Gelangt Ilsenburg in die Projektauswahl, geht es in der zweite Phase um die konkrete Beantragung des Fördergeldes. Und hierfür schlägt Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) einen städtischen Zuschuss zum TV-Geld der Stiftung vor, „damit auch die Missstände auf dem Klostergelände in erheblichem Umfang beseitigt werden“. Die Höhe des Zuschusses, so Loeffke, sollte erst benannt werden, wenn „wir in der Auswahl sind“.

Dennoch, so scheint es, scheiden sich beim Geld bereits die Geister. Dass die Stadt Ilsenburg sich bewerben sollte und die 200.000 Euro aus der TV-Show als Eigenanteil der Stadt genutzt werden, darüber besteht in allen Fraktionen Einigkeit, so das Ergebnis der Volksstimme-Nachfrage. Die Linke-/Grünen-Fraktion will eine Deckelung bei 200.000 Euro, aber auch die Hofsanierung. Auch die SPD lehnt mehr Geld ab und verweist auf den kritischen Haushalt.