Wernigerode l „Wenn man als Mezzosopranistin weder alte Frau noch kleinen Jungen singt, dann ist man die Femme fatale im Stück.“ So umschreibt Johanna Brault ihre Rolle bei „Rigoletto“ in Wernigerode. Als Maddalena ist sie hauptverantwortlich für das tragische Ende der Schlossfestspiele-Oper.

„Wenn sich meine Rolle nicht sofort in den Herzog verknallen würde, gebe es kein tragisches Ende.“ Mit ihrer dunkleren Stimme sei die Partie der Französin gefährlicher und exotischer als die ihrer Rivalin, der weiblichen Hauptfigur Gilda. „Ich kreiere Chaos auf der Bühne“, scherzt die 30-Jährige.

Identifikation mit Rolle als "Mini-Carmen"

Und das gefalle ihr, sagt Brault. „Maddalena will sich emanzipieren, folgt ihren eigenen Gelüsten und Instinkten.“ Darin erkenne sie sich ein Stück weit selbst wieder. „Ich bin ein südlich-sonniger Typ und eine heißblütige Frau“, sagt die in Marseille am Mittelmeer geborene Sängerin.

"Rigoletto"-Premiere in Wernigerode

Wernigerode (mg) l Das Ensemble um Regisseur Oliver Klöter hat Freitag, 10. August, die Premiere der Oper "Rigoletto" bei den Schlossfestspielen in Wernigerode gefeiert.

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Diese Charakterzüge spielten ihr in die Karten, als sie in der Spielzeit am Theater Plauen-Zwickau debütierte – in der Titelrolle von Bizets „Carmen“. Ihre Partie bei der Verdi-Oper im Harz sei quasi eine „Mini-Carmen“. Im nächsten Jahr stehe an ihrem Stammhaus in Westsachsen Braults erste große Rolle in einem Stück des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi an – die Pharaonentochter Amneris in „Aida“.

Zunächst will sich die Mezzosopranistin aber auf ihre Rolle in Wernigerode konzentrieren. „Ich bin zum ersten Mal in der Region, die Stadt ist sehr hübsch, die Arbeit mit den Kollegen konstruktiv, aber entspannt – ich fühle mich geborgen“, schwärmt die Sängerin.

Studium in Paris und Wien

Die Begeisterung für deutsche Kultur habe Johanna Brault aber schon während ihres Literaturstudiums in Toulouse gepackt. „Schriftsteller wie Rilke und Hesse haben mein Interesse an der Sprache geweckt“, sagt sie. Ebenso geprägt habe die Französin ihre erste Opernerfahrung in Bayreuth.

Deshalb zog sie nach einem Gesangsstudium am Conservatoire Supérieur National de Musique de Paris, das sie mit Auszeichnung bestand, nach Wien. „Beide sind Musikhauptstädte“, vergleicht sie die Metropolen an Seine und Donau.