Wernigerode l Romantische Arien, klassische Musik, das bekannteste Liebespaar der Welt und gleich zwei Veranstaltungsorte an einem Abend – die Premierengäste auf Schloss Wernigerode haben am Freitag einiges geboten bekommen.

Umzug in den Marstall

Die Oper „Romeo und Julia“ von dem Italiener Vincenzo Bellini muss magische Anziehungskraft besitzen. Das Philharmonische Kammerorchester, Solisten und die Singakademie spielten und sangen vor ausverkauftem Haus – besser kann es nicht laufen. Doch das unbeständige Wetter drohte den Musiker und Regisseurin Birgit Kronshage einen Strich durch die Rechnung zu machen. Kurz bevor im Schlosshof die ersten Töne der Ouvertüre erklingen sollten, setzte der Regen ein. Die Gäste mit Regenschirmen und in Plastikcapes gehüllt warteten den Schauer ab. Das Orchester setzte verspätet ein. Die tragische Geschichte von Romeo und Julia nahm ihren Lauf, zog das Publikum in ihren Bann – aber nur bis kurz vor der Pause. „Wir müssen hier abbrechen und in den Marstall ziehen“, so Orchesterchef Christian Fitzner. Eine riesige Regenwand sei im Anmarsch. Eine Entscheidung, die Kraft kostete, sagte er später.

Bravorufe inklusive

Einen Fußmarsch durch die Dunkelheit später wurde die Oper im Fürstlichen Marstall fortgesetzt. Den Wechsel in die Ausweichspielstätte nahmen die meisten Gäste geduldig hin. Im Trockenen erlebten sie das traurige Ende von Romeo und Julia. Aber nicht nur das Schicksal der Liebenden schien zu berühren – auch die Leistung der Musiker. Die Zuschauer applaudierten stehend, Bravorufe inklusive.

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Ein tolles Ensemble

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte ein erleichterter, aber sichtlich geschaffter Christian Fitzner nach der Vorstellung. Er lobte die Solisten – „ein tolles Ensemble“. Aber auch der Chor habe sehr gute Arbeit geleistet. Und das Orchester sowieso. „Und dem Publikum scheint es gefallen zu haben. Darüber freue ich mich“, so die erste Bilanz des Orchesterchefs.