Wernigerode l Vom Campus auf die große Bühne: Denn gerade erst hat Luise von Garnier ihr Studium beendet. Eine Woche vor der Premiere der Festspieloper „Faust“ hat die Solistin ihre Masterarbeit an der Musikhochschule Karlsruhe eingereicht.

Bei den 22. Wernigeröder Schlossfestspielen ist Luise von Garnier als Marthe Schwerdtlein in Charles Gounods Werk zu erleben. „Ein Rollendebüt für mich“, verrät sie. „Der ,Faust‘ ist bislang immer an mir vorbeigegangen.“

Ernste Oper mit lustigen Momenten

Während der größte Teil der Oper sehr tragisch ist, sorgt ihre Figur für Lacher beim Publikum. „Die Marthe ist ein sehr dankbarer Part, denn es steckt viel Komik in der Rolle“, sagt Luise von Garnier. Sie spielt Margaretes Nachbarin als raffinierte Schwerenöterin. Damit steht sie im Kontrast zu dem frommen, schlichten Mädchen Margarete, die sich an Nachbarin Marthe wendet, wenn sie den Rat einer Freundin sucht. Sie sieht in ihr auch eine Beschützerin. Dem Zuschauer erscheint Marthe als religiös und Frau.

„Viele Solisten debütieren mit dieser Rolle“, sagt die Mezzosopranistin. Die Figur sei eine relativ kleine Partie und gesangstechnisch nicht anspruchsvoll. Jedoch müsse man sich „schauspielerisch ins Zeug legen“, sagt Luise von Garnier. Schon als kleines Mädchen habe sie gern gesungen, erinnert sie sich – „am liebsten im Garten auf der Schaukel“.

Die Mezzospranistin beschloss bereits im Alter von elf Jahren, Gesangsunterricht zu nehmen. Als sie mit 16 Jahren ihren ersten Solo-Auftritt bei einer Schulaufführung meisterte, keimte in ihr der Wunsch auf, es beruflich als Sängerin zu versuchen. Nach dem Abitur widmete sie sich jedoch zunächst ihrer zweiten Leidenschaft und studierte Japanologie, während sie sich gleichzeitig auf ein Gesangsstudium vorbereitete. Dieses begann sie an der Berliner Universität der Künste. Auf der Bühne des Universitätstheaters sang sie im Juli 2014 die Fée Nulle/Lilian Nevermore aus Bohuslav Martinus Oper „Les Trois Souhaits“, außerdem war sie dort bereits als Dama in Verdis „Macbeth“ und Brangäne in Ausschnitten aus Wagners „Tristan und Isolde“ zu erleben.

Ihr großer Traum ist es, irgendwann einmal in Japan zu singen.

Angst, sich im Schlosskeller zu verirren

Als Preisträgerin des internationalen Guilio-Perotti-Gesangwettbewerbs 2015 begeisterte sie Jury und Publikum mit ihrem intensiven Ausdruck. Neben dem 3. Platz erhielt sie den Sonderpreis für die schönste Mezzosopranstimme.

Die Wernigeröder Schlossfestspiele empfindet Luise von Garnier als angenehme Mischung aus Arbeit und Freizeit. „Ich liebe Wälder und Berge“, sagt sie. Ihre große Angst, sich im Keller des Schlosses zu verlaufen und so ihren Auftritt zu verpassen, bewahrheitete sich bisher nicht. Respekt habe sie jedoch immer noch vor dem alten Gemäuer. „Es ist so dunkel in den Gängen“, sagt die Sängerin.

Nach den Wernigeröder Schlossfestspielen wird sie zur Spielzeit 2017/18 Mitglied im Opernstudio am Badischen Staatstheater in Karlsruhe.