Wernigerode l Auf dem Ochsenteich-Gelände haben in Kürze die Bauarbeiter das Sagen. Am Montag, 2. September, soll der Startschuss für den Bau der neuen Lokwerkstatt der Harzer Schmalspurbahnen fallen. Zunächst werde das Baufeld beräumt, erklärt HSB-Betriebsleiter Jörg Bauer im Volksstimme-Gespräch. „Der Auftrag für das erste Los ist vergeben.“

Darin eingeschlossen ist als zweiter Schritt der Einbau von Spundwänden. Diese sollen das Grundwasser fernhalten und der Baugrube, die im Anschluss ausgehoben werden soll, Stabilität verleihen. Im Vorfeld haben Fachplaner das hydrologisch schwierige Terrain untersucht, das unter anderem auch durch einen Bodenaustausch verfestigt werden soll. Vor allem soll eine „weiße Wanne“, also eine wasserundurchlässige Stahlbetonkonstruktion, der Werkstatthalle einen stabilen Untergrund bieten. „Dort werden schließlich erhebliche Massen auf den Untergrund einwirken“, so Bauer – die Dampfloks und die Maschinen, mit denen dort gearbeitet werden soll, sind tonnenschwer.

Die Spundwände, die an Ort und Stelle bleiben, werden in die Erde gerammt. „Die lärm-intensiven Arbeiten werden wir während der Herbstferien erledigen, damit wir den Schulbetrieb nicht zu sehr stören“, sagt Jörg Bauer mit Blick auf die benachbarten Schulen, die Diesterweg-Grundschule und die Thomas-Müntzer-Sekundarschule. Bis Weihnachten soll dieser erste Bauabschnitt abgeschlossen werden.

Ringstraße vom Kreisel

Nach dem Frost sollen im kommenden Jahr der Hochbau und zeitversetzt die Verkehrsanlagen folgen. „Im Frühjahr sollte beides fertig sein“, sagt Bauer – zumindest wenn alles nach Plan läuft. Über Straße und Schiene wird das Areal an den Verkehr angebunden, berichtet Bauer. Während eine städtische Straße das Gelände in der Mitte erschließen soll, lassen die HSB eine ringförmige Werksstraße bauen.

Autos und Lkw fahren dann vom Altstadtkreisel über den Heltauer Platz auf das Werkstattgelände und verlassen es in Höhe Zindelturnhalle. „Wir gehen davon aus, dass wir im unmittelbaren Innenstadtbereich keinen zusätzlichen Verkehr verursachen“, so Bauer. Während der Bauzeit werde es keine Verkehrseinschränkungen geben: Die Arbeiten finden ausschließlich auf dem eigenen Gelände statt. Während die Baugrube ausgehoben wird, sei aber mit stärkerem Baustellenverkehr zu rechnen.

Die Kosten für das Projekt haben die HSB gedeckelt. Mehr als 10,5 Millionen Euro sollen es nicht werden. Ob es dabei bleibt, müsse man abwarten. Zumindest beim ersten Los wurde der Kostenrahmen gehalten. „Es gab glücklicherweise mehrere Bewerbungen“, sagt Bauer – und keiner der unterlegenen Bieter habe Einspruch erhoben. Ob dies bei den folgenden Bauabschnitten ebenfalls gelingt, werde sich zeigen.

Ausgeschrieben werden der Hochbau, die Verkehrsanlagen und die maschinentechnische Ausstattung. Zuvor noch werden die Aufträge für die Großgeräte vergeben. Mit der zirka zehn Meter hohen Krananlage sollen die Loks oder Teile davon emporgehoben werden. „Diese Anlage ist mit der Halle verbunden“, so Bauer. Wenn man die Maße nicht vorher kenne und beim Hallenbau einplane, müsse man später umplanen, was Mehrkosten verursache.

Angebote bis Weihnachten

Ebenso werden die zwölf Meter langen Hubgleise, die fest mit dem Fundament verbunden werden, sowie die 30 Quadratmeter große Lackierungs- und Reinigungskabine vorab ausgeschrieben. Die Entscheidung ist gefallen, sagt Bauer. Wenn bis Ende des Monats keine Einsprüche eingehen, können die Aufträge vergeben werden. „Dann kann die Planung des Hochbaus abgeschlossen werden“, so Bauer. Die Ausschreibung folge, sodass bis Weihnachten Angebote vorliegen können.

In der Lokwerkstatt können künftig die Loks der HSB in ihre rund 4000 Bestandteile zerlegt und defekte Teile aufgearbeitet werden. Dann könne man Arbeiten erledigen, die bisher an das Dampflokwerk Meiningen vergeben wurden. Mangels Kapazität stauten sich dort die Aufträge – ein Grund für das aktuelle Bauprojekt. Man habe lange gebraucht, um sich dazu durchzuringen, sagt Jörg Bauer. „Das fällt uns gewissermaßen jetzt auf die Füße.“ Der Mangel an Dampfloks werde trotz Werkstattbau weiter Thema sein. „Man darf nicht glauben, dass im Sommer 2021 alle Probleme gelöst sein werden“, warnt der Betriebsleiter.

Die Werkstatt müsse erst in Gang kommen. Deshalb habe man bereits Personal eingestellt, dass sich auf den Einsatz vorbereitet. „Den Dampflokschlosser gibt es nicht auf dem Arbeitsmarkt.“ Zehn bis 20 Mitarbeiter sollen am Ochsenteich und im bisherigen Bahnbetriebswerk arbeiten. Manches werde man aber weiter nach Thüringen abgeben.