Wernigerode l Auf dem Ochsenteich-Gelände entsteht eine moderne Lokwerkstatt. Neugierige Passanten können dem Koloss in diesem Tagen regelrecht beim Wachsen zusehen. Ein Grundpfeiler nach dem nächsten wurde in die Erde gesetzt. Inzwischen sind es 22 an der Zahl, die das Skelett der künftigen Werkstatt bilden.

Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) investiert 10,5 Millionen Euro in den Bau. Für die Gesellschaft mit Sitz in Wernigerode ist das Projekt zukunftsweisend. Ziel ist es nämlich, die historischen Dampfloks künftig in der eigenen Werkstatt zu untersuchen. Bislang wurden die Lokomotiven in der Dampflokwerkstatt im thüringischen Meiningen gewartet. Doch das wurde mit der Zeit immer kostenintensiver. Von der Investition erhofft man sich in der Chefetage der HSB nun Kosten- und Zeitersparnis sowie eine gewisse Unabhängigkeit bei den Untersuchungen der Loks aus den Baujahren 1897 bis 1956. Als Bonus können sich die Eisenbahnenthusiasten auf eine Besucherplattform freuen, von der aus die Wartungsarbeiten beobachtet werden können.

Guter Baufortschritt durch milden Winter

Aber das ist noch Zukunftsmusik – auch wenn die Arbeiten gerade in vollem Gange sind. „Wir liegen absolut im Zeitplan“, informiert HSB-Sprecher Dirk Bahnsen im Gespräch mit der Volksstimme. „Und wir hoffen, dass es so bleibt.“ Ende Januar sei mit der Einrichtung der Baustelle begonnen worden. „Wir hatten mit dem Wetter Glück. Es war ein milder Winter.“ Vor einigen Wochen starteten dann die Arbeiten am Rohbau. Damit das Grundwasser die Baustelle nicht flutet, waren zuvor Spundwände gesetzt worden. „Da hatten wir mit dem Schlimmsten gerechnet, weil der Grundwasserspiegel auf dem Gelände sehr hoch liegt. Aber bisher hat alles gut gehalten.“

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Wenn alles nach Plan läuft, soll die Gebäudehülle im August stehen, so Bahnsen. Danach beginnt die Fassadengestaltung. „Wir wollen die Werkhalle von außen optisch aufpeppen.“ Im November sollen die Arbeiten am Gebäude samt Aussichtsplattform und Nebengebäuden abgeschlossen sein. „Dann verlegen wir die drei Gleise, die in die Halle führen, und gestalten Anfang 2021 das Innenleben der Werkstatt.“

Natürlich wirke sich die Corona-Krise auf die Bauarbeiten aus. „Es waren planmäßig eigentlich mehr Kollegen auf der Baustelle vorgesehen. Schließlich müssen wir auch auf dem Bau auf den Sicherheitsabstand achten.“ Auch die Zulieferung und die Zusammenarbeit mit den Behörden sei wegen der Virus-Krise „leicht“ eingeschränkt. „Aber noch völlig unkritisch“, so Dirk Bahnsen.

Keine Einnahmen durch Fahrstopp

Hinzu kommen die Verluste des Unternehmens durch den Fahrstopp seit Mitte März. „Wir haben gerade keine Einnahmen“, so der Sprecher. „Doch wir sind optimistisch.“ Es sollen weitere Aufträge für den Fortlauf der Bauarbeiten ausgelöst werden.

Bis im Jahr 2022 in Wernigerode die ersten Dampflokomotiven untersucht werden können, ist es so oder so noch ein langer Weg. „Wir müssen die entsprechenden Maschinen besorgen und die Kollegen ausbilden. Schließlich machen wir dann etwas, was wir vorher nicht gemacht haben.“

Für die HSB sei die gläserne Werkstatt ein „Mammut-Projekt“, schätzt Dirk Bahnsen ein. „Es ist das größte Bauprojekt in der Geschichte des Unternehmens, und darauf sind wir sehr stolz.“