Wernigerode l Wann der Tunnel durch den Fenstermacherberg Realität wird, kann und will Stefan Hörold nicht sagen. „Das wäre unseriös“, so der Chef der Landesstraßenbaubehörde in Halberstadt. Allein bis zur Erlangung des Baurechts für die Ortsumfahrung werde es noch Jahre dauern.

Dennoch haben Hörold und sein Mitarbeiter Arno Manthey gute Nachrichten für die Wernigeröder. Die Planungen für das 93-Millionen-Euro-Projekt könnten im Mai starten. „Wir haben im August 2017 mit dem EU-weiten Verfahren für die Vergabe der Planungsleistungen begonnen und sind auf einem guten Weg“, informiert Hörold. Es gebe eine „entsprechende Anzahl“ von Bewerbungen, „so dass wir auswählen können“. Wenn sich keine weiteren Konflikte ergeben, könne am 30. April der Zuschlag erteilt werden.

Jahrelanger Kampf der Bürgerinitiative

„Unser Ziel ist es, in drei Jahren das Raumordnungsverfahren mit der Vorzugsvariante einer Linie abzuschließen“, sagt Hörold. Das heißt, am Ende des Raumordnungsverfahrens soll feststehen, auf welcher Trassenführung die Ortsumfahrung der B 244 im Mühlental auf die vierspurigen B 6 trifft. Danach würde sich die Entwurfsplanung anschließen.

Noch ein langer Weg, aber durchaus ein Lichtblick für die Mitglieder der Bürgerinitia­tive „B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr“. Seit Jahren kämpfen sie mit Brigitte Tannert an der Spitze um eine Entlastung vom Brummiverkehr auf der Bundesstraße, die sich auf fast acht Kilometern durch Wernigerode schlängelt – vorbei an denkmalgeschützten Fachwerkhäusern, an Schulen, einem Krankenhaus, einem Friedhof, Altenheimen, Hotels und Pensionen. Die Folge sind Lärm, Dreck, Schäden an der Jahrhunderte alten Bausubstanz und entnervte Anwohner entlang der Strecke.

Lange tat sich nichts, die Bürgerinitiative musste viele Rückschläge einstecken. Brigitte Tannert und ihre Mitstreiter ließen sich nicht entmutigen und trommelten weiter für die langersehnte Ortsumfahrung. Ihre Bemühungen wurden 2016 von Erfolg gekrönt. Das Projekt wurde im aktuellen Bundesverkehrsplan in den „vordringlichen Bedarf“ eingestuft und genießt damit Priorität. Bauherr wäre der Bund, die Vorplanungen übernimmt das Land Sachsen-Anhalt.

„Wir sind mit dem Fortschritt zufrieden“, sagt Brigitte Tannert zu den Ausführungen von Stefan Hörold. „Die einzelnen Planungsschritte sind festgesetzt, sie laufen hintereinander ab.“ Für die nächsten drei Jahre sei ein Zeitplan abgesteckt.

Verkehrsentlastung ist notwendig

Auch Baudezernent Burkhard Rudo zeigt sich erfreut darüber, dass das Projekt „Fahrt aufgenommen“ hat. Die Stadt Wernigerode habe „außerordentlich großes Interesse“ an der Realisierung der Ortsumfahrung, so Rudo. Wernigerode brauche die Verkehrsentlastung. Zum Tunnel durch den Fenstermacherberg gebe es „nicht so viele“ Alternativen, so Rudo. „Das ist die geeignete Variante.“ Die Stadt wolle sich „als Träger öffentlicher Belange“ in das Vorhaben einbringen, „in Gesprächen, Diskussionen, Erörterungen“.

Übrigens: Einen Kontakt von Seiten der Astberg-Investorengruppe hat es nicht gegeben, informiert Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde. Zum Skihallenprojekt im Wernigeröder Mühlental an der Bundesstraße 244 mit Abfahrtshang, Sprungschanzen, Loipen, Bobbahn, Hotel und Aussichtsturm gehörte auch ein B 6-Zubringer mit Tunnel. Das Astberg-Vorhaben ist inzwischen für Wernigerode gestorben.