Wernigerode l Die Auslastung der städtischen Schwimmhalle ist an ihre Grenzen gestoßen. „Nur ein Bruchteil der benötigten Plätze für Angebote kann noch realisiert werden. Das schürt mittlerweile Unmut und Unzufriedenheit in der Bevölkerung“, berichtete Ralf Schult am Montagabend im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport des Stadtrates. Der Chef der Wernigeröder Badeanlagen war gekommen, um den Mitgliedern die Jahresbilanz 2018 vorzustellen, auf Probleme aufmerksam zu machen und die Vorhaben für 2019 vorzustellen.

Die prekäre Lage in der Schwimmhalle in der Weinbergstraße habe dazu geführt, dass die Stadt keine neuen Hallenzeiten an Vereine oder externe Nutzer vergeben kann. Hinzu kommt, dass Schwimmvereine ihre Trainingszeiten verkürzten und keine Mitglieder mehr aufnehmen. Die Stadtverwaltung selbst kann ihre Angebote nicht dem Bedarf anpassen.

Leidtragende sind beispielsweise Schwimmanfänger, die die Seepferdchen-Prüfung ablegen möchten. „Drei Jahre warten Eltern mittlerweile auf einen Schwimmlernkurs für ihr Kind“, sagte Ralf Schult. Im Vorjahr richtete die Stadt zwar sechs Anfängerschwimmlehrgänge mit insgesamt 55 Mädchen und Jungen aus, doch das reichte bei weitem nicht, um die lange Warteliste abzuarbeiten. Im Trend steigend, so Ralf Schult weiter, sei das Säuglingsschwimmen.

„Gern würden wir in diesem Bereich mehr Wünsche der jungen Mütter und Väter erfüllen.“ In diesem Zusammenhang machte der Leiter der Badeanlage erneut auf eine Alternative aufmerksam, die Abhilfe schaffen könnte.

Vision vom Lehrschwimmbecken

Die Rede ist von einem Anbau mit einem sogenannten Vario-Lehrschwimmbecken. In dem zehn Mal zehn Meter großen Becken mit verstellbarer Bodentiefe könnten Babyschwimmen, Schwimmlernkurse und Wassergymnastik stattfinden. Das Geld für einen Planungsentwurf sei jedoch wegen des Sparzwangs der Stadt aus dem Haushaltsplan für 2020 ersatzlos gestrichen worden, sagte Schult, der gleichzeitig versicherte: „Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf und halte an dieser Vision fest.“

Ansonsten hatte der Chef der Badeanlagen überwiegend Positives zu berichten. In der Schwimmhalle und im Waldhofbad wurden im Vorjahr insgesamt 105.377 Besucher registriert. Der Hitzesommer sorgte für einen Rekord im Freibad mit 36.454 Besuchern. Die Gästezahl in der Schwimmhalle von insgesamt 68.923 unterteilte sich in etwa 29.697 öffentliches Baden, 16.726 Vereinsschwimmen und 22.500 Schulschwimmen.

Etwas negativ wurde die Besucherzahl der Schwimmhalle durch die zweimalige Schließung des Saunabereiches beeinflusst. Zum einen für die Generalerneuerung der Anlagen, zum anderen wegen einer Havarie im Herbst. „Durchweg gab es nach der Wiedereröffnung nur gute Kritiken“, fügte Ralf Schult hinzu.

Rekordsommer im Waldhofbad?

Bei der finanziellen Betrachtung, bei der Schult jedoch die Zahlen von 2017 zurate zog, weil die vom Vorjahr noch nicht vorliegen, erreiche die Schwimmhalle einen Kostendeckungsgrad (KDG) von rund 43,8 Prozent, „was bundesweit gut ist“. Den höchsten wirtschaftlichen Anteil habe der Schwimmunterricht für Schulen, die nicht in Trägerschaft der Stadt Wernigerode sind. Hier liege der KDG bei fast 72 Prozent. Hingegen habe das Waldhofbad einen Grad von 13,3 Prozent erreicht, „was aber mit dem damals verregneten Sommer zusammenhängt“. Deshalb ist der Chef der Badeanlagen auf das Ergebnis gespannt, wenn die Zahlen vom Hitzesommer 2018 ins Verhältnis gesetzt werden.

Zur größten Investition in die städtische Schwimmhalle 2018 gehörte die Inbetriebnahme einer Lüftungsanlage, Kostenpunkt rund 120.000 Euro. Außerdem wurden die Deckenlampen auf LED-Technik umgerüstet. „In diesem Jahr soll während der Schließzeit im Sommer die Filteranlage saniert werden“, sagte Schult.

Eintrittspreise in Schwimmbädern steigen

Im Waldhofbad seien derzeit keine Investitionen geplant. 2018 wurde im Schaukelbereich der Sand entfernt und dafür Fallschutzmatten ausgelegt. Außerdem wurden zwei neue Sprungbretter gekauft.

Und dann gibt es noch eine Neuerung: Die Entgeltordnung für Freibad und Schwimmhalle wird gegenwärtig überarbeitet. Die alte stammt aus 2010, „mittlerweile sind einige Dienstleistungen hinzugekommen, andere weggefallen“, sagte Ralf Schult. Am Ende soll die neue Ordnung den jetzigen Gegebenheiten angepasst sein, mit der Folge, dass sich die Gebühren für die Nutzung erhöhen. Die Steigerung soll zwischen 50 Cent und einem Euro liegen.

Wie Amtsleiterin Silvia Lisowski in der Sitzung des Kulturausschusses dazu ergänzte, handelt es bei der Erarbeitung der neuen Ordnung zunächst um eine Diskussionsgrundlage, die nach ausführlicher Beratung dann vom Stadtrat beschlossen werden muss.