Wernigerode l Mehr Komfort für die Bewohner, deutlich mehr Einzelzimmer und moderne Bäder: All das wird jetzt nach vielen Jahren des Überlegens und der Planung Wirklichkeit für die Bewohner des Seniorenzentrums Stadtfeld. Das Heim, in dem 151 ältere Menschen leben, wird vom Träger, der Gemeinnützigen Gesellschaft für Sozialeinrichtungen Wernigerode (GSW), in zwei Schritten modernisiert. „Zuerst wird ein Neubau geschaffen“, erläutert Sandra Lewerenz, die Geschäftsführerin der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Stadt Wernigerode.

Startschuss für Arbeiten fällt Anfang Mai

Der Startschuss für das Projekt falle Anfang Mai. 4,6 Millionen Euro werden investiert, so Lewerenz. Geplant seien ein Zweigeschosser, der mit dem bestehenden Heimgebäude verbunden wird, sowie ein Flachbau, den perspektivisch die Stadt Wernigerode nutzen soll. „Das Familienzentrum hat die Planung schon seit Langem eng begleitet“, sagt Sandra Lewerenz. Auch der Kinderschutzbund Harz könnte die Räume mitnutzen. Auf Grundlage eines Mietverhältnisses werde so eine Win-Win-Situation geschaffen. „Das Familienzentrum ist sowieso regelmäßig in unseren Räumen und bereitet den Senioren wirklich tolle gemeinsame Stunden“, sagt Heimleiterin Sieglinde Golz wertschätzend.

Der Zweigeschosser werde derweil nicht dafür geschaffen, um mehr Senioren zu betreuen. „Der Anbau ist keine Erweiterung“, unterstreicht Sandra Lewerenz. „Er dient der Wohnumfeldverbesserung. Unsere Bewohner erhalten pro Kopf deutlich mehr Platz und Komfort.“

Geleitet wurde die Planung von der Frage, wie heutige jüngere Generationen, beispielsweise die Angehörigen, einmal ihren Lebensabend im Heim verbringen möchten. Neben einem gewissen Wohnstandard und einem größeren Platzbedarf spielen moderne Kommunikationswege eine wichtige Rolle. „Gut, dass in direkter Umgebung ein Glasfaserkabel liegt“, sagt Andreas Sack, der als Geschäftsführer des Kabelnetzbetreibers Heuer und Sack die Arbeiten unterstützt. Zu den Plänen gehört auch eine umfangreiche technische Aufrüstung der Kommunikationstechnik“, verrät er. „Die derzeitigen Kontaktbeschränkungen zeigen eindrucksvoll, dass auch für alte Menschen moderne Kommunikationsmittel immer wichtiger werden, um einen guten sozialen Kontakt der Heimbewohner zu ihren Angehörigen zu ermöglichen.“ Frei zugängliches W-Lan sei für die Bewohner von morgen mit ihren Smartphones und Fitnessuhren eine Selbstverständlichkeit und werde deshalb mitbedacht. „Ich könnte mir sogar einen Raum zur Videotelefonie vorstellen, mit großem Bildschirm“, sagt er. Das sei nicht nur in Corona-Zeiten ein großes Plus, sondern auch ansonsten für Verwandte ideal, die in großer Entfernung leben und dennoch den Kontakt zu ihren älteren Angehörigen suchen.

Neubau soll nach einem Jahr bezugsfertig sein

„Jetzt ist es an der Zeit, das alles in die Wege zu leiten“, ist Sandra Lewerenz überzeugt. Zudem würden sich bei den gesetzlichen Vorschriften Änderungen anbahnen, berichtet sie. So werde demnächst eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent gefordert.

Binnen eines Jahres, so Architekt Axel Ungethüm, soll der Neubau bezugsfertig sein. Dort könne er für unterschiedliche Zwecke, je nach Ansprüchen der Bewohner, genutzt werden. Derzeit sei vorgesehen, beste Bedingungen für 24 demenzkranke Senioren zu schaffen. „Wir können uns aber auch eine Intensivpflege und einen Wohnbereich für besonders fitte und aktive Senioren, die noch sehr selbstständig sind, vorstellen“, sagt Sandra Lewerenz.

„Das Seniorenzentrum Stadtfeld hat mit seiner Bewohnerzahl das richtige Volumen, um bestimmte Konzepte umzusetzen und zu testen“, sagt sie. Ist der Neubau Mitte 2021 fertiggestellt, beginnt die zweite heiße Phase. Unter anderem sollen die bestehenden Zweibettzimmer in Einbettzimmer umgewandelt und sämtliche Bäder grundlegend erneuert werden. „Wir hatten in der Vergangenheit immer so eine gute Belegung, dass wir uns da nicht rangetraut haben. Die Bewohner ziehen dann im nächsten Jahr in den Neubau, und wir können im Altbau mit den Arbeiten beginnen.“

Nach deren Abschluss im Jahr 2022 werde das Seniorenzentrum Stadtfeld in punkto Komfort und Betreuungsstandards auf dem neuesten Stand sein, so die GSW-Geschäftsführerin. Mit dem Start für das Projekt wolle man zugleich ein positives Signal für die ortsansässige Wirtschaft aussenden, die unter der Corona-Krise zu leiden habe. „Dieses Vorhaben bedeutet Arbeit und Aufträge für zahlreiche Unternehmen aus der Region. Das ist uns gerade jetzt besonders wichtig“, betont Sandra Lewerenz.

Hintergrund: Schon ihre Vorgängerin, Regina Wetzstein, hatte sich mit einem Anbau am Seniorenzentrum Stadtfeld auseinandergesetzt. „Deshalb wurde das Land neben dem Seniorenzentrum vor vielen Jahren gekauft“, sagt Axel Ungethüm, der schon etliche Bauprojekte für die GSW entworfen und geleitet hat. Seit 2006 wird konkret über die Sanierung der Einrichtung gesprochen. Vor zwei Jahren wurde eine Feuerschutztreppe für eine Million Euro an das Gebäude gebaut. Seit einem Jahr laufen die konkreten Planungen für das Großprojekt.