Hochwasserhilfe

So haben Helfer aus Nordharz und Ilsenburg Einsatz im Flutgebiet an der Ahr erlebt

Harzer Feuerwehren haben im Katastrophengbiet in Rheinland-Pfalz gegen die Flutfolgen gekämpft. Helfer aus Ilsenburg und dem Nordharz berichten über ihre Einsätze.

Von Jörg Niemann
Aufräumen und Müll aus den Häusern bringen war die Hauptaufgaben der Harzer Feuerwehrleute an der Ahr. Hier der Stapelburger Leonhard Fuchs beim Entleeren eines Müllbehälters.
Aufräumen und Müll aus den Häusern bringen war die Hauptaufgaben der Harzer Feuerwehrleute an der Ahr. Hier der Stapelburger Leonhard Fuchs beim Entleeren eines Müllbehälters. Foto: Freiwillige Feuerwehr Stapelburg

Ilsenburg - „Ich bin 61 Jahre alt, habe in all den Jahren bei der Feuerwehr viel erlebt – aber so etwas noch nicht“, sagt der Ilsenburger Dittmar Kalo, Zugführer der „schnellen Eingreiftruppe“ der Harzer Feuerwehren. Mit 87 weiteren Männern und zwei Frauen war er bis zum Donnerstag, 22. Juli, im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz und hat dort Dinge gesehen, die er so schnell nicht vergessen wird.

Die Einsatztruppe, deren drei Züge teilweise getrennt voneinander arbeiteten, wurden an den unterschiedlichsten Stellen zum Einsatz gebracht. „Es waren Orte dabei, die selbst mehrere Tage nach der Flut noch von keinem Helfer erreicht werden konnten. Deshalb warnten uns die Mitarbeiter im Krisenstab vor wütenden Menschen und unkontrolliert herumlaufenden Tieren“, berichtet Stapelburgs Vize-Ortswehrleiter Ken Böthel.

Dankbarkeit bei Flutopfern in Rheinland-Pfalz

Erlebt hätten er und seine Kameraden aber das komplette Gegenteil. „Die Menschen waren sehr dankbar und wollten sich sogar mit Geld revanchieren“, sagt der Nordharzer und verweist darauf, dass kein Geld angenommen wurde.

Bei weiteren Einsätzen – die Harzer waren an jedem Tag in einem anderen Gebiet – sagten die Brandschützer allerdings nicht nein. So zum Beispiel in Ahrweiler, als das Team eines Zwei-Sterne-Restaurants die Helfer vor Ort verpflegte. „Das Restaurant war ebenfalls voll von den Fluten betroffen. Aber irgendwie gelang es den Mitarbeitern noch etwas zum Essen zu zaubern“, erinnert sich Fabian Deißner aus Stapelburg.

Sein Kollege Leonhard Fuchs berichtete von einer Begegnung, die mit der Harzer Heimat in Verbindung stand. „Noch am ersten Abend wurden wir zu einer Suche eingesetzt. Während wir durch einen völlig zerstörten Ort liefen, sprach uns ein Mann an, der an unseren Autos den Schriftzug Wernigerode gelesen hatte. Er berichtete, dass seine Großeltern in der Harz-Stadt leben würden. Leider hat sich niemand den Namen des Mannes gemerkt, aber ich hoffe, dass seine Großeltern inzwischen mit ihm in Kontakt getreten sind“, so Leonhard.

Und der Einsatz der Harzer Helfer ist sogar bis in den Südzipfel Europas gedrungen. „In einem Ort räumten wir mit anderen Helfern Keller und Häuser leer. Darunter war auch das Restaurant eines Griechen. Er hat sich so gefreut, dass er uns fragte, ob wir uns mit ihm fotografieren lassen, damit er seinen Familienangehörigen in Griechenland ein Foto schicken kann. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt“, sagt Ken Böthel.

Bewegende Schicksale gehen Feuerwehrleuten nahe

Die kleinen Erlebnisse während des Einsatzes konnten allerdings das Grauen der Katastrophe nicht überdecken. So waren die Harzer Feuerwehrleute auf einem überfluteten Friedhof tätig, auf dem das Wasser bereits Bestattete wieder freigespült hatte. Auch Berichte von Betroffenen, die in den hereinstürzenden Fluten höchstwahrscheinlich Mitglieder ihrer Familie verloren haben, ging den Kameraden sehr nah.

Direkt mit Todesopfern hatten die Harzer nicht zu tun. Sie trafen vielmehr auf Menschen, die zum Teil alles verloren hatten, sich aber dennoch nicht unterkriegen lassen wollen und in der Not noch anderen halfen. „Wir wurden an der Ahr mit vielem konfrontiert. Aber die große Dankbarkeit der Menschen hat uns gezeigt, dass wir als Feuerwehrleute das Richtige tun. Ich glaube für alle sprechen zu können, dass wir auch künftig wieder zu solchen Einsätzen fahren würden“, so Ken Böthel.