Oper

So trotzt Carmen auf Wernigerodes Schloss Corona

Zwei Jahre Warten in Wernigerode haben ein Ende: Mit „Carmen“ meldet sich die Oper der Schlossfestspiele nach einer Corona-Zwangspause zurück.

Von Holger Manigk und Sandra Reulecke
Endlich wieder Oper auf Wernigerodes Schlosshof: Carmen (Johanna Brault) verführt  Don José (Guillermo Valdés).
Endlich wieder Oper auf Wernigerodes Schlosshof: Carmen (Johanna Brault) verführt Don José (Guillermo Valdés). Foto: Sandra Reulecke

Wernigerode - Die Sorgen von Oliver Klöter vor der Premiere waren unbegründet: Der Regisseur der Schlossfestspiele-Oper „La Tragédie de Carmen“ hatte befürchtet, „dass die Energie nicht von der Bühne auf das Publikum überspringt“. Weil wegen Corona nur gut 80 statt der üblichen 300 Zuschauer und -hörer auf Wernigerodes Schlosshof zugelassen waren. „Aber das war kein Problem, es hat wunderbar funktioniert“, so der studierte Musiktheater- und Filmregisseur nach 80 dramatischen Minuten ohne Pause.

Diese Zeit scheint für die Zuschauern – weiter auseinander sitzend als üblich – wie im Fluge vergangen zu sein. Zwischendurch wanderten nach ein paar Regentropfen einige bange Blicke nach oben. Doch ansonsten zogen die Künstler um Johanna Brault in der Hauptrolle und Guillermo Valdés als Don José das Publikum in ihren Bann.

Ganz anders als sonst bei Schlossfestspielen

Nachdem auch die Hauptfigur erstochen auf der Bühne lag – der vierte Mord in nicht einmal anderthalb Stunden, spendete das Publikum minutenlangen Applaus und vereinzelte Bravo-Rufe für die vier Sänger, drei Schauspieler und das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode um Dirigent Christian Fitzner.

Stadtwerke-Chef Steffen Meinecke zählte zu den Gästen der Premiere-Vorstellung. „Es war ganz anders als sonst: kurzgefasst, kleines Orchester, weniger Personen, aber sehr gut“, resümierte er. „Am Beifall hat man gemerkt, wie gut es angekommen ist.“

Voll des Lobes war auch das Ehepaar Rau aus Wernigerode. „Es war wunderschön. Wir sind regelmäßig bei den Schlossfestspielen und es ist jedes Mal gut, aber dieses Mal war es etwas Besonderes“, schwärmte Sylvia Rau. „Mal eine ganz andere Fassung von Carmen, exzellent umgesetzt. Alle vier Sänger wahren einfach supergenial“, ergänzt ihr Mann, der Mediziner Olrik Rau.

Erleichterung und Stolz waren Orchester-Chef Fitzner ins Gesicht geschrieben, als die letzten Töne verklangen. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagte er. Sogar mehr als üblich nach einer Premiere. Verriet der Dirigent noch bei den Schlossfestspielen 2018, dass Premieren eigentlich immer „etwas verkrampft und überspannt seien“, könne er diese Aussage im Fall von „Carmen“ nicht bestätigen.

Solisten kehren nach Wernigerode zurück

„Man hat gespürt, wie sehr sich die Sänger und Schauspieler gefreut haben, endlich wieder auf einer Bühne zu stehen“, so Fitzner. „Die Chemie unter ihnen stimmt einfach.“ Und er kündigte an, dass die vier Sänger schon bald nach Wernigerode zurückkehren werden. „Sie werden an Silvester im neuen Konzertsaal singen.“ Die Absprachen dafür seien bereits getroffen worden.

Das Quartett sollte ursprünglich bereits 2020 bei den Schlossfestspielen für Furore sorgen. Doch wegen der Pandemie musste die Opernaufführung auf die 26. Auflage des Klassik-Festivals in diesem Sommer verschoben werden. Die drei Schauspieler Alexander Kruuse Mettin, Gerd Lukas Storzer und Jörg Schulze-Neuhoff erhielten dagegen erst in diesem Jahr ihre Rollen als Leutnant Zuniga, Kneiper Lillas Pastia und Garcia.

George Bizets Oper „La Tragédie de Carmen“ in der komprimierten Fassung des britischen Regisseurs Peter Brook wird der Woche ab Montag, 9. August, täglich auf dem Schlosshof aufgeführt. Die sechs Vorstellungen bis zum Sonnabend, 14. August, beginnen jeweils um 20 Uhr. Als Ausweichspielstätte bei schlechtem Wetter dient der Fürstliche Marstall am Lustgarten.