Wernigerode l Die Idee steht nach wie vor im Raum: Autos sollen im Schritttempo durch die untere Breite Straße rollen. Ganz konkret im Abschnitt zwischen Ringstraße und Pfarrstraße, so der Vorschlag von Matthias Winkelmann. Im Wernigeröder Rathaus setzt man sich gerade intensiv mit der Anfrage des CDU-Stadtrats auseinander. Bereits etwas Aufschluss hat laut Ordnungsamtschefin Anja Münzberg eine neue Verkehrszählung ergeben. Der Verkehrsfluss habe sich habe sich um 40 Prozent verringert. 2014 waren es noch 3500 Autos, die täglich im Schnitt durch die untere Breite Straße fuhren. „Wir werden das auswerten“, so Münzberg.

Die untere Breite Straße ist die „Haupteinflugschneise“ für Touristen, die vom Anger über die Fußgängerzone zum Markt unterwegs sind. Auch für den Autoverkehr ist der Abschnitt zwischen Ringstraße und Stadtecke von Bedeutung, weil sie zentral aus der Altstadt herausführt. Auch deshalb wird immer wieder über verbesserte Bedingungen für alle Verkehrsteilnehmer diskutiert. Vor zwei Jahren hat der Ausbau des Abschnitts begonnen. 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ziel ist, den Fußgängern mehr Raum zu schaffen und den Verkehr zu reduzieren. Beides sind Schlussfolgerungen aus dem Verkehrskonzept 2014.

Die Erstellung des Konzepts habe man damals an ein externes Büro aus Hannover vergeben, blickte Stadtplaner Michael Zagrodnik in der Sitzung des Ordnungsausschusses zurück. „Wir wollten den Blick von außen“, so Zagrodnik. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wenn wir etwas verändern, das an Stellen Auswirkungen haben kann, denen wir keine Beachtung geschenkt haben.“

Größte Auswirkungen durch Fußgängerzone

Für die untere Breite Straße wurden mehrere Modelle geprüft. Eine Fußgängerzone hätte die größten Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr gehabt. Auch die Möglichkeit einer verkehrsberuhigten Zone, in der Schritttempo für Autos gilt, sei von den Experten untersucht worden. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass mehr Konflikte entstehen, wenn alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind“, so Zagrodnik. Deshalb habe man sich vor fünf Jahren für die Variante des verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs entschieden – mit breiteren Fußwegen und Tempo 20 für Autofahrer.

„Das war 2014, als wir das diskutiert haben“, meldete sich Matthias Winkelmann zu Wort. Die Zeit habe sich gewandelt – auch was Verkehrsströme und den Fußgängerverkehr betrifft. Zudem leide der Einzelhandel darunter, dass immer mehr Leute ihre Einkäufe online tätigen. „Der Handel hat zu kämpfen“ so Winkelmann, der selbst als Goldschmiedemeister mit einem Geschäft in der unteren Breiten Straße ansässig ist. „Wir müssen als Stadt überlegen, wie wir verhindern, dass die Ausfallstraßen absterben.“

Mehr Lebensqualität für Wernigeröder?

Darüber hinaus gehe es ihm um mehr Lebensqualität für das innerstädtische Wohnen und die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Städten, so Winkelmann. „Man muss sich auch mal von Dingen verabschieden, die man vor sechs Jahren so gesehen hat.“

Die Änderung von Verkehrsschildern ist allerdings nicht Sache der Stadträte, sondern der Verwaltung. Das haben die Rathausmitarbeiter schon vorab klargemacht. Winkelmanns Anfrage werde geprüft und „umfassend und fachlich korrekt“ beantwortet, so Anja Münzberg. „Ob unsere Antwort dann für alle zufriedenstellend ist, sei dahin gestellt.“