Kruskastraße

Stadt Wernigerode plant weiter Brückenabriss trotz Klage

Der Streit um die Kruskabrücke in Wernigerode geht weiter: Der CDU-Chef im Stadtrat zeigt den Sprecher einer Bürgerinitiative an, die gegen den Abriss des Bauwerks klagt.

Von Ivonne Sielaff und Holger Manigk
Der geplante Abriss der Kruskabrücke über die Holtemme sorgt für reichlich Zündstoff in Wernigerode.
Der geplante Abriss der Kruskabrücke über die Holtemme sorgt für reichlich Zündstoff in Wernigerode. Symbolfoto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - „Wir haben bislang keinen Grund, uns in unseren Schildkrötenpanzer zu verziehen“, sagt Immo Kramer, Wernigerodes Dezernent für Stadtentwicklung. Soll heißen, die Planungen für den Abriss der Brücke in der Kruskastraße gehen weiter – trotz der Klage der Bürgerinitiative Kruskabrücke.

Diese sei Anfang der Woche beim Verwaltungsgericht Magdeburg eingereicht worden, informiert Winfried Borchert, Sprecher der Initiative. Mit der Klage wehren sich einige Wernigeröder gegen den geplanten Abriss. Ihrer Ansicht nach ist der damit verbundene Einzug des Straßenbereichs gesetzeswidrig, weil keine Gründe des öffentlichen Wohls vorlägen.

Der Stadtrat hatte dem Abriss der Brücke und dem Einzug des Straßenbereiches zugestimmt, um Hochwassergefahr im Wohnquartier zu minimieren. Die Brücke liegt erwiesenermaßen zu tief im Flussbett der Holtemme. Das Argument des Hochwasserschutzes ist aus Sicht der Initiative nicht stichhaltig. „Dass eine kurzfristige Überschwemmung des eigenen Grundstücks oder des Kellers sehr beschwerlich ist, wissen die Anwohner aus eigener Erfahrung“, hieß es in der Erklärung. „Diese Beschwernisse sind allenfalls kurzfristig und rechtfertigen nicht den dauerhaften Verlust der Brücke.“

Verwaltung will über Perspektive an Holtemme sprechen

Die Klageschrift liege noch nicht im Rathaus vor. „Daher ist alles Weitere ein Blick in die Glaskugel“, heißt es von Dezernent Kramer. Die Brücke sei ein „heißes Thema“. „Unsere Juristen sind aber der festen Überzeugung, dass die Klage keine aufschiebende Wirkung hat.“ Man müsse jedoch abwarten, wie der Wortlaut der Klageschrift sei. „Fakt ist, wir haben einen klaren Auftrag vom Stadtrat“, so Kramer. „Die Klage hält uns nicht davon ab, die Planungsleistungen weiter voranzutreiben. Und auch nicht, über Perspektiven für einen Ersatzbau zu sprechen.“ Die sind aus seiner Sicht auch für die Bürgerinitiative wichtig. „Bevor die Bauleistungen ausgeschrieben werden und Geld gebunden wird, muss allerdings Klarheit herrschen“, so der Dezernent weiter. Der Abriss der Kruskabrücke war bislang für September geplant.

Unterdessen hat Matthias Winkelmann, CDU-Fraktionschef im Stadtrat, bei der Polizei Anzeige gegen Borchert erstattet. Grund sind ein Flugblatt und die Mitteilung der Initiative: Darin wirft der Sprecher ihm Einflussnahme für seine persönlichen Interessen im Stadtrat vor. „Das kratzt an meiner Ehre und der des Rates“, sagt Winkelmann. Er beruft sich auf Paragraf 188 des Strafgesetzbuches, der Kommunalpolitiker vor Verleumdung schützen soll.