Wernigerode l An die Anfänge des Stadtfeld-Gymnasiums erinnert sich Uwe Lagatz noch gut. „An den Schulen herrschte Aufbruchstimmung. Im legendären Schuljahr 1989/90 ging vieles drunter und drüber“, berichtete der Wernigeröder Historiker und Lehrer. Er hielt am Donnerstagabend den Festvortrag zur Jubiläumsfeier des Stadtfeld-Gymnasiums. Vor 25 Jahren nahm die Bildungseinrichtung den Betrieb auf.

Die Neugründung war bitter nötig. Kurz nach der Wende platzte die damalige Erweiterte Oberschule (EOS) „Gerhart Hauptmann“ aus allen Nähten, die Schüler drängten in die neu eingerichteten Leistungsklassen. Dann sollten Gymnasien gegründet werden. „Es war mit einem de facto nicht zu bewältigenden Zulauf zu rechnen“, sagte Lagatz, der damals mit dem Fahrrad ständig zwischen den Klassenräumen am Klint und im Harzblick pendelte.

Personalmangel

In dieser Situation entstand im Stadtfeld das dritte Wernigeröder Gymnasium. Knapp 700 Kinder und Jugendliche strömten nach den Sommerferien 1991 in die neu gegründete Schule. Der damalige Schulleiter Günter Mebert habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um rechtzeitig Räume und Material zu organisieren. Größtes Problem war aber der Personalmangel. „Neue Lehrer wurden händeringend gesucht“, so Lagatz. Mebert sprach persönlich Pädagogen an, die er kannte, und stellte ein laut Lagatz „bunt gemischtes und fleißiges Kollegium“ aus erfahrenen und junge Lehrern zusammen.

Die auch in späteren Zeiten „kluge Personalpolitik“ habe dafür gesorgt, dass das Stadtfeld-Gymnasium heute, wo wieder allerorten Lehrer fehlen, „im Vergleich zu anderen Schulen in Sachsen-Anhalt gut aufgestellt“ sei. Das gelte auch für das von 2010 bis 2012 modernisierte Schulgebäude, das den anfänglichen „Charme der untergegangenen DDR“ (Lagatz) längst abgestreift hat.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern, Eltern und anderen Partnern lobte René Grützmacher. „Wir dürfen stolz auf das Erreichte sein“, sagte der Schulleiter und untermauerte dies mit Zahlen. Fast 16 000 Schüler haben die Bildungseinrichtung in den vergangenen 25 Jahren durchlaufen. Mehr als 250 Lehrer haben sie betreut. Rund 5000 Unterrichtstage sind zusammengekommen, an denen geschätzt eine Million Stunden gegeben wurden. Genau 1545 Abiturienten haben im Stadtfeld die Reifeprüfung abgelegt. 75 Schulfeste sind gefeiert, bei rund 250 Kuchenbasaren ist Geld gesammelt worden.

Wichtiger Partner

Zahlreiche bauliche und organisatorische Veränderungen hat das Stadtfeld-Gymnasium erlebt. Grützmacher erinnerte an die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre und den doppelten Abiturjahrgang 2007, aber auch an den langen Weg zur Genehmigung für die Ganztagsschule. „Für uns ist das Gymnasium ein wichtiger Partner für Projekte in den Bereichen Kultur und Geschichte“, sagte Wernigerodes Sozialdezernent Andreas Heinrich. Beispiele seien die Schreibwerkstatt, die Schülerführungen durch die Anne-Frank-Ausstellung im Harzmuseum und der Klavierwettbewerb. Wichtig sei ebenso, dass das Stadtfeld-Gymnasium hervorragend im Wohngebiet vernetzt sei.

Nachzulesen ist die Schulgeschichte in einer Festschrift, die eine Schülergruppe unter Leitung von Sabine Langhoff zusammengestellt hat.