Wernigerode l Es war später Nachmittag, als ein lauter Knall die Fahrgäste eines Busses der Linie 201 nahe dem Wernigeröder Bürgerpark aufschreckte. Die Frontscheibe des Busses war stark beschädigt worden. Der Fahrer vermutete zunächst einen Steinschlag. Erst als Tage später zwei weitere ähnliche Vorfälle im Dornbergsweg gemeldet wurden, glaubte die Polizei endgültig nicht mehr an Zufall. Offenbar wurde gezielt auf zwei Busse und mindestens ein Auto geschossen. „Es könnte sich um Diabolo-Geschosse handeln“, sagte Polizei-Sprecherin Bettina Moosbauer der Volksstimme. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Die Serie von Angriffen auf die Busse und das Auto hat im Polizeirevier mittlerweile höchste Priorität. Drei Vorfälle stehen im Fokus der Ermittlungen: Am 23. November und am 3. Dezember waren zwei Linienbusse Ziel des oder der Schützen, jeweils nachmittags. Am 25. November wurde ein Auto durch ein Projektil am Vormittag beschädigt.

„Wir gehen davon aus, dass die Fahrzeuge im Vorbeifahren von Projektilen getroffen worden sind. Nach ersten Erkenntnissen wechselte vermutlich der unbekannte Täter den Standort zur Schussabgabe“, so Polizeisprecherin Moosbauer.

Polizei geht von noch mehr Schüssen aus

Die Ermittler entschlossen  sich gestern zudem, an die Öffentlichkeit zu gehen, um den Schützen zu ergreifen. „Unsere Spezialisten haben keine Projektile gefunden. Aber vielleicht haben Passanten oder Anwohner etwas entdeckt oder sogar beobachtet“, so Moosbauer. Und: Die Kriminalpolizei vermutet, dass noch mehr Fahrzeuge beschossen wurden, als bislang bekannt. „Wir hoffen, dass sich weitere Geschädigte bei uns melden.“

„So etwas hat es zum Glück in den vergangenen 25 Jahren nicht gegeben“, sagte Bjoern Smith, Geschäftsführer der Harzer Verkehrsbetriebe. Der Sitz seines Unternehmens befindet sich nahe dem Tatort. Smith versucht, seine Fahrgäste zu beruhigen. „In Gefahr war niemand im Bus.“

Das Sicherheitsglas der HVB-Fahrzeuge habe verhindert, dass Projektile ins Innere der Busse gelangen konnten. „Und ich habe Vertrauen in die Arbeit der Polizei, mit der wir natürlich vom ersten Tag an intensiv kooperieren“, so Smith. „Wir nehmen die Vorfälle natürlich sehr ernst.“ Den Sachschaden beziffert Smith mit mehreren Tausend Euro.

Schaden in HVB-Werkstatt aufgefallen

Bereits in der Werkstatt der HVB sei aufgefallen, dass nach dem ersten Vorfall der Schaden am Bus nicht durch einen einfachen Steinschlag verursacht worden sein konnte. Daraufhin habe man die Polizei verständigt, die eigene Gutachter mit dem Fall beauftragt hatten.

Wie genau die Ermittlungsarbeit der Polizei derzeit aussieht, dazu will Sprecherin Moosbauer keine genauen Angaben machen - aus „ermittlungstaktischen Gründen“. Offiziel ermittle man wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Wie gefährlich sind Diabolo-Geschosse wirklich? Die Projektile werden aus Luftgewehren, Luftpistolen sowie CO2-Waffen geschossen. Bei den Formen und Materialien gibt es verschiedenste Ausführungen: Spitz-, Flach und Rundkopf-Diabolos. Ein Flachkopf-Diabolo mit einem Durchmesser uvon 4,5 Millimetern und einer Länge von 5,4 Millimetern wiegt bis zu  0,6 Gramm.

Schwere Verletzung durch Diabolos möglic

Aus wenigen Metern Entfernung auf Menschen oder Tiere abgefeuert, können sie teils schwere Verletzungen hervorrufen. Druckluftwaffen sind in Deutschland  bis zu einer gewissen Obergrenze frei verkäuflich. Das Mitführen in der Öffentlichkeit ist dagegen nur mit einem Waffenschein erlaubt.

Dass sich die Angriffe gegen direkt die HVB richten, darauf deutet nach Volksstimme-Informationen ein Detail hin, dass sie Polizei bislang nicht veröffentlicht hat. Nach Volksstimme-Informationen steht auch der beschossene Pkw in Beziehung zu dem Harzer Verkehrsunternehmen. Offenbar gehört das Auto einem der HVB-Mitarbeiter. Offiziell gibt es dafür freilich keine Bestätigung.

Hinweise an das Polizeirevier Harz in Halberstadt unter Telefon 03941/674-293.