Oberharzstadt l Viele Wanderer haben sich in den ersten Tagen 2019 noch nicht an die Ufer der Stauseen im Bereich der Stadt Oberharz am Brocken getraut. Das Wetter war ja auch schlecht bis unwirtlich. Aber die wenigen, die erst dem Regen und nun dem Schnee trotzen, bemerken sofort die nach dem Trockenjahr 2018 erfreulich steigenden Pegel.

Zwischenzeitlich hat es sogar einen gefährlich starken Anstieg der Wassermengen gegeben. „Es war bis in den Dezember 2018 hinein extrem trocken“, informiert Burkhard Henning , Geschäftsführer des Talsperrenbetriebes des Landes. Danach und vor allem um den Jahreswechsel seien die Pegel aber rasant gestiegen.

So flossen laut Henning durch die sonst gemächlich plätschernde Kalte Bode am Dreikönigstag plötzlich fünf Kubikmeter Wasser je Sekunde. Der Mittelwert liegt dort bei 0,7 Kubikmetern. „Derzeit fließen 1,3 Kubikmeter je Sekunde in der Kalten Bode“, so Henning.

Meldegrenze fast erreicht

Die rasanten Anstiege hätten Anfang des Jahres schon fast die Meldegrenze erreicht - jene hohe Menge an Zuflüssen, bei der eine Hochwasserwarnung für das Land ausgegeben werden muss. „Das ist dann aber nicht eingetreten“, berichtet der Talsperrenbetriebschef.

Als Grund dafür gilt der einsetzende Frost, der Schneefall statt Regen erst in den höheren, dann in den unteren Berglagen. Das binde Wasser und Feuchtigkeit, so dass die Zuläufe sanken, so der Experte. Nur in der stets wasserreichen Warmen Bode fließen seit Jahresbeginn fast konstant um die fünf Kubikmeter Wasser je Sekunde ins Talsperrensystem und füllen es nach und nach wieder auf. Das sei nach dem trockenen Sommer und Herbst auch nötig und erfreulich, sagt Henning. So speichere die Rappbodetalsperre derzeit gesunde rund 75 Millionen Kubikmeter Wasser - vor kurzem waren es nur 59 Millionen gewesen. Auch in der Zillierbachtalsperre, in der die Wassermenge unter eine Million Kubikmeter gesunken war, stünde jetzt wieder eine satte Menge von rund 1,6 Millionen Kubikmetern Wasser für die Trinkwasserversorgung bereit.

Kein Tauwetter in Aussicht

„Die Lage hat sich also entspannt“, resümiert der Talsperrenchef, „aber wir bleiben natürlich wachsam.“ Mit einem plötzlichen Tauwetter und dann schlagartig herbeiströmenden Wassermassen werde nicht gerechnet.

Gleichwohl werde Stauraum für Schmelzwässer geschaffen. An der Talsperre Wendefurth als Endpunkt des Bodestausystems sei gerade der Abfluss von einem auf zwei Kubikmeter je Sekunde erhöht worden.