Wernigerode l Große Buchstaben, bunte Farben, einfache Formen: Großräumig verteilen sich die quadratischen Schaltflächen auf dem Bildschirm des Tablets – eines kleinen, handlichen Computers. „Diese Oberfläche kann man auf jedem Gerät nutzen“, erklärt Thomas Schatz. Der Mitarbeiter der Hochschule Harz engagiert sich im Verein Tecla und bietet in Wernigerode regelmäßig Technikberatung für Senioren an. Ältere bekommen bei ihm Rat und Hilfe im Umgang mit Computer, Laptop, Smartphone und Co.

Wobei auf die ältere Generation zugeschnittene Angebote wie simple Bildschirmoberflächen ihre Tücken haben. „Es wird vorgegaukelt, dass alles ganz einfach ist“, sagt Schatz. Doch wenn grundlegende Bedienungsroutinen fehlen, hilft das wenig. Deshalb zeigt der Wernigeröder ratsuchenden Senioren, wie sie ins Internet kommen, wie sie Fotos schießen und per Kurznachrichtendienst versenden sowie Briefe am Computer gestalten.

Großer Andrang

Seit dem Sommer berät Schatz einmal monatlich am Nachmittag im Frauenzentrum Wernigerode Senioren, die ihre Geräte mitbringen. Wegen des großen Andrangs wird das Angebot nun erweitert. „Die monatlichen Termine haben nicht mehr ausgereicht“, so Schatz. Ab Montag, 13. Februar, stehen die Vereinsmitglieder von Tecla im Beratungszentrum „Wohnen und Technik“ wöchentlich zur Verfügung.

Von 10 bis 12 Uhr werden in der Musterwohnung der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG), Korpernikusstraße 8 in Wernigerode, jeden Montag Ratsuchende empfangen. Eine vorherige Anmeldung unter Telefon 01 72-3 46 41 94 oder per E-Mail an thomas.schatz@seniorentechnikberatung.de ist notwendig. Der Service ist kostenfrei.

Sich mit Technik auszukennen, gehört mittlerweile in vielen Bereichen zum Standard. „Wir wollen die Bedienungskompetenz verbessern. Diese wird immer wichtiger, um sozial und kulturell mithalten zu können“, so Thomas Schatz. Er hat beobachtet, dass die ältere Generation Hilfe brauche und diese außerhalb der Familie suche, um Kindern und Enkeln nicht zur Last zu fallen.

Einfache Handgriffe

Die Scheu vor der digitalen Technik ist bei vielen groß. Oft hakt es bei einfachen Handgriffen, zum Beispiel beim Schließen von Programmen. „Viele haben Angst, dass sie etwas kaputtmachen. Da ist es schon hilfreich, wenn jemand ihnen sagt, dass man nichts kaputtmachen kann“, so Schatz.

Befürchtungen haben viele zudem zum Umgang mit Daten im Internet. Diese hielten ältere Internetnutzer zum Beispiel oft davon ab, Angebote wie Online-Banking in Anspruch zu nehmen. „Da muss man Vorbehalte abbauen und Zugangsängste mildern“, weiß Schatz.

Beratung bietet der Verein ebenso in Ilsenburg, Halberstadt, im Süden Sachsen-Anhalts sowie in und um Magdeburg an. „Doch nirgendwo sind die Bedingungen so gut wie hier“, betont Schatz mit Blick auf die Musterwohnung der WWG, die der Verein nutzt.

Möglichst lange selbstständig

Dort können die Besucher rund 40 technische Hilfsmittel kennenlernen, die Älteren den Alltag in der eigenen Wohnung erleichtern – von der automatischen Herdabschaltung über den Klingeltonverstärker bis zur barrierefreien Dusche. „Unser Ziel ist es, dass die Mieter möglichst lange selbstständig leben können“, erklärt WWG-Vorstand Christian Linde.

Klar sei, dass Senioren nicht weniger kompetent sind. „Die Älteren sind nicht dümmer. Sie haben nur andere Erlebnisse und Erfahrungen“, sagt Schatz. Jüngere hingegen kennen sich mit der Technik vergangener Jahrzehnte nicht aus. Neulich habe sein Neffe mit großen Augen ein Radiogerät mit Drehknöpfen angestaunt. „Damit wusste er nichts anzufangen.“

Buch zum Thema: „Technikberatung für ältere Menschen und Angehörige“ von Birgit Apfelbaum, Nina Efker und Thomas Schatz, Lambertus-Verlag 2016.