Wernigerode l Tempo-30-Zone oder Spielstraße, das ist im Schleifweg die Frage. In dem Wohngebiet zwischen der Benzingeröder Chaussee und der Halberstädter Straße wechseln sich Einfamilienhäuser mit Gartengrundstücken ab. Idyllisch, wenn der viele Verkehr nicht wäre. Autofahrer nutzen den Schleifweg als Abkürzung zwischen Burgbreite und Stadtfeld und halten sich dabei selten an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer, was oft zu brenzligen Situationen führt.

Die Anwohner fordern einen verkehrsberuhigten Bereich, im Volksmund Spielstraße genannt, um das Gefahrenpotenzial für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zu senken. Das ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich, teilt Gerald Fröhlich auf Volksstimme-Nachfrage mit.

Spielstraße nicht möglich

„Mit dem Aufstellen eines Schildes wäre es nicht getan“, so der Ordnungsamtschef. „Ein verkehrsberuhigter Bereich kommt nur für Straßen mit überwiegender Aufenthaltsfunktion und geringem Verkehr in Betracht.“ Das treffe auf den Schleifweg nicht zu. Die umliegenden Grundstücke seien nur über die Straße erreichbar, diese habe daher eine Erschließungsfunktion. Darüber hinaus sei der Schleifweg Verbindungsstraße zwischen Benzingeröder Chaussee und Halberstädter Straße, so Fröhlich.

Dazu kommt, dass für die Umwidmung zur Spielstraße bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. „Ein verkehrsberuhigter Bereich ist in der Regel niveaugleich auszubauen“, erläutert Ordnungsamtschef Fröhlich. Das heißt, ohne Trennung von Straße und Gehweg. „Es wären also umfangreiche Bauarbeiten notwendig.“

Stattdessen wolle man auf Verkehrsüberwachung setzen, kündigt Gerald Fröhlich an. „Es ist vorgesehen, den Bereich verstärkt zu kontrollieren.“ Nur so könne die strikte Einhaltung der Tempobegrenzung erreicht werden.

Anwohner Karl-Heinz Sieboth sieht noch ein weiteres Problem. Viele Autofahrer wüssten gar nicht, dass sie sich im Schleifweg in einer 30er-Zone befinden, weil sie das Schild übersehen. „Sie glauben, sie fahren auf der Hauptstraße, dabei hat eigentlich der Verkehr von rechts Vorfahrt“, so Sieboth. Dadurch sei es schon häufig zu Beinaheunfällen gekommen, zumal die Fahrbahn oftmals so zugeparkt sei, dass die nach rechts abzweigenden Straßen erst sehr spät gesehen werden. Sein Vorschlag: Aufpflasterungen wie auf dem Tünneckenberg und Piktogramme auf der Straße, die auf die 30er-Zone hinweisen. Schon vor Jahren habe er seine Idee persönlich und schriftlich im Ordnungsamt vorgestellt. „Bisher hat sich aber noch nichts geändert. Muss denn erst etwas passieren?“, fragt der Anwohner.

Kreisel nicht vor 2018

Indes steht die Realisierung des seit Jahren geplanten Kreisverkehres zwischen Schleifweg und Halberstädter Straße weiter in den Sternen. „Dazu laufen Untersuchungen“, informiert Gerald Fröhlich. 680 000 Euro seien dafür mittelfristig in den Haushalt eingeplant. Der Bau ist frühestens 2018 möglich, so Fröhlich. Die Realiserung sei jedoch abhängig von der Finanzierbarkeit und von den Haushaltsentscheidungen des Stadtrats. Den Pächtern der Gartensparte „Rimbeck“ wurde schon vor Jahren von der Stadt gekündigt, da die Fläche für den Kreiselbau benötigt wurde. Das Gelände liegt seither brach und ist inzwischen zugewuchert.