Kultur

TheaterNatur in Benneckenstein: Vereinsmitglieder kritisieren mangelnde Transparenz

Ein Streit hat zuletzt den Verein Kulturrevier Harz gespalten. Beruhigt haben sich die Gemüter noch nicht: Einige halten den Umgang des Vorstands mit dem früheren künstlerischen Leiter des TheaterNatur-Festivals, Janek Liebetruth, für fragwürdig.

Von Katrin Schröder
Wie geht es weiter  mit dem TheaterNatur-Festival in Benneckenstein? Nach dem Streit  zwischen Vorstand und dem langjährigen künstlerischen Leiter Janek Liebetruth melden sich  Mitglieder des Vereins Kulturrevier Harz zu Wort und äußern Kritik.
Wie geht es weiter mit dem TheaterNatur-Festival in Benneckenstein? Nach dem Streit zwischen Vorstand und dem langjährigen künstlerischen Leiter Janek Liebetruth melden sich Mitglieder des Vereins Kulturrevier Harz zu Wort und äußern Kritik. Archivfoto: Frank Drechsler

Benneckenstein - Das TheaterNatur-Festival in Benneckenstein hat seit 2015 für Kulturgenuss gesorgt. Dass es hinter den Kulissen des Vereins Kulturrevier Harz, der das Kulturereignis veranstaltet, gewaltig knirscht, wurde Mitte März deutlich: Der Vereinsvorstand und der langjährige künstlerische Leiter, Janek Liebetruth, trennten sich im Streit (die Volksstimme berichtete).

So richtig geglättet haben sich die Wogen seither nicht. Einige Vereinsmitglieder sehen das Vorgehen des Vorstands weiterhin kritisch und melden sich nun zu Wort. Das Agieren der Vereinsspitze sei wenig transparent gewesen, sagt Mitglied Sieghart Ashelm: „Der Vorstand hat das letzte Vierteljahr vor sich hingeköchelt.“ Grundsätzliche Fragen wie die nach der künstlerischen Leitung hätten die Mitglieder mitentscheiden müssen. „Man hatte aber den Eindruck, dass der Vorstand alles an sich gerissen hat.“

Weil eine herkömmliche Mitgliederversammlung wegen Corona nicht möglich war, wurde eine Online-Veranstaltung für Freitag, 5. März, angesetzt. Wie eine „Bombe“ habe die Einladung dazu eingeschlagen, sagt Mitglied Mandy Hilpert. Das Anschreiben dazu hatte es aus Sicht eines Teils der Mitglieder in sich. Darin heißt es unter anderem: „Sündhaft teure, von der Fachwelt gefeierte, aber von nur 50 Zuschauern besuchte Vorführungen waren und sind nicht das Ziel des Vereins. Wir wollen ein Festival auf hohem Niveau, das insbesondere von den Menschen in Benneckenstein, der Region und den Besuchern angenommen wird.“

Gründe für Zerwürfnis geschildert

Ausführlich wird aus Sicht des Vorstandes der Hergang des Zerwürfnisses mit der bisherigen künstlerischen Leitung geschildert. Dabei ging es demnach um die Finanzen, das Marketing und Probleme in der Kommunikation. Nicht alle teilten die Sicht des Vorstandes. „Wenn man das Anschreiben gelesen hat, war man völlig konsterniert“, so Ashelm.

Als Reaktion sandte Vereinsmitglied Nadine Albrecht einen Antrag an den Vorstand. Darin heißt es, dass das Gremium bis zur Mitgliederversammlung alle Aktivitäten zum Theaterfestival einstellen, dazu keine externen Termine wahrnehmen und keine Verträge dafür abschließen solle.

Ferner solle bei der Online- Versammlung die Möglichkeit zur geheimen, digitalen Wahl geschaffen werden. Beigefügt wurde eine Liste von infrage kommenden technischen Anwendungen. Entsprechend solle die Wahl des Vorstands auf die Tagesordnung gesetzt werden, wie dies bereits zuvor ein Mitglied beantragt hatte.

Vier Stunden Beratung

Dieses Vorgehen habe breite Unterstützung im Verein gehabt, betont Nadine Albrecht: „Den Antrag haben 51 von 80 Mitgliedern unterzeichnet.“ Darauf sei der Vorstand aber während der Online-Konferenz trotz Hinweisen der Teilnehmer nicht eingegangen. Stattdessen sei es in der vierstündigen Online-Beratung streckenweise „sehr persönlich geworden“, so Nadine Albrecht. Es sei „nicht lösungsorientiert und zielführend diskutiert“ worden, offenbar hätten sich die Vorstandsmitglieder angegriffen gefühlt. „Es geht uns aber nicht darum, jemanden persönlich vorzuführen“, betont Nadine Albrecht.

Das sagt auch Andreas Gutjahr. Im Vorstand seien viele verdiente Mitstreiter, doch in der Aussprache, an der mehr als 50 Personen teilnahmen, habe er den Eindruck gehabt, dass die Vereinsspitze sich als alleinigen Aktivposten darstelle. „Das ist nicht nur mir, sondern auch vielen anderen sauer aufgestoßen.“ Er vermisse die „Wertschätzung“ für die übrigen Mitglieder, die teils seit vielen Jahren engagiert mitarbeiteten.

Zwei Aspekte treiben die Mitglieder nun um – der erste ist der künstlerische. „Da sind Theaterfestspiele auf dem besten Weg, ein künstlerischer Leuchtturm zu werden, und dann wird das zerschlagen“, so Sieghart Ashelm. Viele hätten sich gewünscht, dass Janek Liebetruth weitermacht. Zwar werde das Festival 2021 die Handschrift der früheren Leitung tragen, wenn auch unter der Ägide von Dramaturgin Lena Fritschle. Dass man nicht mehr mit Liebetruth zusammenarbeiten wolle, aber seine Ideen umsetze, passe für sie nicht, sagt Mitglied Victoria Hoppe. „Das steht für mich in Widerspruch.“

Befragung zu spät

Zudem bewege sie ein zweiter Aspekt, nämlich der des Umgangs miteinander, sagt Mitglied Christel Liebetruth. „Es hätte ganz anders laufen können, wenn der Vorstand die Mitglieder von Anfang an mitgenommen hätte.“ Dann hätte man einen vernünftigen Abschied hinbekommen. Nach der Versammlung sei zwar nun eine Mitgliederbefragung angeschoben worden, so Andreas Gutjahr – das sei eine gute Sache, komme aber zu spät.

Der Vereinsvorstand will sich derweil auf Volksstimme-Nachfrage nicht zu den fraglichen Vorgängen äußern. „Für uns ist das Geschichte“, so der stellvertretende Vorsitzende Hans-Dieter Otto. Es habe mehrere Arbeitseinsätze an der Waldbühne gegeben, berichtet stattdessen der Vorsitzende Volker Herholt. „Diejenigen Mitglieder, denen es um die Sache, die Ausrichtung eines gewohnt hochwertigen Festivals geht, sind weiterhin aktiv dabei und gestalten gemeinsam und konstruktiv die Zukunft des Vereins“.

Diese lässt die Vorstandskritiker nicht kalt. Sie sei „sehr traurig“ über die Entwicklung, sagt Mandy Hilpert: „Wir Ehrenamtlichen haben viel Zeit investiert, man hat sich jedes Jahr darauf gefreut.“ Nun müsse man sehen, wie es mit der Vereinsarbeit weitergehe, sagt Mitglied Inga Burgmann. „Ich wünsche mir, dass man im Oktober alles Revue passieren lässt.“

Möglich, dass sich zu den 24 Mitgliedern, die im Zuge des Streits bisher ausgetreten sind, weitere hinzugesellen. „Ich kann mir vorstellen, dass einige noch abwarten“, so Andreas Gutjahr. Auf sich beruhen lassen könne man all dies aber nicht, sagt Nadine Albrecht. „So zu tun, als ob alles ok wäre, fühlt sich nicht korrekt an.“