Schierke/Torfhaus l Wie viele Eulen brütet der Waldkauz in Baumhöhlen, braucht also entsprechend alte Stämme. Die findet er in den Totholzbeständen des Nationalparks, informiert dessen Verwaltung in einer Pressemitteilung.

Doch es ist eigentlich egal, ob diese Bäume im Wald, im Garten, auf Friedhöfen oder in Parks stehen. Waldkäuze kommen überall klar, solange nur solche geeigneten Bäume vorhanden sind.

Auch in Bezug auf ihre Nahrung sind sie nicht weiter wählerisch. Waldkäuze erbeuten Säugetiere und Vögel bis zu einem Gewicht von circa 300 Gramm, was einem jungen Kaninchen oder einer Taube entspricht. Desweiteren stehen Amphibien und Wirbellose auf dem Speiseplan, gelegentlich auch Fische.

Diese Flexibilität ermöglicht Waldkäuzen ein leichteres Überleben auch in schneereichen oder mäusearmen Jahren, weshalb ihre Bestandsschwankungen bei weitem nicht so dramatisch sind wie bei anderen Eulenarten, beispielsweise dem Raufußkauz.

Der Vogel des Jahres 2017 ist leicht an seinem Ruf zu erkennen. Waldkäuze sind die klassischen „Krimikäuze“, deren Stimme gern zum Einsatz kommt, wenn irgendetwas schaurig sein soll. Ihre Balzrufe sind auch schon im Januar/Februar zu hören – damit sind sie mit die ersten im Jahresverlauf. Auch während der sogenannten Herbstbalz bekommt man sie oft mit. Manchmal hat man den Eindruck, sie rufen den ganzen Winter über.

Buchen werden bevorzugt

Im Nationalpark sind sie zuverlässig in den älteren Buchenbeständen anzutreffen. Wer sie hören möchte, muss nur zur Balzzeit ab Dämmerung bis einschließlich Dunkelheit beispielsweise im Eckertal spazieren gehen.

Angriffe auf Konkurrenten

Abzuraten ist von einem Anlocken mittels der mittlerweile weitverbreiteten Vogelstimmen-Apps – Waldkäuze finden es nicht sonderlich witzig, wenn „Konkurrenten“ in ihrem Revier rufen und können ganz schön garstig werden. Bekannt sind Angriffe auf Kopf und Gesicht, sogar schon mal inklusive verlorener Augen der menschlichen Störenfriede.

In den letzten Jahren häufen sich auch Beobachtungen aus den Nationalpark-Hochlagen, was möglicherweise mit den zunehmenden Offenflächen zusammenhängt, die auch den Waldkäuzen gute Jagdgründe bieten. So wurden beispielsweise schon Waldkäuze am Achtermann, bei Torfhaus oder bei Schierke gehört.

Wie sich damit auch die Verbreitung von Sperlings- und Raufußkäuzen im Nationalpark verändert, wird sich noch zeigen. Sie präferieren bisher die höheren Lagen, stehen aber auf dem Speisezettel der Waldkäuze.

Allerdings scheinen sie auch gut nebeneinander auskommen zu können, solange ausreichend andere Nahrung vorhanden ist. Das zeigen mehrfache Beobachtungen von parallel, in nur kurzer Distanz zueinander rufenden Sperlings-, Raufuß- und Waldkäuzen.