Wernigerode l Aufatmen in Hasserode. In der Straße Langer Stieg wird ein Krötentunnel gebaut. Aber: Noch einmal muss Hendrick Günnel ran, um die wandernden Amphibien in mühevoller Handarbeit sicher über die Straße zum Hochzeitslager am Teich zu bringen.

Anwohner machen sich für Tiere stark

Der Anwohner und Krötenretter hatte sich im Vorjahr sehr dafür stark gemacht, dass künftig nicht mehr Hunderte Lurche von Autos platt gefahren werden. Die Hinweistafeln „Achtung Krötenwanderung“ reichten ihm nicht, der Schutzzaun am Straßenrand war nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein. Günnel mühte sich redlich, doch ihm fehlten letztlich die Arme eines Oktopusses, um alle Kriecher am Straßenrand einzusammeln und sicher auf die andere Seite zu befördern, hatte er damals gesagt und einen Krötentunnel gefordert.

Umweltstiftung fördert das Vorhaben

„Er kommt“, versichert nun Günter Umann gegenüber der Volksstimme. Der Mitarbeiter im Wernigeröder Tiefbauamt hat die Planung selbst übernommen. Sie ist mittlerweile fix und fertig, das Bauprojekt kostet rund 14 000 Euro und wird von der Vattenfall-Umweltstiftung mit 10 000 Euro finanziell gefördert. Die Unterlagen, so Umann weiter, befänden sich gegenwärtig in der Ausschreibung. „Sind die Bauaufträge ausgelöst, gehe ich davon aus, dass der Tunnel im Sommer fertig ist“, sagt Umann und erläutert Details.

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Der Tunnel quert Gehwege und die Straße Langer Stieg in Höhe des Hasseröder Burghotels. Er wird etwa neun Meter lang und rund 50 Zentimeter hoch. Für den Bau werden fertige Betonsegmente verwendet, die im Straßenbereich oben geschlossen sind. So ist das Überfahren der Tunneldecke kein Problem. Im Gehweg- und Grünstreifenbereich werden hingegen Segmente mit Luftschlitzen eingebaut. „Das Ganze muss man sich vorstellen wie eine Längs-Entwässerung“, erklärt Umann. Nur, dass durch die unterirdische Straßenrinne kein Wasser fließe, sondern Kröten von A nach B wandern.

Im Optimalfall reicht Tunnel bis zum Teich

A ist in diesem Fall die Gartenanlage gegenüber dem Hasseröder Ferienpark, B der Teich, der zum Burghotel gehört und das Ziel der jährlichen Krötenwanderung am Langen Stieg ist. Bis dahin sind es vom Tunnelende noch etwa 40 Meter. Soll heißen: Für ein gefahrloses Weiterhopsen der Frösche wäre eine Verlängerung des Tunnels von der Straße bis direkt zum Teich durchaus sinnvoll. „Am Ende des Privatgeländes endet unsere Befugnis“, sagt Umann. Es sei also Sache der Hotelgeschäftsführung, den Tunnel zu verlängern.

Kriechgang schon früher ein Thema

Schon damals, als das Burghotel gebaut wurde, war ein Kriechgang für Lurche im Langen Stieg im Gespräch, der Plan wurde jedoch verworfen. Nun, fast zehn Jahre später, entsteht im Wernigeröder Stadtgebiet der erste Krötentunnel. Wird künftig mit einem Straßenschild darauf hingewiesen? Günter Umann schmunzelt und sagt: „Wir bauen ihn erst einmal.“

Helfer auch künftig gefragt

Doch ganz ohne Helfer wird es auch künftig nicht gehen. Die Kröten, die nicht auf Anhieb den Tunneleingang finden, müssen nämlich dorthin gebracht werden. Deshalb wird künftig stets im Frühjahr auf der Seite der alten Pachtgärten entlang der Straße ein 80 Zentimeter hoher Amphibienschutzzaun aufgestellt. In bestimmten Abständen befinden sich tiefer gelegte Sammelbehälter, meist Eimer. Frösche, die dort hineinfallen, müssen anschließend zum Eingangstrichter des Tunnels getragen werden.

„Wir brauchen also auch weiterhin engagierte Naturschützer, die helfen“, sagt Umann. Dass der Rathauskollege und bekennende Krötenretter Hendrick Günnel dabei ist, davon geht er fest aus. Seine Forderung nach mehr Schutz für Kröten auf Wernigerodes Straßen, oder besser: darunter, der sich im Vorjahr zahlreiche Volksstimme-Leser angeschlossen hatten, wird ja nun erfüllt.

Diese Methode der Krötenrettung gibt es übrigens bereits am Stadtrand von Wernigerode. Im Bereich der Teichmühle befindet sich unterhalb der Bundesstraße 244, die nach Schmatzfeld führt, ebenfalls ein Amphibientunnel.