Veckenstedt l Volksfeststimmung am Meineteich. Ganze Familien von Hobby-Anglern beobachteten am vergangenen Sonnabend das Abfischen. Sie staunten nicht schlecht, dass die beiden Teichwirte Diethard Trick und Bernd Alisch mit ihren 15 Helfern neben den Karpfen so viele und so große andere Fische aus dem Wasser holten.

Bilanz am Mittag: Neun Tonnen Fische wurden geerntet, davon acht Tonnen Karpfen. Hinzu kamen zur Freude aller Beteiligten noch eine Tonne andere Fische, darunter vor allem Zander, Hechte, Graskarpfen und Störe.

Forellen mögen kein Flachwasser

Forellen allerdings, die neben den Karpfen den Hauptumsatz der Veckenstedter Teichwirtschaft ausmachen, tummelten sich in diesem flachen Gewässer nicht. „Die Forelle benötigt kaltes Wasser und damit tiefere Teiche“, erläuterte Firmenchef Diethard Trick. Diese Fische kämen aus anderen der insgesamt neun von ihm und seinen Helfern bewirtschaftet Teiche.

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Im Morgengrauen hatte der Fischzug begonnen. Jubel brandete auf, als ein 1,30 Meter langer Stör den Teichabfluss passierte und danach auf den Sortiertisch bugsiert wurde. „Geschätzt zwölf Kilogramm bringt dieser Fisch auf die Waage“, sagte der erfahrene Hobby-Angler Hans-Jürgen Enigk. 40 Jahre lange hatte er dem Ilsenburger Anglerverein angehört, nun aber aus Altersgründen nicht mehr“, sagte der 73-jährige. „Die Freude am Angeln aber ist geblieben. Deshalb helfe ich auch hier beim Abfischen“, so der Fachmann. Gunter Stark aus Niedersachsen zählte zu den weiteren Helfern. „Seit der Wende angle ich hier aus Zeitvertreib. Da war es für mich auch selbstverständlich beim Abfischen zu helfen“, so der Rentner. Die diesjährigen Karpfen brachten im Durchschnitt zwei bis zweieinhalb Kilogramm auf die Waage. Zahlreiche schwergewichtigere Fische, die jedes Pfannenmaß überschreiten, werden filetiert und verkauft, vorwiegend an jüngere Kunden. „Die Erfahrung besagt, dass dieser Kundenkreis den Karpfen lieber als Filet zubereitet“, so Diethard Trick.

So oder ähnlich geschieht die Fischernte schon seit 1463. Am 13. März jenen Jahres hatte Heinrich Graf zu Stolberg dem Kloster Ilsenburg „einen Fleck Holzes und Grases vor dem Kersenforde über Veckenstedt“ gegen einige Wiesenflecke vermacht. Damit war die Erlaubnis verbunden, dort einen Teich anzulegen. Urkunden beispielsweise von 1528 belegen Grenzbezeichnungen und Entscheidungen über Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Fischzucht.

Noch heute profitieren die Menschen im gesamten Harzkreis, auch im benachbarten Niedersachsen, von dem offensichtlichen Bedarf der Wernigeröder Grafenfamilie für ihre Fischessen im Rahmen der „Seelmessen“, auch Dank der Teichwirte Diethard Trick und Bernd Alisch. Sie waren einst im VEB Binnenfischerei beschäftigt und erwarben ihren Arbeitsplatz nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt.