Ballenstedt/Wernigerode l Mit 70 Jahren genießen die meisten Leute ihren Ruhestand. Arbeitshandschuhe tragen sie höchstens bei der Gartenarbeit. Nicht so Rolf Dümmler. Der Ilsenburger greift zu Akku-Schrauber und Schraubenschlüssel – um eine mehr als 32 Meter lange Transall auf dem Fluplatz nahe Ballenstedt in Einzelteile zu zerlegen. Derzeit werden die Tragflächen, in denen sich die Tanks der Maschine befinden, demontiert. Die beiden Flügel und das Mittelteil, mit dem sie am Rumpf besfetsigt sind, haben insgesamt eine Spannweite von 40 Metern. „Wir lösen Hunderte Schrauben und müssen vorher die Verkleidung entfernen“, erläutert der Mitarbeiter des Wernigeröder Luftfahrtmuseums.

Dort, genauer gesagt auf dem Dach, soll die ausgediente Militärmaschine als Sehenswürdigkeit präsentiert werden und Besucher anlocken. Eigentlich sollte die „Landung“ schon in wenigen Tagen stattfinden, der Transport war für die Nacht vom 23. auf den 24. April geplant. Nach erfolgtem Abbau von Flügeln und Leitwerken, sollte die Maschine auf einem Schwerlasttransporter nach Wernigerode gefahren werden.

Technische Probleme

Doch der Termin verzögert sich „aufgrund von technischen Problemen“, sagt Mario Schmidt, Pressesprecher des Luftfahrt-Museums. Welcher Art diese Probleme sind, könne er nicht näher erläutern. Sie sollen jedoch in wenigen Monaten gelöst sein. „Wir hoffen bereits im August, spätestens aber im Herbst ist es soweit“, versichert Schmidt.

Transall wird im Harz zerlegt

Ballenstedt (mg) l Im August 2018 soll die Transall "Silberne Gams" ins Luftfhartmuseum Wernigerode transportiert werden. Noch wird am Flugzeug auf dem Flugplatz Ballenstedt-Asmusstedt geschraubt.

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  • Das Innere der Transall dient den Mitarbeitern des Luftfahrtmuseums Wernigerode als Werkzeughalle, berichtet Techniker Matthias Kögler. Foto: Sandra Reulecke

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  • Trotz der Dimensionen ist der Bewegungsspielraum in der Transall für die Demontage nicht immer groß: Matthias Kögler vom Luftfahrtmuseum Wernigerode flext hier im Innenraum einer Gondel - dort befindet sich normalerweise das Triebwerk. Foto: Sandra Reulecke

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Für die vielen Technikfans, die es kaum abwarten können – 10 bis 20 Anfragen zur Transall kommen pro Woche – hat der Pressesprecher ein Trostpflaster: Die Triebwerke des Militärflugzeugs sowie einige andere Maschinenteile sind bereits im Museum zu sehen. Exakt beschriftet, um sie später wieder an der richtigen Stelle zu verbauen. „Das ist wie ein Puzzle für Erwachsene“, sagt Mario Schmidt und lacht.

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Von Hitze bis Schnee

Dafür, dass es immer mehr Teile bekommt, sind Mechaniker des Flugzeugmuseums seit März auf dem Ballenstedter Flugplatz im Einsatz. Bei den derzeit sommerlichen Temperaturen haben sie einen beneidenswerten Arbeitsplatz. „Wir haben hier aber auch schon bei minus zehn Grad Celsius und Schnee gearbeitet“, berichtet Mathias Kögler.

Der gebürtige Thüringer ist seit 2015 im Flugzeugmuseum beschäftigt. Trotz seiner Ausbildungen zum Metallbauer und Techniker für Kraftfahrzeuge und Maschinentechnik ist die Arbeit an der „Silbernen Gams“, wie das Flugzeug aufgrund seiner Lackierung genannt wird, herausfordernd. „Wir haben zwar viel Werkzeug, aber keines speziell für diese Maschine“, erläutert er. „Was normalerweise Mechaniker mithilfe Hebebühnen, Kränen und spezieller Technik machen, machen wir auf dem freien Feld.“ Tipps für die Demontage haben sich die Museumsmitarbeiter telefonisch bei großen Fluglinien geholt, berichtet Mario Schmidt. Zudem haben Museumsleiter Clemens Aulich und Mathias Kögler die Verschrottung einer Transall in Bayern verfolgt.

Arbeit ist "ein kleiner Traum"

Trotzdem sie sich dort einiges abschauen konnten, ist in Ballenstedt Improvisationstalent gefragt. Und Geduld. „Das Flugzeug hat 45 Jahre auf dem Buckel, einige der Schrauben sitzen richtig fest“, erläutertKögler. Manchmal ist das Abflexen der Schraubenköpfe die einzige Möglichkeit, die Bauteile zu lösen. „Aber vorsichtig. Die Maschine soll zwar nicht mehr fliegen, aber es soll auch nichts kaputt gehen.“ Trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen ist die Arbeit an der Transall „ein kleiner Traum“ für den der 38-Jährigen und seine Mitstreiter. „Als ich angefangen habe, hatten wir nur kleine Maschinen. Ich habe mich quasi hochgearbeitet“, sagt Rolf Dümmler augenzwinkernd.“

Die Museumsmitarbeiter sind mit ihrer Begeisterung für die „Gams“ nicht allein: Ihre letzte Landung im Dezember verfolgten rund 2000 Schaulustige live auf dem kleinen Flugplatz in Ballenstedt. Die Videos der Ankunft wurden im Internet millionenfach angesehen.