Thale l Was wird mit dem Bauspielhaus in Thale? Eine Frage, die am Mittwoch vor Ort gleich mehrfach aufgekommen ist. Wenngleich es aktuell noch keine abschließend verbindliche Antwort darauf gibt, lautet die wahrscheinlichste Perspektive, dass die Stadt sowohl für das Bauspielhaus als auch für die Wasserwelt das Zepter übernehmen wird. Entscheidender Aspekt dabei: Kommt es so, dürfte sich für die Kunden im Kern wenig ändern.

Insolvenzprobleme ausdrücklich verneint

Insolvenzgerüchte, die durch die Stadt wehen, wurden zumindest von Arne Neubert, dem Mann von Aktiv-Spiel-Haus-Geschäftsführerin Petra Neubert, ausdrücklich verneint. „Insolvenzprobleme dementiere ich definitiv“, so Arne Neubert. Seine Frau, die Geschäftsführerin der Aktiv-Spiel-Haus GmbH, war trotz mehrfacher Versuche für die Volksstimme nicht erreichbar.

Arne Neubert räumte indes gewisse Probleme ein – zumindest mit Blick auf das Freibad Wasserwelt. Es wird ebenso wie das Bauspielhaus von besagter GmbH betrieben. Wobei die Macher, die die sanierte Wasserwelt 2015 eröffnet und seither von der Stadt gepachtet haben, auf gewisse Synergieeffekte abzielen. Im Winterhalbjahr sollen vor allem über das Bauspielhaus Umsätze gemacht werden, in den Sommermonaten rückt hingegen die Wasserwelt als Besuchermagnet in den Fokus.

Problem-Sommer

Ein Plan, der in diesem Jahr nur begrenzt aufgegangen sei, wie Arne Neubert signalisierte. „Der Sommer war problematisch, wir hatten nicht die Erträge, die wir uns erhofft hatten“, so Neubert. Das Wetter sei nicht optimal gewesen, es sei zudem schwierig gewesen, Personal zu finden. Zu weiteren Details wollte sich Neubert nicht äußern, er räumte aber durchaus Gespräche mit der Kommune ein.

Was Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) auf Anfrage bestätigte. Es gebe Signale, wonach die Aktiv-Spiel-Haus GmbH in gewissen Schwierigkeiten stecke. Zu Details wollte sich auch Balcerowski nicht äußern. Aber: Alles könne darauf hinauslaufen, dass die Stadt Thale schon in absehbarer Zeit sowohl beim Freibad Wasserwelt als auch beim Bauspielhaus als Nachfolger zumindest indirekt einspringen könnte. „Es gibt zumindest entsprechende Überlegungen“, so Balcerowski.

Schieflage?

Dreh- und Angelpunkt aller Planspiele scheint eine finanzielle Schieflage der GmbH zu sein. Nach Recherchen der Volksstimme soll dazu – neben den Ertragseinbrüchen bei der Wasserwelt – wohl auch eine insgesamt steigende Konkurrenz bei Indoor-Spielhäusern, wie dem Bauspielhaus, beigetragen haben. Als Vorreiter in diesem Segment in der Region lange Zeit unangefochten, fischen mit dem HaWoGe-Spielemagazin in Halberstadt, dem Hasseröder Ferienpark in Wernigerode und dem Känguroom in Bad Harzburg heute noch andere Anbieter Kunden ab.

Offenbar will die Aktiv-Spiel-Haus GmbH eine nach Volksstimme-Informationen drohende Insolvenz abwenden, indem das Haus abgestoßen wird. Die Pläne nach Recherchen der Volksstimme: Ein Gutachter taxiert den aktuellen Marktwert, anschließend könnte die Stadt Thale von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Mit dem Erlös könnte die GmbH offene Verbindlichkeiten tilgen. Zudem wird seitens der GmbH wohl ernsthaft in Erwägung gezogen, den mit der Stadt Thale geschlossenen Pachtvertrag für die Wasserwelt zu kündigen.

Dementi

Arne Neubert dementiert das: „Wir haben keine Pachtverträge gekündigt. Und von meiner Seite gibt‘s dazu auch nichts weiter zu sagen.“

Das Stadtoberhaupt bestätigt indes, dass die GmbH auch gegenüber der Stadt Schulden hat. Details will der CDU-Politiker nicht nennen. Insofern bleiben Zahlen, die hinter vorgehaltener Hand kursieren, ebenfalls unbestätigt. Aber: Balcerowski bekräftigt, dass es Überlegungen zum Kauf des Bauspielhauses gibt, basierend auf gutachterlichen Verkehrswerten.

Pläne für Bauspielhaus in der Schublade

Sollte all dies eintreten, würde die Stadt mit ihren kommunalen Firmen einmal mehr einspringen. Vor ziemlich genau einem Jahr war es die in Schieflage geratene Bodetal-Therme, die die Stadt übernommen hatte. Das Haus wird seither von der Freizeitanlagen Betriebsgesellschaft geführt. „Sollte der Pachtvertrag für die Wasserwelt gekündigt werden, müssten wir als Eigentümer eine Lösung für das Freibad finden“, so Balcerowski. Sein Plan: Verpachtung der Anlage an besagte Betriebsgesellschaft, die dann auch das Freibad im Ortsteil Altenbrak, bislang von der Bodetal-Tourismus GmbH geführt, übernehmen könnte. „Wir hätten dann quasi eine kommunale Bädergesellschaft.“

Und auch für das Bauspielhaus hat der CDU-Kommunalpolitiker bereits einen Plan in der Schublade, sollte es tatsächlich zum Verkauf stehen: Die Kommune nutzt das Vorkaufsrecht und verpachtet die Immobilie anschließend an ihre städtische Tochter, die Bodetal-Tourismus GmbH, die unter anderem das Bergtheater und den Tierpark auf dem Hexentanzplatz sowie das Klubhaus, die Tourist-Infos sowie die Waldbühne Altenbrak betreibt. Ändern, das ist Balcerowskis Kernbotschaft, würde sich für die Kunden und Nutzer in beiden Fällen – so sie tatsächlich eintreten – wenig. „Wir würden wohl nur den Namen des Hauses mit unserer Marke verknüpfen und es beispielsweise eher Hexenhaus nennen.“